von Stefan Ripplinger
Selbstverständlich habe ich mich längst daran gewöhnt, dass das, was mich interessiert, nicht mehr als ein, zwei Dutzend anderer Nasen hinterm Handy vorlockt. Das hat große Vorteile, niemand zerredet einem die Lieblingskunst. Aber manchmal wundert es einen doch, so im Falle Franz Baermann Steiner. Ist das nicht eine der erstaunlichsten Ausgrabungen der letzten 20 Jahre? Ist das nicht ein Denken, das, ohne reaktionär zu sein, der gehegten Tradition der Aufklärung scharf widerspricht und also doch zumindest anstößig sein müsste? Hat der Mann nicht mit Theodor W. Adorno, Paul Celan und Mary Douglas renommierte Fürsprecher gehabt? Ich sehe nicht, dass zu seinem hundertsten Geburtstag am 12. Oktober oder auch zum Abschluss der Werkausgabe bei Wallstein bislang etwas anderes als meine Kleinigkeit erschienen wäre. Das spricht übrigens alles für Steiner; seine Sachen sind weder bekömmlich noch verdaulich.
Neuerdings kann man sich hier zwei Passagen aus H.G. Adlers Brief an Chaim Rabin über F.B. Steiner, einen Aphorismus aus den Feststellungen und Versuchen und zwei Gedichte Steiners, „Kafka in England“ und „Elefantenfang“, von mir vorlesen lassen. Dazu lasse ich zwei Préludes des wunderbaren Iwan Wyschnegradsky spielen.
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