Stefan Ripplinger:Sorry
31. März 2008, 13.12 Uhr:

Sorry

von Stefan Ripplinger

Das Wissen darum, dass nicht die Zeit uns ein Leid antut, indem sie vergeht, sondern wir ihr, indem wir sie verstreichen lassen, teilen im Cartoon Gut und Böse. Sowohl Spongebob als auch Plankton rufen beim Abreißen des Kalenderblatts: »Sorry about this, calendar.«

Kommentare

Therese Oelschlegel sagt dazu (14.04.2008@15:36):
Es ist eben doch schmerzlich, wie schnell die Zeit vergeht!

- Weder für den Kerkerhäftling noch für den Schmerzpatienten, aber doch für den Abreißkalender.

Therese Oelschlegel sagt dazu (17.04.2008@08:47):
Aber wie schmerzlich ist es doch gerade für eben jene!
Der Häftling ist nicht Herr seiner Zeit, dazu gezwungen, sie laufen zu lassen, ohne sie sinnvoll mit Leben füllen zu können. Jeder Tag ein verlorener Tag.
Der Schmerzpatient kann seine Zeit ebenfalls nicht genießen, sein Leben wird durch den Schmerz bestimmt.
Mag sein, dass beide wünschten,die Zeit der Haft und des Schmerzes ginge schneller vorbei, doch ist es nicht umso schmerzlicher, die Nutzlosigkeit in ihr zu erkennen?
Auch das Schicksal des Kalenders besteht aus einem gewissen 'Schmerz', ja, aber sie hat - immerhin, immerhin, doch einen Sinn. Sinnlosigkeit schmerzt oft viel tiefer, als tief empfundener Schmerz.
Schopenhauer sieht den Schmerz als eine Wiederholung in der Reflexion. Der Schmerz als das Nachwehen eines leiblichen Schmerzes, ein sekundärer, aber reflektierter Schmerz, der unter Umständen tiefer nachwirken kann als der primäre.
Eine nachträgliche Einsicht in die nutzlos verstrichene Zeit schmerzt mehr, als ein momentaner Schmerz.
Ein Kalender lässt sich schneller trösten.

"Ein Kalender", schreiben Sie, gnädige Frau, "lässt sich schneller trösten." Und schließen wir es auch nicht ganz aus, dass er, horribile dictu, in der Amputation einige Lust empfindet. Nichts trauriger jedenfalls als ein Abreißkalender, der ein wochenaltes Datum zeigt, weil sich niemand an ihm vergehen mochte.

Therese Oelschlegel sagt dazu (18.04.2008@16:02):
Von Lust war ja nun gar nicht die Rede - und siehe da, der Phantomschmerz ist nichts anderes als das Nachwehen des leiblichen Schmerzes.

Das Abreißen des Kalenders als eine Wiederholung im Reflex, nicht in der Reflexion, sicherlich.

Wieviele Phantome also hinter jedem verbliebenen Schnipsel einer abgerissenen Seite stehen, mag also dahin gestellt bleiben.

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