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Kürzliche Beiträge
15. Dezember 2014, 16.44 Uhr:

Pegida für Linke

von Ivo Bozic

- Deutsche Bürger sind wütend und gehen auf die Straße.
- Sie halten von den Medien überhaupt nichts, glauben denen allen kein einziges Wort - außer vielleicht „Russia Today“.
- Sie sind der Meinung, die bisher schweigende Mehrheit, „das Volk“, zu sein und von den Politikern da oben nicht ernst genommen zu werden.
- Sie sind sich ganz sicher, komplett verarscht und angelogen zu werden. Die da oben, wissen sie, machen doch eh, was sie wollen.
- Sie wissen, dass es Fremde sind, die ihre Interessen und das Land verraten.
- Sie verbreiten Verschwörungstheorien oder grenzen sich von Verschwörungsideologen nicht ab.

Na, von wem ist hier die Rede? Vom Pegida-Mob oder vom Mahnwachen/Friedenswinter-Mob? Von beiden! So groß ist der Unterschied nicht. Der Friedenswinter ist Pegida für Linke und Pegida die Mahnwachenbewegung für Rechte.

Die Fremden, von denen man der Meinung ist als Deutsche fremdbestimmt, ausgenommen und marginalisiert zu werden, sind wahlweise die Ausländer (Moslems/Islam/Asylanten bei Pegida und Co.) oder das internationale Kapital und die USA (US-Banken/FED/Brüssel/Nato/Israel/Juden bei den Mahnwächtlern). Sie, das deutsche Volk, jedenfalls sind die Guten. Beide leben von Ressentiments und Xenophobie. Und von Angst. Beide haben - und schüren - Angst vor Krieg. Die einen vor einem „Glaubens- und Stellvertreterkriege auf deutschem Boden", die anderen vor einem Krieg mit Russland.

Die Schnittmengen sind groß: Jürgen Elsässer, der einer der Initiatoren der Mahnwachen war und sich als „Friedensaktivist“ bezeichnet, sympathisiert offen mit Pegida. Sein Magazin „Compact“ trommelt für beide Bewegungen, eine „Compact“-Mitarbeiterin trat als Rednerin bei einer Demo von Dügida auf. Zu dieser Demo mobilisierten auch die sogenannten Reichsbürger, die auch bei der „neuen Friedensbewegung“ ständig aufmarschieren. Bei beiden Bewegungen tauchten NPD-Kader auf. Die AfD – oder zumindest Teile der AfD - sympathisierte zunächst mit den Montagsmahnwachen, jetzt mit Pegida. Während beim Friedenswinter Putins Propagandaabteilung persönlich mitmischt („Russia Today“-Reporterin moderierte die Kundgebung), stolziert die Pegida-nahe AfD in die russische Botschaft zwecks “strategischer Beratung".

Da können sich die „Friedenswinter“-Leute noch so sehr von Pegida und Co. öffentlich abgrenzen: Der Schritt von der einen zur anderen Bewegung ist nur ein kleiner, das ist offensichtlich. Beides sind rechtspopulistische Bewegungen, auch wenn bei der einen Prominenz der Linkspartei mitmarschiert. Hier offenbart sich nur, nun für alle sichtbar, der rechte Gehalt gerade der sich (fälschlicherweise) am linksten Wähnenden in der Linkspartei.

Es ist also eben nicht so, dass sich hier Links- und Rechtsextremisten annähern und man nur die Extremismustheorie auspacken muss und die ach so gute Mitte der Gesellschaft verteidigen. Sondern wir haben es mit einer originär völkischen Bewegung zu tun, die derzeit noch zwei Flügel hat. Und „völkisch“ das ist man in nicht wenigen linken Kreisen zwar auch immer schon gewesen, aber „völkisch“ ist nun einmal nicht links. Es ist das Gegenteil davon. Beide Bewegungen sind gleichzeitig so nebulös und weitläufig in ihren Forderungen und grenzen sich jeweils gegen Extremismus ab, so dass man hier genausogut die Mitte der Gesellschaft am Werk sehen kann.

Eine linke Antwort auf diese Bewegung kann nur antivölkisch sein, also “antideutsch". Vielleicht ist es Zeit, diesen längst zur leeren Formel verkommenen Begriff wieder mit Inhalt zu füllen und offensiv in Gebrauch zu nehmen. Gegen Pegida und Friedenswinter gleichermaßen.

