Jörn Schulz:Joe und das S-Wort
22. Oktober 2008, 18.34 Uhr:

Joe und das S-Wort

von Jörn Schulz

Konservative Amerikaner halten das S-Wort für mindestens ebenso unanständig wie das F-Wort. Doch wenn die Not groß genug ist, muss das Tabu gebrochen werden. Obama will die Steuern für Familien mit einem Einkommen von mehr als 250000 Dollar erhöhen. „Joe der Klempner sagte, für ihn klinge das so wie Sozialismus. Jetzt ist nicht die Zeit für sozialistische Experimente“, meint Sarah Palin. Da möchte man fragen: Wann denn sonst?

Aber wenden wir uns einmal Joe zu. Joseph Wurzelbacher ist kein gelernter Handwerker, sondern Angestellter in einem winzigen Klempnerbetrieb. Er hat Steuerschulden, träumt aber davon, den Betrieb zu kaufen. Das würde wohl nicht gut gehen, denn ihm fehlt nicht nur die Lizenz, er kennt offenbar auch den Unterschied zwischen dem Firmenumsatz und dem zu versteuernden persönlichen Einkommen nicht. Es wäre ein Wunder, wenn Joe jemals mehr als 250000 Dollar im Jahr verdient. Dennoch glaubt er, die von Obama geplante Steuererhöhung von drei Prozent sei verwerflich, weil sie Amerika dem Sozialismus näher bringe. Was treibt Leute wie Joe den Klempner dazu, beinhart an ihrem ideologischen Wahnssystem festzuhalten?

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