von Jörn Schulz
Warum sollen eigentlich immer die Linken komisch sein? Warum interessiert das so viele Leute, die selbst selten für Erheiterung sorgen, etwa die nach einem der wenigen Märtyrer des deutschen Kapitals benannte Alfred Herrhausen Gesellschaft, bei der Jan Fleischhauer sein Buch „Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde“ präsentierte? Und warum glaubt heutzutage jeder verklemmte Nörgler, er sei ein hedonistischer Konservativer?
Dem Thema „Die Linke und der Humor“ hat die Jungle World vor rund drei Jahren ihre Aufmerksamkeit gewidmet (Nr.10/2006). Zum Thema Hedonismus und Konservatismus hat Iggy Pop alles Notwendige gesagt:
“When I run out of bread I laugh / All the way to the bank / Sometimes I pause for a drink / Conservatism ain’t no easy job / I smile in the mornings / I live without a care / Nothing is denied me / And nothing ever hurts / I got bored so I’m making my millions / When you’re conservative you get a better break / You’re always on the right side / When you’re conservative / You walk with pride / Pride is on your side
Schon immer mussten Linke die Prinzipien der bürgerlichen Demokratie gegen die Konservativen verteidigen. Daran hat man sich gewöhnt, doch mittlerweile muss man den Konservativen auch noch erklären, was Konservatismus eigentlich ist. Also, Herr Fleischhauer, Sie hätten, wie es sich für einen Konservativen geziemt, erst einmal einen Blick in die Bibel werfen sollen. „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“, heißt es da. Man wäscht nicht schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit, nur weil man von seiner Mutter gezwungen wurde, seine Wäsche selbst zu waschen. Ein wahrer Konservativer beklagt sich nicht über seine Erziehung, er schweigt mannhaft, aus Respekt vor seinen Eltern.
Fleischhauers Genörgel ist umso unverständlicher, als er eine wertorientierte Erziehung genoss: keine Cola, keine Burger, keine Comics. Statt sich auf Knien dafür zu bedanken, dass er zu Verzicht und Eigenverantwortung angehalten wurde, jammert er darüber, dass er nicht genug Cola bekam. Warum hat der Bursche sich nicht eine ehrliche Arbeit gesucht, um das nötige Geld für ein paar Hamburger zu verdienen? Das hat noch keinem geschadet!
Fleischhauer stellte sein Buch auch in einem Restaurant in Charlottenburg vor, wohlwollend lauschten ihm unter anderem Franz-Josef Wagner, der Großmeister der unfreiwilligen Komik, und Arnulf Baring, der glaubt, Hitler habe „den Leuten einen Elan vermittelt, der vollkommen von uns gewichen ist“. Zum Glück, mir jedenfalls ist es lieber, wenn die Fleischhauers, Barings und Wagners sich lauthals und ausdauernd wegen ihrer Leiden unter dem linken Terror bemitleiden und weiter eifrig daran arbeiten, das Niveau des deutschen Konservatismus zu senken. Dies „sei wohl das einzige politische Buch, in dem die Worte ‚Waschmaschine’ und ‚Körbchengröße’ vorkämen, sagt Alexander Fest“, Fleischhauers Verleger. Er hält das für ein Lob.
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