Missy Magazin
Kürzliche Beiträge
Heute, 13.52 Uhr:

Burbach again

von Thomas von der Osten-Sacken

Sexuelle Übergriffe durch Mitarbeiter auf Frauen in NRW-Flüchtlingsheim?

Gastbeitrag von Jana Klein

Schwere Vorwürfe werden gegen Mitarbeiter eines Burbacher Flüchtlingsheims erhoben. Diese sollen alleinstehende Frauen systematisch sexuell ausgebeutet und teilweise auch vergewaltigt haben. Die Männer vom DRK und der Security-Firma BEWA haben zu diesem Zweck mutmaßlich extra Räumlichkeiten in der Nähe der Unterkunft angemietet. Der Polizei liegen entsprechende Anzeigen vor, sie ermittelt seit Anfang Juni am Heim. Vonseiten der Siegener Staatsanwaltschaft heißt es, man beschäftige sich gegenwärtig mit möglichen Sexualdelikten.

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An die Öffentlichkeit sind die Vorwürfe nun gelangt, weil zwei Zeugen im Heim von Mitarbeitern mutmaßlich wegen ihrer Zeugenaussagen schikaniert worden waren. Zu ihrem eigenen Schutze sind sie dann von einem eingeweihten Mitarbeiter der zuständigen Bezierksregierung in ein Heim in Bonn Muffendorf verlegt worden, in dem aber ebenfalls die BEWA engagiert ist. Die Security dort schmiss laut Aussage gegenüber dieser Zeitung die beiden jungen Albaner kurzerhand mit der Begründung am nächsten Morgen wieder heraus, sie hätten „Stress mit den Kollegen in Burbach“. Über die lokale Initiative Refugees Welcome Bonn e.V., die den beiden Männern dann privat eine Unterkunft verschaffte, kamen die Anschuldigungen nun ans Licht. Die friedrichs wilhelm konnte die zwei Asylbewerber und zwei Mitarbeiter aus Burbach ausführlich befragen. Im Vorlauf hatte sich der Bedienstete der Bezirksregierung, der schließlich bei der Polizei die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte, zunächst an die Piraten-Fraktion im Landtag NRW gewandt. Er berichtet, dass unter Anderem die Existenz der privaten Anmietung auf dem ehemaligen Kasernengelände zu besagtem Zweck unter den Mitarbeitern der Unterkunft bekannt gewesen sei. Entsprechend muss es ein größeres Netzwerk aus Tätern und Mitwissenden gegeben haben, die die nun vorgeworfenen Taten deckten bzw. sie duldeten, sollten die Vorwürfe sich bewahrheiten.

Diese indes haben es in sich: Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz und der BEWA sollen, laut Zeugenaussagen, mit alleinstehenden Frauen ein- und ausgegangen sein, sie beständig mit Alkohol versorgt und mit ihnen Geschlechtsverkehr gehabt haben. Der Verdacht steht im Raum, dass den Frauen unter Anderem Versprechungen hinsichtlich ihres Asylverfahrens gemacht worden sind. In einem anderen Fall will ein Zeuge heimlich beobachtet haben, wie eine junge Frau nach dem Konsum von von Mitarbeitern mitgebrachten alkoholischen Getränken plötzlich zu Boden gestürzt ist. Als er in die Situation eingreifen wollte, hätten ihn die Mitarbeiter von der Frau abgeschirmt und ihm Konsequenzen angedroht, wenn er darüber reden sollte. Zwei Tage sei die Frau dann fort gewesen, um dann völlig aufgelöst beim Zeugen im Zimmer wieder aufzutauchen – mit losen Erinnerungen an das, was man mit ihr angestellt hatte. Sie will völlig entkleidet in einer anderen Unterkunft zu sich gekommen sein, die Täter sollen sie dann eingeschüchtert haben, nicht über den Vorfall zu sprechen. Weitere solcher Angriffe könnten womöglich im Zuge der Ermittlungen aufgedeckt werden. Inwiefern falsche Versprechungen gegen Geschlechtsverkehr strafbar sind, wäre von einem Gericht im Einzelfall aufzuklären.

