Stefan Ripplinger:Tempelhof
31. Oktober 2008, 08.26 Uhr:

Tempelhof

von Stefan Ripplinger

Kurz vor Mitternacht liefen wir nochmal an die Rollbahn. Ein paar unentwegte Fotografen, ein paar Betrunkene, ein paar Urberliner, nichts weiter. Irgendjemand hatte sein Radio auf die Meldungen des Tower eingestellt. Außer einem Sportflieger war kein Flugzeug mehr zu sehen, und bald wurde es uns zu kalt. Ich habe es geliebt, wenn die großen Maschinen direkt über dem Haus herunterwuchteten, ein gewaltiger Lärm, die Bäume bogen sich im Zugwind, der ganze Himmel verdunkelte. Schöner noch in regnerischer Nacht, ein mächtiges Glitzern mitten in der Schwärze. Und natürlich war man immer, wie in dem Schlager von Gilbert Bécaud, der Junge aus der Vorstadt, der aus der Enge des Wohnblocks 21 keinen anderen Ausweg kennt als die Besuche des Flughafens Orly, wo die „Nachtvögel“ abheben. Eines Tages wird er hoffentlich selbst in einem Flugzeug sitzen und den Wohnblock winzig wie einen Punkt verschwinden sehen.

À l’escalier six, bloc vingt-et-un
J’habite un très chouette appartement
Que mon père, si tout marche bien
Aura payé en moins de vingt ans
On a le confort au maximum
Un ascenseur et une salle de bain
On a la télé, le téléphone
Et la vue sur Paris, au lointain
Le dimanche, ma mère fait du rangement
Pendant que mon père à la télé
Regarde les sports religieusement
Et moi j’en profite pour m’en aller

Je m’en vais le dimanche à Orly
Sur l’aéroport on voit s’envoler
Des avions pour tous les pays
Tout l’après-midi… y’a de quoi rêver
Je me sens des fourmis dans les idées
Quand je rentre chez moi la nuit tombée

À sept heures moins cinq, tous les matins
Nicole et moi, on prend le métro
Comme on dort encore, on ne se dit rien
Et chacun s’en va vers ses travaux
Quand le soir je retrouve mon lit
J’entends les Boeings chanter là-haut
Je les aime, mes oiseaux de nuit
Et j’irai les retrouver bientôt

Oui j’irai dimanche à Orly
Sur l’aéroport on voit s’envoler
Des avions pour tous les pays
Pour toute une vie… y’a de quoi rêver
Un jour de là-haut le bloc vingt-et-un
Ne sera plus qu’un tout, tout petit point.

(Musik: G.B. / Text: Pierre Delanoë; 1963)

Kommentare

Therese Oelschlegel sagt dazu (01.11.2008@10:24):
Ja, es ist sehr ruhig geworden über meinem Haus. In meinem Alter möchte man hinzufügen, viel zu ruhig. Nur meine Katzen wissen es zu schätzen, wenn sie nun seelenruhig auf dem Balkon sitzen.

Das ist ein schätzbarer Vorteil, Madame. Aber mir scheint es, wenn wir schon in einer Stadt wohnen, sollte es nicht ZU ruhig werden. Ab und zu muss ein Auto in die Fassade krachen, ab und zu muss einer schreiend mit einem blutenden Schlachtermesser über die Straße laufen und ab und zu muss der türkische Herr vorbeiradeln, der Neukölln mit der Durchsage: "Ich will Wahlrecht!" beschallt.

Wind aus West bei 13 km/h, überwiegend bewölkt bei guter Sicht, relative Luftfeuchtigkeit von 100% bei 4° C. Luftdruck 1003 Hektopascal. Und das konstant seit bald zwei Wochen. Oder auch EDDI 302350Z 26007KT 9999 FEW006 BKN011 04/04 Q1003.

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