9. Dezember 2014, 19.24 Uhr:

Orden der Freundschaft

von Jörn Schulz

Offene Briefe sind meist weniger wegen ihres Inhalts als wegen der Unterzeichner von Interesse. „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“ ist da keine Ausnahme. Ich habe da ein gewisses Verständnis, ich würde auch gerne den Bundespräsidenten verpflichten, mich immer, wenn er die Phrase „im Namen des deutschen Volkes“ zu benutzen gedenkt, zu fragen, ob er nicht ein „mit Ausnahme von Jörn Schulz“ folgen lassen muss. Meistens müsste er. Bislang wurde noch vor keinem Krieg die persönlichen Zustimmung aller Beteiligten und potentiell Betroffenen eingeholt, der Kriegserklärung eine Widerspruchsliste beizufügen, würde im Übrigen auch nicht viel ändern.

Aber wer offene Briefe unterzeichnet, möchte nunmal seinen Namen in der Öffentlichkeit erleuchten sehen. Auch wenn man eigentlich nur zu sagen hat, dass die Regierung alles richtig macht: „Die deutsche Regierung geht keinen Sonderweg, wenn sie in dieser verfahrenen Situation auch weiterhin zur Besonnenheit und zum Dialog mit Russland aufruft.“ Aber weil „Deutschland besondere Verantwortung fu?r die Bewahrung des Friedens“ trägt, fühlen sie sich dennoch zu Mahnungen berufen. Die Abgeordneten sollen „aufmerksam auch u?ber die Friedenspflicht der Bundesregierung zu wachen“. Und natürlich die Medien: „Wir appellieren an die Medien, ihrer Pflicht zur vorurteilsfreien Berichterstattung überzeugender nachzukommen als bisher. Leitartikler und Kommentatoren dämonisieren ganze Völker, ohne deren Geschichte ausreichend zu würdigen.“ Warum eine Dämonisierung mit Würdigung der Geschichte besser wäre, erschließt sich hier nicht, auch ist nicht ganz klar, wer eigentlich gemeint ist. „Es geht nicht um Putin. Staatenlenker kommen und gehen.“ Nun, gekommen ist Putin, gehen will er aber offenbar nicht wieder.

Apropos Würdigung der Geschichte: „Seit dem Wiener Kongress 1814 gehört Russland zu den anerkannten Gestaltungsmächten Europas. Alle, die versucht haben, das gewaltsam zu ändern, sind blutig gescheitert – zuletzt das größenwahnsinnige Hitler-Deutschland, das 1941 mordend auszog, auch Russland zu unterwerfen.“ Als wäre die Berufung auf die monarchische Restauration von 1814 nicht schon reaktionär genug – die Ansicht, Hitler habe Russlands Anerkennung als Gestaltungsmacht Europas widerrufen wollen, trifft dessen Kriegsziele nicht so ganz.

Vielleicht hat ja Luitpold Prinz von Bayern (Königliche Holding und Lizenz KG) diesen Teil geschrieben, schließlich hatten seine Vorfahren 1848 arg unter dem Bestreben des Pöbels zu leiden, mit der Ordnung des Wiener Kongresses („Der König von Württemberg frißt für alle, der König von Bayern säuft für alle und der Zar von Rußland liebt für alle“, sagte man damals) zu brechen. Königliche Holding und Lizenz KG? Ihro Hochwohlgeboren veranstalten nun Ritterturniere, eine nicht ganz standesgemäße Beschäftigung. Glaubt er, noch einmal eine dynastische Verbindung mit dem Zarenhaus schließen zu können?

Deutlicher wird die Interessenlage bei anderen Unterzeichnern. Bei Gazprom-Gerhard wird „Bundeskanzler a.D.“ als Beruf angegeben, bei Dr. Andrea von Knoop schlicht „Moskau“. Die Liste war wohl zu lang: „Für ihre besonderen Verdienste um die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen wurde sie 1999 von Bundespräsident Roman Herzog mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet und in 2003 auf Erlass des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem Orden der Freundschaft, dem höchsten Orden, der in Russland an Ausländer verliehen wird. Im Jahre 2006 ehrte sie der Moskauer Oberbürgermeister Juri Lushkow mit der höchsten Auszeichnung der Moskauer Stadtregierung und die Russische Akademie für den Staatsdienst beim Präsidenten der RF mit dem Ehrendoktortitel (Doctor habil honoris causa). Im Laufe ihrer langjährigen Tätigkeit in Russland erhielt sie zahlreiche weitere Auszeichnungen wie z.B. der Handels-und Industriekammer der RF, des Russischen Verbandes der Unternehmer und Industriellen, des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Handel der RF, des Föderalen Zolldienstes Russlands. Frau Dr. von Knoop ist Ehrenpräsidentin der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Moskau, und Mitglied des Vorstandes des Deutsch-Russischen Forums e.V. (…)“

