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  • »Wir sind sehr besorgt«

    Beate und Serge Klarsfeld haben gerade das Bundesverdienstkreuz erhalten. Ende März erschienen im Pariser Verlag Fayard ihre »Mémoires«. Serge erlebte im Alter von acht Jahren in Nizza, wie sein Vater Arno Klarsfeld von einem Sonderkommando der SS unter Führung von Alois Brunner verhaftet wurde und aus Auschwitz nicht zurückkam. Brunner war 1943 bis 1944 Leiter des Sonderkommandos der Gestapo in Frankreich und Befehlshaber des Sammel­lagers von Drancy, in das die französischen Juden, Roma und andere Häftlinge gebracht wurden, bevor sie in die Vernichtungslager transportiert wurden. Beate Klarsfeld, geboren 1939 in Berlin, musste 1971 fünf Wochen ins Gefängnis, weil sie versucht hatte, den Nazi Kurt Lischka nach Frankreich zu entführen. Der SS-Obersturmbannführer war im besetzten Frankreich Polizeichef und Gestapo-Kommandeur der Region Paris gewesen. Nach 1945 klagte ihn die französische Justiz an, einer der Hauptverantwortlichen für die Deportation von 76 000 Juden aus Frankreich in die Vernichtungslager gewesen zu sein. In Abwesenheit wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch Lischka lebte seit 1950 unbehelligt in Köln, wo er zehn Jahre zuvor seine Gestapo-Karriere begonnen hatte. 1971 wurde er von Beate Klarsfeld ausfindig gemacht, 1980 schließlich doch noch zu zehn Jahren Haft verurteilt und nach fünf Jahren wieder freigelassen. Mit Beate Klarsfeld sprach die Jungle World über das jahrelange Bemühen der Klarsfelds, NS-Täter doch noch vor Gericht zu bringen, und über den heutigen Antisemitismus.

  • »Deutschland ist der größte Schuldner Europas«

    70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs müssen viele Opfer von NS-Verbrechen beziehungsweise deren Angehörige immer noch um Entschädigungen kämpfen. In Deutschland werden derzeit die Reparationsforderungen Griechenlands erneut diskutiert. Der Hamburger Rechtsanwalt Martin Klingner engagiert sich seit Jahren im AK Distomo dafür, dass Deutschland endlich zahlt. Im griechischen Distomo verübte die SS 1944 ein Massaker an der Dorfbevölkerung als Vergeltungsaktion für Partisanenangriffe. Mit Klingner sprach die Jungle World über die Debatte um Reparationen an Griechenland.

  • »Atomkraft ist für mich nicht verhandelbar«

    Noch ist die Nutzung von Atomenergie in Afrika wenig verbreitet. Als zweites afrikanisches Land nach Südafrika will nun Ghana Atomkraftwerke bauen; die Zustimmung der Internationalen Atomenergiebehörde liegt bereits vor. Nigeria, Marokko, Kenia, Namibia, der Senegal und Uganda haben ähnliche Pläne. Der kongolesische Aktivist Golden Misabiko kämpft seit 20 Jahren gegen den Abbau von Uran und die Nutzung von Atomenergie auf dem afrikanischen Kontinent. Im vergangenen Jahr wurde Misabiko für seine Arbeit mit dem Nuclear-Free Future Award ausgezeichnet. Die Jungle World sprach mit ihm über seine jahrzehntelange Arbeit und den Abbau von Uran in der Demokratischen Republik Kongo.

  • »Das Problem ist nicht nur der IS«

    Als die Terrororganisation »Islamischer Staat« (IS) im August 2014 die überwiegend von Yeziden bewohnte irakische Region Sinjar eroberte und Tausende Frauen verschleppte, kündigte Nareen Shammo ihren Job als Journalistin, um sich der Befreiung der Entführten zu widmen. Sie sprach mit Parlamentariern in Europa, im Januar übergab sie dem Internationalen Strafgerichtshof Beweise für an Yeziden begangene Verbrechen. Im März wurde ihr für dieses Engagement der Clara-Zetkin-Frauenpreis der Linkspartei verliehen.

  • »Immer noch große soziale Ungleichheit«

    Im Zuge des neusten Korruptionsskandals um den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras kam es Mitte März in Brasilien zu Massenprotesten gegen die Regierung von Dilma Rousseff (siehe Seite 12). Es handelt sich um die größten Demonstrationen seit den Protesten von 2013 und 2014. Damals richteten sie sich teilweise auch gegen Korruption der Regierung, es gingen aber vor allem Mitglieder sozialer Bewegungen und linker Parteien mit konkreten Forderungen auf die Straße. Über die Entwicklungen seit den damaligen Protesten und die Unterschiede zu den heutigen sprach die Jungle World mit Davi Amorim, dem Pressesprecher der Müllsammlerbewegung MNCR, und mit Maíra Alves von der »Bewegung für einen kostenlosen Nahverkehr« in São Paulo, dem Movimento Passe Livre (MPL), der die Proteste 2013/2014 maßgeblich organisiert hat.

  • »Die Justiz ist weitgehend kontrolliert«

    Vor zwei Jahren noch, als der Prozess gegen den ehemaligen Diktator Efraín Ríos Montt stattfand, gab es in Guatemala Hoffnung, das Justizsystem werde unabhängiger und Menschenrechtsverbrechen würden endlich verfolgt. Doch Guatemala entwickelt sich zum Narco-Staat und die Verteidigung von Grundrechten bleibt weiterhin gefährlich. Michael Mörth lebt seit mehr als 20 Jahren in Guatemala und war im ersten Prozess gegen Ríos Montt Nebenkläger. Der 62jährige Anwalt arbeitet in der wichtigsten Menschenrechtskanzlei des Landes, dem Bufete Juridico de Derechos Humanos (BDH). Mit ihm sprach die Jungle World über die Entwicklungen in Guatemalas Justizsystem.