von Jörn Schulz
Wenn ein ehemaliger Polizist Innensenator wird, muss man wohl mit so etwas rechnen. »Nicht jeder Schulschwänzer wird kriminell, aber alle Kriminellen haben irgendwann einmal die Schule geschwänzt«, sagte Udo Nagel, Innensenator von Hamburg. Ebenso gut hätte er sagen können: »Nicht jeder, der Windeln getragen hat, wird kriminell, aber alle Kriminelle haben irgendwann einmal Windeln getragen.« Doch Nagel und seine Kollegen in der Innenministerkonferenz wollen nicht die Windeln verbieten, vielmehr sollen die Kaufhäuser erst um 15 Uhr ihre Spielkonsolen einschalten, damit es weniger »Anreize« zum Schwänzen gibt. Im Vertrauen gesagt, Herr Nagel: Als ich die Schule geschwänzt habe, war das einzige elektronische Spiel Ping Pong, im Kaufhaus gab es keine Konsolen, dennoch hat es an Anreizen nicht gefehlt. Wenn mich im übrigen Polizisten beim Schwänzen erwischt und in der Schule abgeliefert hätten, wie Sie und Ihre Kollegen es vorschlagen, hätte ich zwar über den Bullenstaat geschimpft, wäre aber insgeheim froh gewesen, auf Staatkosten meinen Ruf als Rebell stärken zu können. Übrigens ist es gute Hamburger Tradition, ein bisschen kriminell zu sein. Da Sie in Bayern aufgewachsen sind, können Sie das nicht wissen, aber vielleicht singt Ihnen einer Ihrer Senatskollegen das Lied (hier aus dem Plattdeutschen übersetzt) mal vor: »Ja, ja, ja klauen, klauen, Äpfel woll’n wir klauen / Ruck Zuck über’n Zaun / Ein jeder aber kann das nicht / Denn er muss aus Hamburg sein.«
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