Die neuen Vorwürfe werden fast zwei Jahre, nachdem zuletzt im Kreis Siegen Sicherheitskräfte Übergriffe auf Geflüchtete begangen und damit einen Skandal ausgelöst hatten, laut. Im Gedächtnis geblieben ist etwa das Video, das einen Geflüchteten zeigt, der von Securitys dazu gezwungen wird, sich auf eine Matratze mit Erbochenem zu legen. Auf einem Handyfoto war zu sehen, wie ein Mitarbeiter einem am Boden gefesselten Flüchtling seinen Stiefel in den Nacken drückt. Schon damals erzählte ein Insider, in Burbach habe ein rechtsfreier Raum geherrscht. In Bad Berleburg, ebenfalls bei Siegen, richteten sich Vorwürfe bereits damals gegen zwei BEWA-Mitarbeiter. Ein 8-Punkte-Plan des Landes sollte als Konsequenz hieraus die Missstände unter Anderem in der Überprüfung der eingesetzten Sicherheitsmitarbeiter beheben – in Burbach unter neuer Leitung, die das DRK vom vorherigen Betreiber European Homecare übernahm. Für die Sicherheit im Heim wurden weiterhin Mitarbeiter der BEWA beschäftigt. Wie die Welt am Sonntag bereits Anfang Juni berichtete, sollen die beschlossenen Überprüfungen kaum ordnungsgemäß abgelaufen sein, 4000 von 5000 Mitarbeiter von Einrichtungen in NRW hätten noch immer nicht ihr Führungszeugnis oder ihren Nachweis hinterlegt, der sie überhaupt für eine solche Tätigkeit berechtigt. Simone Brand, Integrationspolitische Sprecherin der NRW-Piratenfraktion, steht ebenfalls mit den Zeugen in Kontakt. Sie sagt: „Wenn sich die geschilderten Vorgänge bestätigen, dann bedeutet es das gänzliche Versagen vom Innenministerium“.

Auch der Mitarbeiter der Bezirksregierung, dessen Stelle sich an der betreffenden Erstaufnahmeeinrichung Burbach befindet, sieht das so. Vereinbarte Standards und Verträge seien nicht eingehalten worden, Berichte aus Burbach unter Anderem an das Parlament seien beschönigt gewesen. Auch deshalb habe er Anfang Juni Anzeige erstattet – weil sich die Zustände trotz seines Drängens, wie er berichtet, nicht wirklich gebessert haben. Ein stellvertretender Betreuungsleiter habe jedoch wegen eines Verhältnisses zu einer geflüchteten Frau in der jüngeren Vergangenheit immerhin seine Stelle verloren. Nun fürchtet der Mitarbeiter selber Konsequenzen. Auf Nachfrage heißt es bei der Bezirksregierung Arnsberg, man habe eine „Task Force“ eingerichtet, die Befragung der eigenen Mitarbeiter hätte bislang die Vorwürfe aber nicht bestätigt: „Wir können jedoch nur dann aktiv werden, wenn uns Bewohner oder Mitarbeiter auf Missstände hinweisen und auf Nachfragen unserer Mitarbeiter offen antworten“.

Zuerst veröffentlich in Friedrichs Wilhelm  Stadt- und Studierendenzeitung

14. Juni 2016, 09.03 Uhr:

Der Wahnsinn der Anderen

von Thomas von der Osten-Sacken

Über die Psychopathologisierung islamistischer Attentäter

Gastbeitrag von Antideutsche Aktion Berlin (ADAB)

In den letzten 10 Monaten gab es fünf mehr oder minder gelungene Anschläge in Deutschland. Im Herbst letzten Jahres griff in Berlin ein Islamist eine Polizistin mit einem Messer an, woraufhin ihr Kollege den Angreifer erschoss. Der 41-jährige Iraker saß zuvor im Gefängnis, weil er gemeinsam mit Komplizen einen Anschlag auf den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi in Berlin im Jahr 2004 plante.