Auch Klaus Mangold (Chairman Mangold Consulting GmbH) hat nachvolliehbare Gründe für sein Engagement: „Kontaktvermittlung zu Einrichtungen der öffentlichen Hand in Russland, GUS, Mittel- und Osteuropa. Für eine erfolgreiche Realisierung Ihrer Wirtschaftstätigkeiten- und Projekte ist eine enge Zusammenarbeit mit den Regierungs- und Verwaltungsorganen unentbehrlich. Im Rahmen Ihrer Projekte profitieren Sie von den ausgezeichneten Kontakten der IWB GmbH zu den staatlichen und regionalen Entscheidungsträgern vor Ort.“

Aber wie kommt Josef Jacobi (Biobauer) auf die Liste? Kauft Roman Herzog bei ihm seine Milch? Warum fehlen Günter Grass und Konstantin Wecker? Wie bereits an anderer Stelle erläutert, bleibt es jedem unbenommen, seine mehr oder weniger sachkundige Meinung der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Pose des Prominenten aber, der glaubt, seiner Ansicht käme größere Bedeutung zu, weil er prominent ist, verrät hingegen Standesdünkel – und solche offenen Briefe inhaltlich wichtig zu nehmen Obrigkeitshörigkeit bei den Gläubigen.

3. Dezember 2014, 14.40 Uhr:

Eine kleine Adventsgeschichte

von Ivo Bozic

(Triggerwarnung: In diesem Beitrag ließen sich ein paar Fäkalbegriffe nicht vermeiden.)

Irgendwo mitten im Pazifischen Ozean liegt die kleinste Republik der Welt: Nauru. Ein kleines Atoll, so groß wie Hiddensee, auf dem rund 10.000 Menschen leben (Hiddensee: 1.000). Was man wissen muss: Hunderttausende Jahre lang wurde diese kleine Insel von Seevögeln vollgeschissen. Mehrere Meter hoch häuften sich die Exkremente. Auf diesem aus dem Meer herausragenden Scheißhaufen ließen sich irgendwann ein paar Hundert Menschen nieder. 1888 annektierte Deutschland die Insel und zwei Jahre später begann man, aus Scheiße Gold zu machen. Genaugenommen waren es die Briten, die begannen, den Vogelkot abzutragen, denn der Dreck, der sich mit den Jahren zu einem fluorhaltigen Phosphorit wandelt, ist ein wichtiger und wertvoller Bestandteil von Düngemitteln. Die Deutschen erhielten eine Dividende für die Förderung, die Inselbewohner gar nichts. Nach dem Ersten Weltkrieg ging das Land an Australien, Großbritannien und Neuseeland. Das Phosphat wurde zunächst von den Briten, später dann von Australien ausgebeutet, die Naururer speiste man mit 0,009 australischen Dollar pro Tonne ab.

(Quelle: ARM.gov)

Doch 1968 hatten die Entbehrungen der Kolonialzeit ein Ende, Nauru wurde unabhängig und 1970 wurde die australische Phosphatabbaugesellschaft verstaatlicht. Nun baute Nauru die Phosphate selbst ab, die winzige Insel wurde flugs zum zweitreichsten Staat der Welt, das Pro-Kopf-Einkommen zu Grunde gelegt. Mit dem Geld ließ man es sich mal so richtig gut gehen auf Nauru. Man ließ nunmehr Billigarbeiter aus China für sich im Tagebau schuften. Den Bewohnern wurden Häuser vom Staat fast kostenlos zur Verfügung gestellt, an der Küste schossen fette Villen aus dem Boden, eine Einkommenssteuer gab es nicht, Bildungs- und Gesundheitswesen, das Kino und die Stromversorgung waren kostenlos, die vollständig importierten Lebensmittel staatlich subventioniert und billig. Die meisten Einheimischen besaßen zwei, nicht wenige auch sechs Autos, auch wenn man die Insel bei einem längeren Spaziergang locker zu Fuß umrunden kann. Das gesamte Straßennetz umfasst nur 29 Kilometer. Man zog eine eigene Fluggesellschaft und eine Reederei hoch. Die Arbeitsmigranten ließ man nicht nur die Kacke der Vögel wegmachen, sondern auch die eigene, der Staat zahlte jedem Bürger eine Putzfrau.

