von Stefan Ripplinger
Vernissagen sind wie Geburtstagsfeiern, peinlich affektiert und quälend langweilig. Man macht sich gar nicht klar, dass nicht selten die Künstler ebensosehr unter ihnen leiden wie die Besucher. Über den vor wenigen Tagen verstorbenen Bruce Conner lese ich, er habe in den frühen Sechzigern den bei seinen ersten Vernissagen auf ihn wartenden Gästen, die nicht wissen konnten, wie er aussieht, Zettel mit „Ich bin Bruce Conner“ und „Ich bin nicht Bruce Conner“ angesteckt. Unerreicht aber bleibt Vito Acconcis Aktion „Seedbed“ (1971). Er legte sich unter die Dielen der Galerie und wichste. Über Lautsprecher teilte er den Galeriebesuchern mit, was ihm gerade über die Leber lief. Das ist eben eine Vernissage: Man möchte im Boden versinken, wenn auch nicht unbedingt, um sich zu exhibitionieren.
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