von Jörn Schulz
Die Mormonen gelten als etwas wunderlich und als ziemlich konservativ. Doch in einer Hinsicht sind sie erstaunlich liberal, wie Forrest Wickman in Slate berichtet. Es kommt nämlich kaum jemand in die Hölle. Wenn Sie nicht bereits vor der Erschaffung der Welt mit Satan kooperiert haben, ist Ihre Chance auf einen Platz im Himmel groß, auch wenn Sie jetzt noch ein Gottloser sind. Nach Ihrem Tod dürfen Sie sich noch einmal entscheiden, ob Sie nicht doch an Jesus glauben wollen. Wenn Sie angesichts der neuen Beweislage einsichtig sind, wartet das „terrestrial kingdom“ auf Sie. Wenn Sie halsstarrig bleiben und viel gesündigt haben, müssen Sie erstmal in eine Art Fegefeuer, aber dann geht’s raus aus dem Kochtopf und ab ins „telestial kingdom“, das ist so etwas wie das Souterrain des Himmels, aber immer noch der Himmel. Ich finde, ein solcher Sinn für Fairness ist lobenswert.
Wenn Sie einen Platz im obersten Stockwerk, im „celestial kingdom“, ergattern wollen, ist es allerdings höchste Zeit, Mormone zu werden und die Hierarchie zu durchlaufen. Dann haben Sie sogar die Chance, selbst ein Gott zu werden. Die Engel gehorchen Ihnen, und vielleicht bekommen Sie sogar Ihren eigenen Planeten. Ja, ein eigener Planet, ganz für Sie allein!
Die Mormonen legen allerdings Wert darauf, die Geschichte mit dem Planeten ein wenig zu relativieren: „We believe that through Christ all men and women can be made perfect as God and his son Jesus Christ are perfect. Nowhere in scripture does it explicitly say we will rule our own planets. Truth is, we don’t know exactly what will happen in heaven (…) We will just have to wait until after this life is over.”
Aber nehmen wir einmal an, es gibt sie, die Planetenverteilung. Das würde vieles erklären. Naheliegend ist es ja. Stellen Sie sich einmal vor, Sie seien Gott. Da gibt es zig Milliarden Planeten, und überall sind Propheten zu ernennen, Goldtafeln zu präsentieren, Gebet zu erhören… Ja, verdammt viel Stress. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Warum nicht ein wenig outsourcen? Und die Bibel informiert darüber, dass Gott nach der Schöpfung dieses und jenes reute. Wäre es möglich, dass Er auch bei der Personalpolitik nicht immer eine glückliche Hand hatte? Dass Er womöglich einem überaus frommen, aber in Verwaltungsangelegenheiten mangelhaft qualifizierten Alien-Mormonen die Erde übergeben hat, einem Space-Schettino, der wahnsinnig stolz darauf ist, dass er jetzt etwas wirklich Großes kommandieren darf, der aber alles verpatzt, wenn ernsthafte Probleme auftreten?
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