Etwas bekannter sollten der versuchte Mordanschlag einer 16jährigen Hannoveranerin auf eine Bundespolizistin sowie der Sprengstoffanschlag auf einen Tempel der Sikhs in Essen sein. Obwohl die Salafistin erst kürzlich versucht hatte sich dem IS anzuschließen, ihr Bruder zeitweilig im Ausland im Gefängnis saß, weil er ebenfalls versuchte, sich dem IS anzuschließen, die Jugendliche mit marokkanischem Migrationshintergrund seit acht Jahren in der salafistischen Szene unterwegs ist, meldet die Staatsanwaltschaft gegenüber dem NDR am 04. März:

“Wir gehen nicht davon aus, dass ein religiöser oder politischer Hintergrund besteht", so Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. “Es ist einfach eine Ermittlungsthese, weil wir verzweifelt auf der Suche nach einem Motiv sind.” Es sei auch bekannt, dass das Mädchen im Ausland war. Ob es sich aber tatsächlich im türkisch-syrischen Grenzgebiet aufgehalten habe, sei unklar, sagte Klinge. Man ermittele nach wie vor in drei Richtungen: Eine psychische Erkrankung werde von den Ermittlern ebenso in Betracht gezogen wie eine spontane oder eben eine politisch-religiös motivierte Tat.“


Vor einem Monat griff ein Mann in München wahllos Passanten an, rief dabei  „Allahu akbar“ und tötete einen Passanten. In der Presse werden die Ermittlungsbehörden wie folgt zitiert: „Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund haben sich bisher nicht erhärtet. Zeugen hatten berichtet, dass der Mann bei dem Angriff “Allahu akbar” rief. Ein politischer Hintergrund wird aber trotzdem geprüft.“ (Die Welt, 10. Mai 2016)

Die ZEIT schreibt: „Der Mann, der bei München mehrere Menschen mit einem Messer attackiert hat, soll psychische Probleme gehabt haben.“ Keine zehn Tage später stach ein stadtbekannter Salafist ebenfalls in München auf Passanten ein. Surprise:

 

„Trotz des radikalen islamistischen Hintergrunds des Täters geht die Polizei aber nicht von einer politisch motivierten Tat aus. “Wir haben keine staatsschutzrechtlichen Erkenntnisse", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch bei einer Pressekonferenz am Mittag. Vielmehr sei der Mann offenbar psychisch krank und auch bereits in psychiatrischer Behandlung. Zuletzt habe sich sein gesundheitlicher Zustand verschlechtert, hieß es.“ NTV, 20. Mai 2016


Die Psychopathologisierung islamistischer Attentäter wird sehr gerne von Sicherheitsbehörden, Medien und kulturrelativistischen Linken betrieben. Die Entmündigung der Attentäter hilft ihnen einerseits dabei, dass Ausmaß islamistischen Terrors soweit es geht auszublenden. Andererseits ist es Ausdruck der Tatsache, dass die in diesen Kreisen gepflegten politische Begriffe nicht einmal annähernd ausreichen, um solch eine „wahnsinnige“ Tat zu analysieren. Die Verklärung, es könne sich bei den Attentätern nur um Menschen handeln, die psychische Probleme haben, ist dabei nur eine Krücke.

Es ist kein Geheimnis, dass salafistische und jihadistische Anwerber ganz gezielt psychisch labile Menschen rekrutieren oder immer wieder versuchen in den Gefängnissen Kleinkriminelle für ihre Zwecke zu missionieren. Der Versuch die Verbindung von Religion und Wahn zu ignorieren, endet letztlich in dem Wahnsinn islamistische Terroristen als „psychisch krank“ zu diffamieren.

