von Stefan Ripplinger
Die europäischen Künstler richten etwas her, die US-amerikanischen lassen alles, wie es ist. Wenn sich aber ein europäischer Fotograf, sagen wir mal Wolfgang Tillmans, gewissermaßen gegen seine Tradition, dazu entschließt, etwas Banales abzubilden, wird das Bild … banal. Der amerikanische Fotograf fotografiert das Banale, ändert es nicht im Mindesten, es sei denn durch einen Winkel, eine Tönung, einen Dreh, und es gerät zu einem Faszinosum. Es fasziniert und bleibt zugleich schlicht das, was es ist. Nur der Blick ändert sich. William Eggleston zeigt einen Haufen stinkender Müllsäcke, aber auf seinem Foto sind sie einfach schön. (Und vielleicht waren sie es schon immer, aber er ist der erste, der darauf verfiel, Müllsäcke zu fotografieren. Wer Eggleston kennt, verändert sein Verhältnis zu Müllsäcken.) So richten die Alltagsmystiker des New American Cinema ihre Gegenstände nicht her (es fehlte ihnen auch das Geld dazu), sie lassen nicht spielen, sie haben kein Extralicht, kein Studio, keine Kostüme, kein Set, sie haben nur die Stadt oder den Wald hinterm Haus. Ihr Stoff ist alles, was zufällig da ist. Aber die Züge und Zäune bei Bruce Baillie, der Central Park bei Jonas Mekas erscheinen zugleich wie verwandelt und doch genau als das, was sie sind. Sogar der größte Visionär des US-Kinos, Stan Brakhage, konnte mit einigem Recht behaupten, er sei doch bloß ein Dokumentarist.
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