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Kürzliche Beiträge
29. Juli 2015, 19.11 Uhr:

Die Selbstimmunisierung der Deutschen

von Jörn Schulz

Bemüht er sich um die Nachfolge Guido Knopps? Will er der Franz Josef Wagner für Bildungsbürger sein? Jedenfalls fasst der Politikwissenschaftler Herfried Münkler treffend die Ressentiments der “Mitte” zusammen. Das Beunruhigende dabei ist, dass Münkler eine Ignoranz offenbart, bei der man sich fragen muss, ob er wirklich so schlecht informiert, in ideologischen Wahnvorstellungen befangen oder ein Demagoge ist.

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23. Juli 2015, 18.51 Uhr:

Sie trinken Smoothies

von Jörn Schulz

Über Franz Josef Wagner kursiert das Gerücht, er sei dem Alkohol zugetan, doch sollte man bedenken, dass es Menschen gibt, die immer in einem Geisteszustand leben, den andere erst nach zehn Bier erreicht haben. Wie auch immer. „Wir alle wollen mehr Babys“, behauptet Wagner, der mit nur einer Tochter selbst viel zu wenig für den Erhalt des Standorts geleistet hat. „Wir haben mehr Tote als Babys“, und rechnet man noch die Zombies ein, erscheint der Anteil des Homo sapiens in Deutschland gefährlich gering.

Der Grund: „Mütter machen Karriere“, eine gewagte These, denn Wagner behauptet zwar „sie sind Chefredakteurinnen“, doch der Anteil weiblicher Führungskräfte in Chefredaktionen von Zeitungen betrug 2013 zwei Prozent. Immerhin, es könnten ja mehr kommen, doch im Gegensatz zu den meisten Männern in gut bezahlten Jobs muss Wagner die Konkurrenz klügerer Frauen nicht fürchten. Schließlich kommt es bei seinem Job auf Verstand und Leistung nicht an. Gewiss, viele Frauen tun sehr böse und sehr schmutzige Dinge, doch keine könnte ihn ersetzen. Die Mischung aus gespieltem Anstand und Prolligkeit würden sie hinkriegen, aber die Mischung aus Prüderie und Voyeurismus, immer den Busen im Blick – nun, einige wenige Dinge können wohl wirklich nur Männer, und niemand außer Wagner kann so perfekt das gesunde Volksempfinden des gemeinen Deutschen verkörpern.

Auch eine gewisse Originalität kann man ihm nicht absprechen. Ausgerechnet Mütter für Kinderlosigkeit verantwortlich zu machen, darauf muss man ja erstmal kommen. Die Mutter zeichnet sich bekanntlich dadurch aus, dass sie mindestens ein Kind hat. Sie hat die Reproduktionsleistung Wagners also erreicht, in vielen Fällen auch übertroffen. Es gab in der Antike einen Philosophen, der Name ist mir leider entfallen, der die Ehe pries, selbst aber kein Familienmensch war. Auf entsprechende Vorwürfe antwortete er, er lehre die Menschen Weisheit, das sei wichtiger, als zwei oder drei Rotznasen in die Welt zu setzen. Dies aber kann Wagner schwerlich in Anspruch nehmen.

Deshalb, Herr Wagner: Wenn es um Deutschland geht, müssen kleinliche Vorbehalte in Sachen Privatspäre zurückstehen. Wir alle sind gefordert! Ficken, ficken, ficken, und immer ans Vaterland denken, das sind die Ansagen, die wir brauchen. Der patriotische Deutsche lechzt daher nach Aufklärung darüber, warum Sie, ansonsten ein Vorbild in Sachen vaterländischer Standfestigkeit, in dieser Angelegenheit so schmählich versagt haben.

Was käme da in Frage? „Ich hatte schon in jungen Jahren keine Tinte mehr in Füller.“ „Es war der Alkohol.“ „Eigentlich bin ich schwul, wollte mir das aber nie eingestehen, deshalb hat im Bett nie was geklappt.“ Oder ist es etwas anderes, ein Trauma? Der Küchenpsychologe in mir glaubt, es hat etwas mit Smoothies zu tun, genauer gesagt mit der Assoziation, die Smoothies im Wagner wecken. „Power-Frauen, sie trinken Smoothies“ – während ansonsten das übliche patriarchale Repertoire über die böse und harte Karrierefrau abgearbeitet wird (man hätte hier eher „Power-Frauen, sie haben Muskeln wie Stahl“ oder „Power-Frauen, sie lieben den Mercedes mehr als den Kinderwagen“ erwartet), kommt hier überraschend etwas Weiches, Schleimiges ins Spiel. Aber wenn ich so darüber nachdenke – eigentlich möchte ich es gar nicht so genau wissen.

14. Juli 2015, 19.50 Uhr:

You go to war with the army you have

von Jörn Schulz

„Ich bin bereit, das Risiko noch größerer Armut in Kauf zu nehmen, um meiner Regierung die Chance zu geben, ein Ende der Austeritätspolitik zu erkämpfen.“ So eine Frage legt kein sozialdemokratischer Politiker zur Abstimmung vor, aber das wäre die Alternative zur Kapitulation gewesen. Ein ungleicher Kampf mit ungewissem Ausgang, nicht chancenlos, da der Feind, also Deutschland, mehr zu verlieren hat und weiterhin herrschen, aber nicht mehr kämpfen will und Risiken scheut, aber so gefährlich, dass nur die griechische Bevölkerung darüber hätte entscheiden können.