Es ging den Naururern also prächtig, sie lebten so, wie man es sich auf einer einsamen, von Strand umsäumten Insel im Pazifik, auf der das ganze Jahr 27 Grad herrschen, wohl wünscht. Doch irgendwann in den neunziger Jahren merkten die Naururer plötzlich, dass die Vogelkacke nicht ewig da sein würde. Ja, man muss es so sagen: Die Vögel konnten nicht so schnell nachscheißen, wie die Menschen das Zeug abräumten. Um es kurz zu machen: Das Land verarmte in kürzester Zeit. Aus dem ehemaligen Wohlstandsparadies wurde ein Rück-Entwicklungsland, die Arbeitslosigkeit liegt heute bei 90 Prozent, die durchschnittliche Lebenserwartung bei 63,81 Jahren. 80 Prozent der Einwohner sind verfettet und jeder zweite bis dritte hat Diabetes. Der Staat ist bankrott, die Fluggesellschaft längst pleite gegangen und die Insel sieht nach dem Phosphatabbau aus wie eine Mondlandschaft. Wer kann, zieht weg. Kurzum: Die ehemalige Trauminsel ist total am Arsch.

Doch man fand neue Einnahmequellen: Flüchtlinge. Zuerst waren es Steuerflüchtlinge, denen man Tür und Tor öffnete, ab 2001 Asylsuchende. Das Eiland errichtete zwei Flüchtlingslager und lässt sich dies von Australien finanziell honorieren. Es ist die einzige Einnahmequelle des Landes - und Teil der rigiden Flüchtlingspolitik Australiens. Zwischenzeitlich wurden die Lager geschlossen, aber seit 2012 läuft der Betrieb wieder. Im Sommer 2013 kam es zu einer Revolte von 150 iranischen Flüchtlingen, die aus dem mit Stacheldraht umgebenen Camp ausbrechen wollten. 80 Prozent der Gebäude brannten nieder. Die Polizei und rund tausend Einwohner der Insel gingen gemeinsam mit Macheten und Stahlrohren gegen die revoltierenden Flüchtlinge vor. 1.095 Asylsuchende befinden sich derzeit auf Nauru.

Es gibt mehrere Bücher über die tragische Geschichte Naurus, eines heißt „Nauru. Die verwüstete Insel. Wie der Kapitalismus das reichste Land der Erde zerstörte.“ Das ist natürlich schon im Titel nur halb wahr. Denn es war ja auch der Kapitalismus, der dieses Kothäufchen im Ozean erst reich gemacht hat. Aber klar: Man könnte aus dieser kleinen Episode viele Erkenntnisse gewinnen, viele Lehren ziehen. Zum Beispiel, ganz profan, dass man sein Geld nicht verprassen soll. Oder wie bei Maischberger gestern: “Hoch geflogen, tief gestürzt – Wie geht das Leben weiter?” Oder irgendwas mit Kolonialismus und der schäbigen Ausbeutung fremder Länder. Oder aber, dass Unabhängigkeit vom Kolonialherren auch nicht unbedingt die Lösung sein muss, oder dass Verstaatlichung auch nicht zwingend glücklich macht. Oder etwas Intelligentes zu Umweltschutz und ein paar böse Worte zur australischen Flüchtlingspolitik.

Aber um all das geht es mir grad gar nicht. Es ist ja Advent. Ich wollte mit dieser kleinen Geschichte nur mal sagen: Liebe Leute, jetzt wo es so bitterkalt ist da draußen, denkt bitte auch an die Vögel! Ein Vogelhäuschen aufstellen und ein bisschen Futter hinein tun, das ist doch wirklich nicht aufwendig. Und das Schönste: Wenn ihr ein bisschen Geduld habt und es dann geschickt anstellt, ist das auch in eurem ganz eigenen Interesse. Seid nett zu den Tieren, dann zahlen sie es euch zurück.

