von Stefan Ripplinger
Der Philosoph Shaftesbury schrieb Satire eine hygienische Wirkung zu. In seinem Essay concerning Enthusiasm bemerkt er, nichts sei so ernst und heilig, dass es nicht dem „Test of Ridicule“ ausgesetzt werden dürfe. Ja, das Säurebad des Spotts sei durchaus notwendig, denn ernst und heilig geben sich die Schwindler und Schwätzer. Leg die Dinge erst einmal in ätzende Säure, dann schau, was von ihnen übrig bleibt.
Doch macht das Beispiel, das er anführt, stutzig.
Sokrates habe nicht nur den Nerv gehabt, sich die böse Satire, die Aristophanes gegen ihn schrieb, anzuschauen, sondern er sei selbst auf die Bühne gesprungen, um dem Publikum zu zeigen: „Schaut her, so sieht Sokrates wirklich aus.“ Beispielhaft lässig. Dabei vergisst Shaftesbury allerdings zu erwähnen, dass Sokrates kurz nach den Aufführungen des Stücks, das ihn der Gottlosigkeit zeiht, wegen Gottlosigkeit zum Tode verurteilt wurde.
Und noch etwas anderes spricht gegen Shaftesburys Lehre: Das Lächerliche lässt sich nicht mehr lächerlich machen. Kohorten von Komikern übten ihren Witz an Altkanzler Kohl. Und am Ende stand er doch im gefütterten Mantel der Geschichte da. Zwei der besten Köpfe in Deutschland nahmen sich Theo Sommer vor; wäre es mit rechten Dingen zugegangen, hätte er für alle Zeit erledigt sein müssen. Doch er fuhr nicht nur darin fort, immer so weiterzusalbadern, wie er stets salbadert hat, er blieb eine solche unerschütterliche Respektsperson im In- und Ausland, dass seine Gegner sich schließlich entnervt anderen Gegenständen zugewendet haben. Die Satire ätzt das Feine weg, während sie am Groben nicht kratzen kann.
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