„Eine besondere Bedeutung beansprucht der Fall, daß eine größere Anzahl von Menschen gemeinsam den Versuch unternimmt, sich Glücksversicherung und Leidensschutz durch wahnhafte Umbildung der Wirklichkeit zu schaffen. Als solchen Massenwahn müssen wir auch die Religionen der Menschheit kennzeichnen. Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt“, schreibt Sigmund Freud im „Unbehagen in der Kultur“.

Im Falle der 16-jährigen Hannoveranerin ist bei der Suche nach dem Motiv ihrer Tat herausgekommen, dass sie womöglich die erste, vom Islamischen Staat instruierte Attentäterin in Deutschland war. Im Nachtprogramm versteckt, als Teaser für eine Dokumentation über den IS in Europa, erklärte die Tagesthemen-Sprecherin am 30. Mai 2016 dem verdutzten Publikum diese interessante Nachricht. Seitdem herrscht wieder Funkstille.


(Auszüge aus einem Referat. Gehalten am 11. Juni 2016 in Berlin.)

1. Juni 2016, 11.45 Uhr:

FPÖ: Keine Berührungsängste

von Jungle World

VON KARL PFEIFER

Die FPÖ hatte kein Problem, einen ungarischen Neonazi wie László Toroczkai, den Bürgermeister der ca. 4000 Einwohner zählenden ungarischen Großgemeinde Ásotthalom, zum Akademikerball 2016, durch die Burschenschaft Olympia einzuladen.

Toroczkai der am 31. Mai 2016 zum Vizepräsidenten der ungarischen Neonazipartei Jobbik gewählt wurde, hat auf seiner Facebook Seite am 25. Mai folgende Notiz eingetragen:
“Etwas stinkt (…) in Österreich. Nach dem bis heute unaufgeklärten und mit zahlreichen Widersprüchen behafteten Unfall Jörg Haiders, konnte der von allen anderen Parteien und politischen Kräften unterstützte Bundespräsident-Kandidat [Alexander Van der Bellen] nur mit ein paar später eingelangten Briefwahlzetteln, mit sehr knapper Mehrheit den Kandidaten der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) besiegen (…) Auch bislang wussten wir, dass die ausschließlich den Interessen des globalen Großkapitals dienende, sich um die Vernichtung der europäischen Nationen bemühende internationale politische Kraft die Macht nicht leicht den patriotischen Kräften übergeben wird. Die einzige Lösung, dass man, wenn es gefällt, eine zweidrittel Mehrheit erreichen muss. In diesem Fall können sie auch mit Betrug keine wesentliche Änderung erreichen. Die europäischen nationalen Kräfte jedoch muss man zusammenfassen, der Feind ist international, dagegen was tun, kann man nur mit dem Zusammenhalt zwischen den Nationen.“

Wie man sieht, die laut Umfragen stärkste politische Partei Österreichs hat keine Berührungsängste, wenn es um die Zusammenfassung der „europäischen nationalen Kräfte“ geht. Da sind auch Neonazi willkommen.

21. Mai 2016, 15.24 Uhr:

Stehvermögen aufbauen

von Thomas von der Osten-Sacken

Der Muslim bringt’s ans Licht: Der deutsche Nachkriegsmann ist total verweichlicht.

Eine Niete kurzum, prügelt sich nicht gerne und vertraut auch noch auf den Staat, den ihm die Alliierten damals aufgezwungen haben.

Kurzum da steht gar nichts mehr, schon gar nicht hart.

Jetzt also heißt es: Widerstand organisieren! Stehvermögen wieder herstellen! Die Krise als Chance! Mehr Prügeln, weniger Staat! Die Fesseln der Zivilisation abstreifen! Stadtdschungelkämpfer werden!

Sich dem Gegner, der noch steht wie eine Eins, mimetisch angleichen!