19. November 2014, 19.01 Uhr:

Ist das Kunst oder kann das weg?

von Thomas von der Osten-Sacken

Der antisemitische Moabiter Streetworker Ahmed Shah ist stets wohlgelitten beim Berliner Senat und bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung - komme was wolle.

Gastbeitrag von der Assoziation Wiederholungszwang brechen

Wenn sich talentfreies Unvermögen mit politischem Ressentiment verbindet, dann entsteht in Deutschland nicht selten engagierte Kunst, die sich in erster Linie gegen Israel richtet.

Vom 26.-29. November 2014 findet nächste Woche in den Räumen des Berliner Haus der Kulturen der Welt entsprechend das sog. Festiwalla statt, das der auf Punk machende  aber tatsächliche ehemalige Socialist Workers´ Party dann Linksruck-Kader, Ahmed Shah, als künstlerischer Leiter mit ins Leben gerufen hat.

Shah ist kein Unbekannter in den antisemitischen Kreisen Berlins. Wegen seiner volksverhetzenden Theaterpädagogik hatte bereits Alexander Ritzmann von der FDP im Jahr 2006 gleich zwei kleine Anfragen im Berliner Abgeordnetenhaus gestellt, die damals von Petra Leuschner von der PDS bagatellisierend abgewiesen wurden.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung und das American Jewish Committee fassten Shahs Arbeit mit den migrantischen, vor allem arabischen und türkischen Jugendlichen damals so zusammen:

Fachexperten/innen aus der Task Force: Education on Antisemitism kamen in einer ausführlichen Analyse der pädagogischen Aspekte dieses Projektes zu einem deutlichen Urteil. So wurde in dieser Analyse u.a. festgestellt, dass das Theaterprojekt [Intifada im Klassenzimmer !?] bei der Zielgruppe „antisemitische Stereotype reproduziere und diese so bei den Jugendlichen verfestige, statt sie zu dekonstruieren“. Es werde „politische Propaganda“ produziert.

Patrick Neu schrieb damals in der Jüdischen Zeitung über die Aufführung:

Wiederholt werden darin Bezüge und Vergleiche zu Nazi-Deutschland und zum Holocaust angestellt, um die Situation von Arabern und Moslems als unter pauschalem Terrorismusverdacht stehenden Opfern im heutigen Deutschland sowie das Handeln Israels gegenüber den Palästinensern und der USA im Irak darzustellen. Bilder aus Vernichtungslagern sowie aus Guantanamo werden auf eine Leinwand hinter der Bühne projiziert und deutliche Analogien zu der Situation von Muslimen und Arabern in Deutschland suggeriert. Sätze wie ‚Panzer im heiligen Land, dann sprengen sich die Menschen in die Luft’ oder ‚Ich bin für die Befreiung Palästinas’ (wobei zu Beginn darauf hingewiesen wird, dass mit Palästina Israel gemeint ist), fallen dabei. Terrorismus wird hingegen verharmlost: ‚Ja, bin für den irakischen Widerstand, und ja, ich bin gegen die US-Herrschaft, ja ich würde lieber kiffen im Kanzleramt. Ja, mein Vater war bei der Hizbollah, aber nein, ich bin kein Terrorist, … Der größte Terrorist, das bist doch Du.’“

Das Stück wurde übrigens mit dem Jugendpreis »Goldener Alex 2005« der SPD ausgezeichnet.

Auf einer Veranstaltung im Mehringhof in Berlin-Kreuzberg zum Libanon Krieg am 28.07.2006 wird der vom Senat finanzierte Sozialarbeiter mit folgender Aussage zitiert:

“Hisbollah ist die einzige Organisation die kämpft. … Es ist wichtig, dass wir die Verbindungen mit Hisbollah-Anhängern haben; das sind 40 Prozent der Bevölkerung von Libanon … Es sind die Unterdrückten, wir sind gegen die Unterdrücker. Israel sind die Unterdrücker und die Libanesen sind die Unterdrückten. Und diejenigen, die dieser Stimme Ausdruck geben, … ist die Hisbollah.”

Wer so für die schiitischen Gotteskrieger schwärmt, arbeitet vielleicht auch nicht zufällig mit den Töchtern des Anmelders der jährlichen antisemitischen Berliner Al-Quds Demonstration, Jürgen Grassmann, zusammen.

