von Jörn Schulz
Chief Whip – das könnte auf der Visitenkarte einer erfolgreichen Domina stehen. Es handelt sich jedoch um eine wichtige Funktion im ehrenwerten House of Lords, und man muss zugeben, dass der Titel cooler klingt als die deutsche Entsprechung „parlamentarischer Geschäftsführer“. Über den Hang der Briten zu archaischen Institutionen, hochtrabenden Titeln und seltsamen Perücken wird gern gespottet, auch von mir. Doch hin und wieder tun die Lords und Ladies etwas Nützliches.
Im Unterhaus wurde das neue Antiterrorgesetz, das unter anderem gestattet, Verdächtige 42 Tage lang ohne Gerichtsbeschluss zu inhaftieren, mit knapper Mehrheit angenommen. Im Oberhaus dominieren die Kritiker, Lady Eliza Manningham-Buller meint: „Ich habe abgewogen zwischen dem Recht auf Leben, dem wichtigsten Bürgerrecht, der Tatsache, dass es keine absolute Sicherheit gibt und der Bedeutung unserer hart erkämpften bürgerlichen Freiheiten. Deshalb kann ich aus grundsätzlichen Gründen die 42tägige Inhaftierung ohne Anklage nicht unterstützen.“ Die britische Presse gibt dem Gesetz nach ihrer Rede kaum noch eine Chance. Denn Manningham-Buller leitete den Inlandsgeheimdienst MI 5, und M war nur die bekannteste und einflussreichste unter zahlreichen Polizisten, Staatsanwälten und anderen Experten, die den Gesetzentwurf kritisierten.
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