• »In diesem Kampf gibt es keinen Platz für Rassismus«

    Judith Butler hat mit ihren Theorien zu Sex und Gender den Poststrukturalismus erweitert und den Feminismus revolutioniert. In der letzten Zeit hat sie sich verstärkt der Antikriegsbewegung zugewandt. In ihrem aktuellen Buch »Raster des Krieges« widmete sie sich der Frage nach der Bewertung von Leben. Mit einer Aussage zum Nahost-Konflikt bei einem Teach-In 2006 in Berkeley, die islamistischen Terrororganisationen Hamas und Hizbollah seien »progressiv« und »links«, hat sich Butler scharfe Kritik eingehandelt. Aufmerksamkeit erregte die Theoretikerin und Aktivistin jüngst auch damit, dass sie den »Preis für Zivilcourage« ablehnte, der ihr anlässlich des diesjährigen CSD in Berlin verliehen werden sollte. Butler nahm die Ehrung nicht an, da sich der CSD nicht genügend von Rassismus distanziere. Butler ist Professorin für Rhetorik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität in Berkeley. Das Interview wurde per E-Mail geführt.

  • »Wir werden unsere Demonstrationen fortsetzen«

    Laura Pollán ist eine der Gründerinnen der »Damas de Blanco«. Die Frauenorganisa­tion hat sich im Anschluss an die Verhaftung von 75 Oppositionellen, der sogenannten »Gruppe der 75«, gegründet, die im Frühjahr 2003 zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden. Darunter war auch Laura Polláns Ehemann, der ehemalige Atomingenieur und Dissident Hector Maseda Gutiérrez. Anfang Juli hat die katholische Kirche bekanntgegeben, dass die Regierung die restlichen 52 Gefangenen der »Gruppe der 75« in den kommenden Monaten aus der Haft entlassen wird.

  • »Das Bild der Dritten Welt wird sich verändern«

    Jeffrey Herf ist Professor für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte an der Universität von Maryland, USA. Er forscht und publiziert zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert, vor allem zu National­sozialismus und Holocaust sowie ihren Nachwirkungen. Als bisher einziger seiner Titel auf Deutsch erschienen ist »Zweierlei Erinnerung. Die NS-Vergangenheit im geteilten Deutschland« (Propyläen 1998). Zuletzt erschien sein Buch »Nazi Propaganda for the Arab World« (Yale Univer­sity Press 2009).

  • »Alle waren sie gegen Israel«

    74 prominente Exiliraner unterzeichneten kürzlich ein Solidaritätsschreiben für die Aktivisten der »Gaza Freedom Flotilla«, in dem sie behaupteten, das Vorgehen des israelischen Staates gegen die Blockadebrecher sei vergleichbar mit der Gewalttätigkeit der Islamischen Republik Iran. Die Ereignisse auf der »Mavi Marmara«, so der offene Brief der 74 Exiliraner, hätten gezeigt, dass »Israel von Natur aus nach Besatzung und Kampf« strebe. Saeed Ghaseminejad, Sprecher der Liberalen Studenten Irans und Direktor des Centre Iranien d’etudes du Liberalisme, hat diesen offenen Brief scharf kritisiert und einen bisher von 27 Exiliranern unterzeichneten Gegenbrief verfasst. Ghaseminejad ist Ingenieur und lebt in Paris.

  • »Ich will nicht zum Lügen gezwungen sein«

    Ein Bündnis verschiedener Datenschutz­organisationen will die Volkszählung 2011 durch eine Verfassungsbeschwerde stoppen. In der Kampagne gegen den »Zensus 2011«, wie die Volkszählung offiziell heißt, engagiert sich auch der Datenschutzaktivist und Künstler Padeluun. Er ist Vorsitzender der Datenschutzorganisation Foebud, engagiert sich im Arbeitskreis Vorrats­datenspeicherung und ist Jurymitglied des deutschen Big Brother Award.

  • »Der Heldendiskurs gehört zur Rechten«

    Der Soziologe Alessandro Dal Lago hat sich in Italien viele Feinde gemacht, weil er es wagte, den italienischen Autor Roberto Saviano zu kritisieren, der mit seinem Bestseller »Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra« weltberühmt wurde. Saviano, der wegen seines Buches über die Kriminalität der süditalienischen Mafia Todesdrohungen erhält, wird von vielen Italienern als Held gefeiert. Dal Lago bezeichnete ihn dagegen als »Papierhelden« und hat damit große Entrüstung ausgelöst.

Berliner Ferngespräche

Die Videokolumne von Ivo Bozic und David Harnasch: Uniförmchen

Dürfen sich Polizisten vermummen? Müssen Demonstranten gekennzeichnet werden? Oder andersherum? Ein Telefongespräch. Vollbild/weitere Videos

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