von Jörn Schulz
Es heißt ja immer, das ehemalige Staatsschutz-Kampfblatt Die Welt sei viel liberaler geworden. Doch auf Ansgar Graws schneidige Kampfansage an die Piraterie folgt dort nun von Torsten Krauel eine Verteidigung der deutschen Offiziersehre.
Der Nato-Bericht über den von Oberst Klein angeforderten Luftangriff ist fertig. Damit ist klar: Klein „hat militärisch korrekt gehandelt“, denn „Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, Kleins oberster militärischer Vorgesetzter, sagte, so stehe es im Geheimbericht“. An alle Deutschen ergeht nun der Tagesbefehl: Stillgestanden! Gehirn ausschalten! „Wenn die militärische Führung sich in einer Bündnissache so unzweideutig äußert, kann davon ausgegangen werden, dass das Resultat eindeutig ausgefallen ist. Es gibt in der Bundeswehr einen Offizierseid und eine geachtete Offiziersehre. Zu ihr gehört es, der Öffentlichkeit die Wahrheit zu sagen.“
Wir kennen keinen kritischen Journalismus mehr, wir kennen nur noch die Ehre eines deutschen Offiziers. Zwar besagen die neuen Einsatzregeln eindeutig, dass Bombardierungen, die Zivilisten gefährden können, nur angeordnet werden dürfen, wenn Bodentruppen in Kampfhandlungen verwickelt sind, und dies war nicht der Fall. Dass bei der Bombardierung Zivilisten getötet wurden, bezweifelt auch niemand mehr. Doch was bedeuten schon Fakten. An Angela Merkel ergeht daher der Tagesbefehl: Rühren! Ab nach Amerika und dem Obama sagen: „Die Bundeswehr in Afghanistan braucht einen neuen Chef. General Stanley McChrystal sollte gehen; er ist rücktrittsreif.“ Denn der Mann hat sich erdreistet, Klein „vorschnell“ zu kritisieren. So sind sie, die Amerikaner, keine Ahnung von Offiziersehre.
The Day After: Die Süddeutsche Zeitung berichtet: “Klein hat offenbar gegen Einsatzregeln der Afghanistan-Schutztruppe Isaf verstoßen (…) Dies geht nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus dem Isaf-Untersuchungsbericht hervor, der seit der Nacht dem Verteidigungsministerium vorliegt.”
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