(Und deutscher Mann, so am Rande, nicht wahr, auch die deutsche Frau, die sieht das gar nicht gerne, solche dauerdurchhängenden, zivilisierten Waschlappen und am Ende, wenn sie eh schon, Bassam Tibi hat’s ja jüngst erklärt, vom Muslimmann entehrt worden ist und Du nicht eingegriffen hast, obwohl es ja eigentlich um Deine Ehre ging, dann wird sie sich gar auch noch abwenden von Dir! Und dann gibt es bald auch noch ein übles Demographieproblem.)

12. Mai 2016, 16.17 Uhr:

Das Gerücht über den Muslim?

von Jungle World

Anlässlich der Bürgermeisterwahl in London, bei der der Muslim Sadiq Khan gewählt wurde, schrieb Jakob Augstein in seiner Kolumne „Im Zweifel links“ für Spiegel Online über „Europäischen Rassismus“. Da steht, gelinde gesagt, viel Blödsinn drin. Eine Kritik.

VON ALEXANDER NABERT

Jakobs Augsteins Kolumne ist mit „Europäischer Rassismus: Gerüchte über Muslime“ überschrieben. Das ist eine offenkundige Anspielung auf den Philosophen Theodor W. Adorno. In einem Aphorismus in einem seiner Hauptwerke, den „Minima Moralia“ hält Adorno fest: „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“ Augstein macht klar, wie er sich auf Adorno bezieht: „In einer Abwandlung eines Adorno-Worts lässt sich sagen: Die Islamfeindlichkeit ist das Gerücht über den Muslim. Adorno ging es freilich um den Antisemitismus. Aber die Muslimfeindlichkeit hat in Deutschland den Antisemitismus längst als gefährlichsten Rassismus abgelöst.“ Damit parallelisiert er das, was er als „Islamfeindlichkeit“ begreift, mit dem, was Adorno als Antisemitismus begriff. Adorno, der seinen Satz 1951 geprägt durch die Erfahrung von Nationalsozialismus und der Barbarei des Holocausts schrieb, analysierte offenbar etwas anderes als Augstein 2016 in Europa wahrnimmt.
Mit dem letzten Satz erklärt er Antisemitismus schlicht zu „Rassismus gegen Juden“. Doch Antisemitismus war und ist nicht bloßer Rassismus gegen Juden, erst Recht nicht bei Adorno und schon gar nicht im Nationalsozialismus. Die Nationalsozialisten sahen die Juden nicht als eine „Rasse“ unter vielen, sondern als „Gegenrasse, das negative Prinzip als solches“, wie Adorno mit seinem Kollegen Max Horkheimer in der „Dialektik der Aufklärung“ festhielt. Dort notierten die beiden Philosophen, die das Werk im US-Amerikanischen Exil verfassten, zum Verhältnis von Rassismus und Antisemitismus: „die Neger will man dort halten, wo sie hingehören, von den Juden aber soll die Erde gereinigt werden“. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Rassismus und Antisemitismus besteht darin, dass die Objekte des Rassismus den Rassisten als minderwertig und schwach gelten, während die Objekte des Antisemitismus den Antisemiten als überlegen und mächtig gelten. Was der Antisemit den Juden andichtet (Weltherrschaft, Kontrolle der Medien, Kontrolle der Banken …) traut der Rassist den in seinen Augen Minderwertigen gar nicht erst zu. Muslimfeindlichkeit ist nicht der neue Antisemitismus, sondern ein gänzlich anderes Phänomen.
In den zitierten Sätzen nutzt Augstein „Islamfeindlichkeit“, „Muslimfeindlichkeit“ und „Rassismus“ synonym, obwohl es sich um drei unterschiedliche Phänomene handelt. Während die „Islamfeindlichkeit“ auf den Islam als Religion, zielt „Muslimfeindlichkeit“ auf Muslime, also Anhänger des Islams ab. Eine abstrakte Feindschaft gegenüber dem Islam kann, ähnlich wie ein abstrakte Feindschaft gegen das Christentum, in einem nicht-rassistischen, atheistisch-säkular begründeten Kontext stattfinden, während die „Muslimfeindleichkeit“ ein pauschales Ablehnen von Muslimen meint, also den Muslim entindividualisiert angreift. Wenn Augstein „Islamfeindlichkeit“ mit Rassismus gleichsetzt, verharmlost Augstein echten Rassismus, der ethnifiziert und rassifiziert.

