Lieselotte Kreuz:Freak out!
22. Oktober 2008, 23.55 Uhr:

Freak out!

von Lieselotte Kreuz

Kann sich irgendjemand außer mir noch an dieses drollige Spiel erinnern, mit dem man sich früher in langweiligen Mathestunden die Zeit vertrieb? Man malte nacheinander Körperteile auf einen Zettel, aber immer ohne den vorhergehenden Körperteil zu kennen, so dass nachher irgendein Unsinn entstand? Für Fortgeschrittene gab es das später auch mit Satzteilen, wobei damals noch niemand die Möglichkeiten des Spiels so vollendet auszuschöpfen vermochte wie Durs Grünbein einige Jahre später. Bei uns ging es in erster Linie darum, wer angeblich wen geküsst hatte, glaube ich, wir waren eben nicht besonders einfallsreich. Jedenfalls bestand die große Herausforderung bei diesem Spiel immer darin, den Zettel von einer Bank in die nächste zu schmuggeln, ohne sich dabei vom Lehrpersonal erwischen zu lassen. Und jetzt, Jahre später, was muss ich da sehen? Die nachfolgende Generation, die es ja ohnehin schon viel zu leicht hat und alles vorne und hinten und sonstwo reingeschoben bekommt und in ihren vollgeheizten und vollverkabelten Klassenzimmern gemütlich vor sich hindösen kann, wo wir schließlich damals noch barfuß im Schnee die Unterrichtsstunden absolvierten, die muss sich noch nicht einmal dieser letzten Herausforderung mehr stellen, die kann das alles bequem im Internet erledigen: Mit der Freakmachine. Geil eigentlich.

Kommentare

Therese Oelschlegel sagt dazu (01.11.2008@10:28):
Die erlesenen Leichen der Surrealisten haben also tatsächlich den Sprung ins WorldWideWeb geschafft. Chapeau!

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