Zu Recht wird kritisiert „how easy it is to be ideologically pure when you are risking nothing“, wie Alex Andreou schreibt. Klar, man soll nicht mit anderer Leute Arsch in den Krieg reiten. Aber man soll auch nicht, und eben dies ist eines der Probleme der Sozialdemokratie, so tun, als ginge es um etwas anderes als um einen Wirtschaftskrieg. Man kann mit den Deutschen nicht vernünftig reden, und die anderen wagen nicht aufzumucken, wie Varoufakis es in seinem Rückblick auf die Verhandlungen schildert. Warum dann monatelang die Illusion vermitteln, da ginge vielleicht doch etwas? Der Umgang mit Varoufakis hatte es schon vor den entscheidenden Wochen gezeigt. Worin bestand der Tabubruch? Man hatte sich in der EU-Diplomatie in langen Jahren an die immer gleichen Phrasen und Visagen gewöhnt. Dann kommt einer daher mit Fakten und Argumenten, er ist klüger als alle seine Kollegen zusammengenommen und mehr sex appeal hat er auch noch. Klar, dass sie ihn hassen.

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9. Juli 2015, 19.46 Uhr:

Don’t mention the war

von Jörn Schulz

Historische Wendepunkte kommen nicht immer mit einem großen Knall daher. Ist es alarmistisch, wenn Larry Elliott im Guardian warnt: „Greece crisis could be a Sarajevo moment for the eurozone“? Die wilhelminische Tradition hat nun die Bild-Zeitung fröhlich aufgegriffen, und Merkels Gelassenheit erinnert an das Manifest des habsburgischen Kaisers Franz Josef vom Juli 1914: „Ich habe alles reiflich erwogen.“ Man könnte natürlich auch vom Titanic-Moment sprechen: So ein großes Schiff kann doch gar nicht sinken. Warum also den Kurs ändern?

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8. Juli 2015, 14.01 Uhr:

Griechenland und antideutsche Reinheitsgebote

von Jörn Schulz

Gastbeitrag von Bernhard Torsch

Das große deutsche Elend ist, dass die Deutschen es seit Martin Luther immer ernst meinen. Oft genug machen sie auch ernst und dann wird marschiert, bis alles in Scherben fällt und der letzte zum Abschuss freigegebene Störenfried der Volksgemeinschaft erlegt ist. Dieser protestantisch-germanische Rigorismus und Reinheitswahn taucht auch immer wieder in innerlinken Debatten auf, wovon die große Zahl von Sekten, Schismen, gegenseitigen Exkommunikationen und erbitterten Facebook-Diskussionen zeugt. Natürlich ist das kein rein deutsches Kaffeekränzchen, da politische Bewegungen, die eschatologisch ausgerichtet sind, generell zu Spaltung und Abschottung gegen außen tendieren. Es sind sehr gute Voraussetzungen, einen ordentlichen Wahn zu entwickeln, der sich zum Beispiel in megalomanischen Presseaussendungen und Bekennerschreiben äußert, in denen sich versprengte linksradikale Selbsthilfegruppen als Revolutionsgerichtshöfe, Roten Armeen und Avantgarden des Proletariats verkleiden, was nicht zufällig an den kleinen Büroangestellten erinnert, der zu Karneval als Zorro geht. Das Deprimierende an der Sache ist, dass selbst ideologiekritische Menschen sich immer wieder dazu hinreißen lassen, Kritik und Analyse gegen Ressentiment und Stallwärme zu tauschen. Ganz furchtbar ernsthaft und leidenschaftlich diskutiert man derzeit in antideutschen Zusammenhängen darüber, wie denn die griechische Syriza einzuschätzen sei. Mehrheitlich, aber ohne Abstimmung wird das Urteil gefällt: „Völkische nationalistische Bewegung mit antisemitischen Einsprengseln“.

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27. Juni 2015, 11.56 Uhr:

Gegen Mißstände in Freital und weltweit II

von Thomas von der Osten-Sacken

Von Thomas von der Osten-Sacken

FRIGIDA “Unsere Stadt bleibt sauber - Freital ist frei”in Aktion:


25. Juni 2015, 18.21 Uhr:

Feuer und Flamme für Uber

von Jörn Schulz

Von Jörn Schulz

Auf mich hört ja immer keiner. Auch nicht bei Uber, einem Unternehmen, das sich offen dazu bekannt hat, sich nicht an Gesetze zu halten. Ich habe jedenfalls schon voriges Jahr darauf hingewiesen, „dass die Tür im rechtsfreien Raum wie in einem Saloon des Wilden Westens nach beiden Seiten schwingt. Ein Unternehmen, das Gesetzestreue für überflüssig hält, kann sich ja über Blockaden oder Hackerangriffe schwerlich beklagen.“ Nun blockieren die französischen Taxifahrer, hier und da brennen Autoreifen, und siehe, auf einmal einnert sich die Regierung daran, dass man das Gesetz auch gegen Unternehmer durchsetzen könnte: „Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve hat hingegen angeblich schon reagiert und die Pariser Polizei angewiesen, das Operieren von Uber Pop im Pariser Stadtgebiet zu stoppen.“

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