Jörn Schulz:Aufregung über Obama
17. April 2008, 14.45 Uhr:

Aufregung über Obama

von Jörn Schulz

Viele Gegner Barack Obamas glauben, es sei der Fehler, auf den sie so lange gewartet haben. »Es überrascht nicht, dass sie verbittert werden, sich an Waffen oder die Religion klammern, an die Antipathie gegen Leute, die anders sind als sie, an Ressentiments gegen Migranten oder den Freihandel«, kommentierte Obama die Folgen der Entindustrialisierung in Pennsylvania. Dort hält sich die Aufregung in Grenzen, stellte USA Today fest: »Selbst konservative Republikaner konnten nicht die Empörung über Obamas Bemerkungen aufbringen, die Clintons Unterstützer ausdrückten.« Überdies dokumentierte die Huffington Post
Bemerkungen Hillary Clintons aus dem Jahr 1995 über die weißen Arbeiter in den Südstaaten, denen ihr Gatte Bill »nichts schulde«, weil sie ihn ohnehin nicht wählen würden: »Screw ’em« – was sowohl »Fick sie« als auch »Bescheiße sie« bedeuten kann.
Dennoch könnte die Bemerkung Obama schaden, denn sie verstößt gegen gleich drei Tabus des Establishments. Sie kommt einer Charakterisierung der USA als einer Klassengesellschaft gefährlich nahe. Sie stellt die Religiösität in einen soziologischen Kontext. Verbittert zu sein gilt überdies als, nun ja, früher hätte man wohl »unamerikanisch« gesagt. Denn ein Amerikaner ist immer optimistisch. »Wir in Amerika geben nie auf«, sagte Clinton. Außer vielleicht im Irak.

Kommentare

Es ist schon bemerkenswert, wie der Herr Obama diese "Tabus des Establishments" erkennt und sie dann zur Schärfung seines Profils als Präsidentschaftskandidat zu nutzen weiß. Erinnert sei hier auch an seine Äußerungen zu dem immernoch vorhandenen rassisch begründeten Konflikt in den USA, durch welche er in eine geistige Nähe zu Martin Luther King gerückt wurde.
Dennoch stellt sich mir die Frage, ob bei all der Beweihreucherung des Herrn Obamas es nicht das Wunschdenken des "alten Europäers" ist, das ein solches Bild von ihm entstehen lässt.
Ich verfolge auf jeden Fall weiter gespannt diesen aufreibenden Vorwahlkampf bei den Demokraten.

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