„Großer Verführer“ und „großer Rechtspublizist“
Einen ganzen Absatz widmet lang widmet Augstein sich den ersten beiden Plätzen der Spiegel-Bestseller Liste. Auf Platz eins liegt Thilo Sarrazin, auf Platz zwei die Kritische Edition von Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Wie aussagekräftig die Verkaufserfolge dieser Bücher für den Europäischen Rassismus sind, sei mal da hin gestellt. Allerdings zieht Augstein Parallelen zwischen Sarrazin und Hitler: „Der große Rechtspublizist direkt vor dem großen Verführer. Es gibt offenbar Kontinuitäten im deutschen Leseverhalten. Mit etwas Spott lässt sich sagen: Da stehen die richtigen nebeneinander. Sarrazin hat ein Buch darüber geschrieben, was die Politiker alles falsch machen. Hitler hat ein Buch darüber geschrieben, wie man in der Politik alles richtig macht.“ Sarrazin ist zweifelsohne ein reichlich unsympatischer Zeitgenosse, ein unbrauchbarer Publizist, und einer, der zum aktuellen Rassismus in Deutschland seinen Beitrag geleistet hat. Hitler hingegen steht für Holocaust, Nationalsozialismus und Vernichtungskrieg. Das ist, bei aller Ablehnung, die Sarrazin zurecht erfährt, dann doch ein paar Nummern größer. Um Sarrazin Hörner aufzusetzen, schlägt Augstein sie Hitler ab. Augstein schreibt selbst zur Relation zwischen Sarrazin und Hitler: „Denn Thilo Sarrazin predigt einen neuen Rassismus, und auch weit unterhalb der Schwelle eines Holocausts hat solcher Rassismus katastrophale Folgen.“ Warum steht da „eines Holocausts“? Augstein könnte auch „des Holocausts“ schreiben — sein Satz würde immer noch funktionieren — schreibt es so daher, als sei Holocaust ein Synonym für irgendeinen beliebigen Völkermord. Das kann könnte man auch so lesen, als wolle Augstein die Singularität des Holocausts negieren.
Hitler als den „großen Verführer“ zu bezeichnen setzt dem Ganzen die Krone auf. Mit dieser Charakterisierung wird die Mitschuld des deutschen Volkes der Weimarer Republik am Nationalsozialismus negiert. Dabei ist hinlänglich belegt, dass Millionen von Deutsche nicht erst verführt werden mussten, sondern sich ein autoritäres Deutschland, das den „Versailler Vertrag“ hinter sich lässt und wieder Großmacht wird sehnlichst herbeiwünschten. Auch zum Antisemitismus mussten die Massen nicht erst durch Hitler verführt werden. Der war schon lange bevor Hitler eine relevante Rolle spielte omnipräsent und beschränkte sich bei weitem nicht nur auf Hitler und die NSDAP. Hitler war nicht der Verführer, er war der Führer der Deutschen. Der geliebte Führer.