Die Saat derartiger staatlich-geförderter Jugend- und Kulturarbeit ging jedenfalls nicht nur diesen Sommer anläßlich des Gaza-Krieges auf, als Hunderte migrantischer Jugendliche und junger Erwachsene „Hamas, Hamas – Juden ins Gas!“ skandierend durch Berliner Strassen liefen, sondern auch als Anfang diesen Monats eine französische Passantin, keine 50 m von Shahs Theater entfernt, auf dem Unionsplatz in Moabit von 5 Jugendlichen zusammengeschlagen wurde, als sie auf Hebräisch telefonierte.

Seit einer geraumen Weile ist Shah nun mit seinem Theaterprojekt grenzen-los!  bzw. S.K.E.T. in den Räumen einer Reformationskirche in Berlin Moabit, Wiclefstrasse 32,  untergekommen. Dort trifft er sich auch mit VertreterInnen der antizionistischen Berliner Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS)-Szene, die vor kurzem auch die beiden „Journalisten“ Max Blumenthal und David Sheen zum „Toilettengate“ eingeladen hatten:

Für sein Festiwalla Projekt schaden ihm diese intensiven Kontakte zu den auch in der Partei Die Linke inzwischen unter Beschuß geratenen Kräften offenbar nicht, denn die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist nach wie vor treuer Förderer der antisemitischen Umtriebe des dilettierenden Sozialarbeiters  , auch wenn wenn mal wieder ganz ganz unironisch Gaza-Monologe abgehalten werden sollen.

 

18. November 2014, 18.41 Uhr:

Gysis Wort: Terrorismus muss sich wieder lohnen

von Thomas von der Osten-Sacken

Gregor Gysis Reaktion auf das heutige Massaker. Besser hätten es die Damen Groth und Höger auch nicht formulieren können. Terrorismus muss sich auf jeden Fall lohnen:

Den gewaltbereiten Extremisten muss Einhalt geboten werden. Die Europäische Union könnte hierauf wirksam Einfluss nehmen, indem ihre Mitgliedstaaten geschlossen Palästina diplomatisch anerkennen. Das wäre auch ein wichtiges Signal an die israelische Regierung und allemal wirksamer und besser als das Verhängen von Sanktionen, zum Beispiel in Form von Wirtschaftsembargos.

5. November 2014, 14.07 Uhr:

Urteil ist gesprochen

von Thomas von der Osten-Sacken

Der Focus bläst zur Hatz:

Das öffentliche Urteil über ihn ist längst gesprochen. Klar, unmissverständlich und gegen den Angeklagten.

Der Selbstjustiz steht nichts mehr im Wege, jetzt, wo man selbst das Klingelschild kennt, denn dank Focus kennt nun jeder die Adresse von dem Vorsitzenden der GDL, Claus Weselsky, der als “Arbeiterführer” es auch noch wagt, komfortabel im Altbau zu wohnen.

31. Oktober 2014, 22.11 Uhr:

'Faschistischer Apartheid-Staat'

von Thomas von der Osten-Sacken

Die kurdische Aktivistin Dilar Dirik wird ganz solidarisch und einfühlsam von konkret interviewt. Dass die Dame auch dezidierte Ansichten zu Israel hat, dazu befragte die einzige linke Publikumszeitschrift sie allerdings nicht.

Und Dirik ist gar nicht begeistert von Kurden, die sich irgendwie positiv über Israel äußern, das für sie, schlicht ein faschistischer Apartheid-Besatzertaat ist.

Although one would think that Kurds would understand the suffering of the Palestinians under the apartheid fascist occupation of the state of Israel very well, it is yet again the dogma of the state that defines morality in terms of interest, leading to the odd conclusion of having to ally with Israel. Perhaps the Kurds, who had applauded Netanyahu, felt ashamed of themselves, when the mass murderous military campaign on the Palestinian people was launched by Israel, briefly after Netanyahu’s statement in support of Kurdish statehood.

PS: Frau Dirik weist in einer email an die Jungle World darauf hin, dass sie lediglich die Besatzung von Westbank und Gazastreifen als faschistische Apartheid bezeichnet hat, nicht den Staat Israel selbst, eine Aussage, die ich ihr fälschlicherweise in den Mund gelegt habe.

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