Jörn Schulz:One Nation under Drugs
19. Juni 2008, 18.03 Uhr:

One Nation under Drugs

von Jörn Schulz

Da staunt Sonny Crockett, und Ricardo Tubbs wundert sich. Wenn es um die Gefährlichkeit von Drogen geht, müsste „Miami Vice“ nicht Kokaindealer jagen, sondern Pharmaproduzenten. Denn in Florida sterben mehr Menschen an Drogen, die ihnen ein Arzt verschrieben hat, als an Heroin, Kokain und Speed zusammengenommen. Das stellte die Florida Medical Examiners Commission bei der Untersuchung von 168.900 im vergangenen Jahr vorgenommenen Autopsien fest. Besonders gefährlich sind offenbar opiathaltige Schmerzmittel (2328 Tote), aber auch starke Beruhigungsmittel wie Valium (743) kosten weit mehr Menschen das Leben als Heroin (110), Alkohol (466) oder Marihuana (0).

„Mother’s little helpers“ sind schon länger bekannt, doch das Bedürfnis, sich mit Drogen gesellschaftlich funktionsfähig zu halten, hat sich seit den sechziger Jahren offenbar immens verstärkt. Der Dozent für Psychiatrie Charles Barber berichtet, dass viele Ärzte bei Eheproblemen und beruflichem Stress Antidepressiva verabreichen. Dass Amerikaner und mehr noch Amerikanerinnen zu Optimismus und Fröhlichkeit verpflichtet sind, verstärkt wohl den Drang, mit Drogen nachzuhelfen. Im vergangenen Jahr wurden in den USA 233 Millionen Rezepte für Antidepressiva ausgestellt.

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