Falsch zitiert
Als weiteren Beleg für die Muslimfeindlichkeit in Europa wählt Augstein ein Zitat von der Soziologin Necla Kelek, die Mitglied der „Deutschen Islamkonferenz“ ist. Er schreibt (Auslassungen im Original): „Die Soziologin Necla Kelek hat lange vor Jan Böhmermanns Ziegenficker-Gedicht im ZDF über Muslime gesagt: ‚Die Menschen haben nicht die Fähigkeit, ihre Sexualität zu kontrollieren, und besonders der Mann nicht. Der ist ständig (…) herausgefordert und muss auch der Sexualität nachgehen (…) – und wenn er keine Frau findet, dann eben ein Tier…‘ Dumm und dauergeil, so ist er, der Muslim. In einer Abwandlung eines Adorno-Worts lässt sich sagen: Die Islamfeindlichkeit ist das Gerücht über den Muslim.“
Blöd nur: Der Publizist Tilman Tarach weist darauf hin, dass das Zitat manipuliert wurde. Tarach schreibt: „Erstens beschreibt Necla Kelek hier nicht ihre eigene Position, sondern gibt ausdrücklich das – ihrer Ansicht nach – weit verbreitete und von ihr stets kritisierte islamische Menschenbild wieder. Zweitens handelt es sich bei diesem Bild durchaus nicht um eines ‚über Muslime‘. Kelek erklärte vielmehr, dass die islamische Sicht der Dinge alle Menschen als derart sexualgestört imaginiert.“
Schaut man sich das Video von Keleks Aussage an, wird deutlich, was Tarach meint: In einem von Augstein weggelassenen Einleitungssatz erklärt Kelek: „Da gibt es ein Menschenbild, das konstruiert ist“, welches sie mit den nachfolgenden Sätzen umreist. An einer Stelle lässt Augstein die Worte „heißt es“ weg, durch die wiederum klar wird, dass Kelek gerade nicht ihre Meinung wiedergibt. Es ist vollkommen unerheblich, was man von Keleks Aussage hält. Hier reicht die Feststellung: Augstein hat ein Zitat aus seinem Kontext gerissen und verfälscht, sodass das, was gesagt wird, komplett entstellt wird — und für Augstein nutzbar. Dafür nimmt er die Verleumdung der Soziologin in Kauf, die an keiner Stelle das Bild vertrat, Muslime würden zu Sex mit Tieren neigen. Augsteins Text kommentiert die herbeiphantasierte Aussage von Kelek mit den Worten „Dumm und dauergeil, so ist er, der Muslim.“ Hält man Keleks komplette Aussage daneben, entpuppt sich dieses Urteil als besonders dreist.
Jakob Augstein wollte anlässlich der Bürgermeisterwahl in London eine Kolumne über den Rassismus in Europa schreiben. Das steht auf der Plusseite. Er arbeitet sich allerdings nämlich nicht an den durchaus vorhandenen rassistischen Kommentaren über den neuen Bürgermeister ab, was ja naheliegend gewesen wäre. Stattdessen verliert er sich in Verharmlosungen von Nationalsozialismus, Antisemitismus und Holocaust, wofür er auch noch die Theorie von Philosophen bemüht, die Deutschland während des Nationalsozialismus verlassen mussten, weil sie als Juden (die sie nach NS-Maßstäben waren) mit Verfolgung rechnen mussten. Weiter betreibt er die Verharmlosung von Rassismus in einer Kolumne über — ja, Rassismus. Das Ganze krönt er noch damit, ein Zitat einer muslimischen Soziologin zu verfälschen. Augstein hätte auch einfach eine Kolumne über Sarrazin schreiben können, in der er keine kruden Parallelisierungen mit Hitler macht. Vielleicht wäre es dann besser geworden. Vielleicht. So bleibt der Text nun vollends unbrauchbar und schafft es auch nicht, dem „Europäischen Rassismus“ glaubhaft etwas entgegenzusetzen.

15. April 2016, 15.57 Uhr:

Aus der Geschichte lernen

von Bernd Beier

Gastbeitrag von Thorsten Fuchshuber

Wie erklärt der oberste Dienstherr der belgischen Polizei der Öffentlichkeit, weshalb sich Salah Abdeslam und Co., die jihadistischen Attentäter von Paris und Brüssel, mitten in Brüssel so lange erfolgreich der Verhaftung entziehen konnten? Er vergleiche das oft mit den Juden, die im Zweiten Weltkrieg Unterstützung in der belgischen Hauptstadt gefunden hätten, so Innenminister Jan Jambon von der nationalkonservativen flämischen N-VA: „Juden haben es über vier Jahre hinweg geschafft, sich zu verstecken, obwohl ein schreckliches Regime sie unablässig aufzuspüren versucht hat.“ Aha.
Es ist eben alles eine Frage der Perspektive. Schon kurz nach seinem Amtsantritt im Herbst 2014 hatte Jambon erklärt, auch die flämischen Nazi-Kollaborateure hätten „ihre Gründe gehabt“.

