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Ute Weinmann:Extremismus à la russe
29. November 2012, 12.59 Uhr:

Extremismus à la russe

von Ute Weinmann

Wer sich gerne noch einmal auf YouTube den Videoclip von der Aktion der Punk-Aktionskünstlerinnen von Pussy Riot im Februar 2012 in der Moskauer Erlöserkathedrale ansehen möchte, sollte sich beeilen. Heute stufte ein Moskauer Gericht den Clip als „extremistisch“ ein und veranlasste die Blockierung praktisch aller bisher im Internet veröffentlichten Videoaufnahmen der Perfomances von Pussy Riot.

Bemerkenswert sind die Schlussfolgerungen aus den vorgelegten Gutachten. Da ist die Rede von „versteckten Aufrufen zu solchen Handlungen, wie die Organisierung von Massenunruhen auf Plätzen, wie Occupy Wall Street oder in arabischen Ländern“. Das Russische Institut für Kulturwissenschaft will in besagtem Videoclip gar den „Aufruf zur Arbeit mit den Strafverfolgungsbehörden mit dem Ziel, einen Teil dessen Angehöriger auf die eigene Seite zu ziehen“ bemerkt haben. Dass der Punk-Auftritt in der Kirche die Gefühle Gläubiger verletzt habe, ist ja bereits hinreichend bekannt. Für die sorgfältige und von Fachkenntnis geprägte Überprüfung der skandalträchtigen Videos sorgte Alexander Starowojtow, Dumaabgeordneter der Zhirinowskij-Partei LDPR mit einem Antrag an die Staatsanwaltschaft.

Zwei der drei im August wegen der gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin gerichteten Performance vor Gericht gestellten Frauen von Pussy Riot, Nadezhda Tolokonnikowa und Maria Aljochina, verbüßen derzeit ihre zweijährigen Haftstrafen in russischen Strafkolonien. Deren Ruhm macht den Gefängnisleitungen jedoch zu schaffen. Nach Drohungen, Beleidigungen und Angriffen seitens ihrer Mithäftlinge sah sich Maria gezwungen, die Leitung um Schutz zu bitten. Dieser Schritt ist äußerst riskant, denn jegliche Ermittlungsmassnahmen zur Klärung des Sachverhalts wirken sich in der „Zone“, wie die Kolonien auch genannt werden, in der Regel am Ende gegen die Hilfesuchenden aus. Vorerst kann sich Maria Aljochina nur in Begleitung des Gefängnispersonals auf dem Gelände der Strafkolonie bewegen. Allerdings gilt die im Permer Gebiet gelegene Zone als vorbildliche „rote Kolonie“, in der der gesamte Ablauf im Unterschied zu vielen anderen komplett durch die Gefängnisleitung bestimmt wird. Sprich, es ist anzunehmen, dass diese die Angriffe auf ihre berühmteste Insassin selbst initiiert hat, um Maria dazu zu bewegen, einen Antrag auf Verlegung in eine andere Strafkolonie zu stellen.

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