von Stefan Ripplinger
Je schlechter politische Kunst ist, umso genauere Aussagen macht sie über den Zustand von Kultur, Künstler, Kritik. Hans Haackes deutsche Erdproben im Reichstag, allein die Idee schon, nicht erst die Diskussion, oder die faulen „Versprechungen“ von Jochen Gerz sprechen Bände. Und so auch Gunter Demnigs ins Trottoir eingelassene, ausgerechnet von der Alfred-Toepfer-Stiftung preisgekrönte, ausgerechnet goldene „Stolpersteine“, die an Opfer der Nazis erinnern sollen. Über einen dieser Steine waren wir kürzlich gebeugt, er zeigt an, dass eine junge Frau aus diesem Haus in dieser Neuköllner Straße verschleppt und drei Tage später im KZ ermordet worden ist. Durch uns wurden zwei arabisch aussehende Jugendliche auf den Stein aufmerksam, und als wir weiterspaziert waren, sahen wir gerade noch, wie einer der beiden auf ihn spuckte. Egal, wie schlecht diese Kunst ist, sie erinnert uns doch immer daran, wo wir leben, wer wir sind. Vermutlich je schlechter, umso mehr.
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