13. April 2016, 14.10 Uhr:

And the winners are...

von Jungle World

In unserer letzten Ausgabe hatten wir ein Schmähgedicht-Contest ausgerufen. An dieser Stelle möchten wir uns bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, herzlich bedanken für die Einsendungen.

Hier, wie versprochen, unsere Top drei:

Was du nicht willst, das man dir tu
Von Susannah Winter

In der Türkei am Bosporus
Da lebt ein kleiner Mann
Der allzu gern ein Großer wär‘
Man nennt ihn Erdogan
Der strebt nach Einfluss und nach Macht
Weltweit, auch hierzuland‘
Und als dies noch unmöglich schien
Spielt Krieg ihm in die Hand
Die engen Bande zum IS
Sie zahlen sich nun aus
Man zahlt Milliarden, man hofiert
Den Demokraten-Graus
Denn Deutschland gilt auf dieser Welt
Nur eines als gefährlich
Das ist der dunkle, fremde Mann
Und seien wir mal ehrlich:
Wer braucht schon dieses Arbeitsvieh
Wo Billiglöhner schuften
Wo Sklaverei verboten ist
Soll das Pack verduften.
Da lässt man Kohle, Wert, Humor
Auf dass man sich verbündet
Vorbei ist’s mit dem freien Land
Das Kemal einst begründet
Und doch soll dieser Freiheitsfeind
Europas Partner sein
Er, der die Presse, Frauen, hasst
Wo, frag ich, bleibt das „Nein“?
Wo sind sie hin die hohlen Phrasen
Die viel beschwor’nen Werte?
Reicht eine Krise, deutsche Angst
Für unmenschliche Härte?
Da wird Satire abgeschafft,
verging uns eh, das Lachen
In einig Merkel-Phrasenland
Gilt’s Grenzen zu bewachen
Nun wagen wir gemeinsam mal
Den Blick Richtung Türkei
Und sollten fragen, bitteschön:
Was ist denn da noch „frei“?
Ist dies der Weg, den wir beschreiten
Ist das der Wert der „Ruh‘“?
Dann ist was kommt mehr als verdient
Was du nicht willst, das man dir tu

Anti-Schmäh
Von Emma Eisenberg

Erdogan, du cooler Rächer,
bist nicht nur ein geiler Stecher.
Bist auch gerecht und klug und stark,
alle Andern sind doch Quark.
Putin, Chuck Norris, Gerhard Schröder,
imitieren dich nur schnöder.
Und der fiesen Lügenpresse gibst selbstbewusst du auf die Fresse.
Für Böhmermann und Extra3 hältst du in Imrali ein Plätzchen frei.
Frauen, Kurden, Journalisten, schlimmer sind nur Atheisten.
Alle gehen dir auf die Nerven,
wollen sich nicht unterwerfen.
Dein Pups der riecht wie junger Flieder,
das beton ich immer wieder.
Ich bin dein Fan- Du bist mein Held der türkischste der ganzen Welt!

Krawattenmann
Von Bastian Krondorfer

Erdogan, Erdogan schau‘ dich doch im Spiegel an
Erdogan, Erdogan so wirst du nie Krawattenmann*
Erdogan, Erdogan schau‘ dir mal dein Schnäuzer an,
nicht Fisch nicht Fleisch - nicht Öcalan
was sagt zum Thema der Koran?
Der noch keine Schnäuzer kannte,
Krawatten auch nicht, sowie die Tante
Erdogan, Erdogan

*Krawattenmann des Jahres 2015 ist Guido Maria Kretschmer

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