Stefan Ripplinger:Kursbuch
13. Juni 2008, 10.21 Uhr:

Kursbuch

von Stefan Ripplinger

So schlecht schreibt nur die taz:

Das Kursbuch, 1965 von Hans Magnus Enzensberger gegründet, war intellektuell, mehr noch als die Konkret, der Stern oder der Spiegel, der stichwortspendende Leitstern am Medienhimmel der Achtundsechzigerbewegung.

So schleimt die FR:

Wir wunderten uns darüber, dass es dem damaligen Zeit-Herausgeber Michael Naumann 2005 gelang, dem “Kursbuch” bei Holtzbrinck einen komfortablen Unterschlupf zu bereiten. Er ist ein Mann, der offenbar Wunder wirken kann. Vielleicht wäre ihm sogar die Wiederbelebung des “Kursbuches” geglückt. Aber so ist es auch gut.

Das Kursbuch, seit über 20 Jahren habe ich es nicht mehr gekauft (das letzte Heft 75/1984, wegen des Aufsatzes von Wiener darin), ist eingestellt worden; die Journaille jubelt. Weshalb eigentlich? Es war doch wenigstens zu Anfang der Versuch, Anschluss an die Diskussionen der Welt zu finden und nicht in deutscher Dunkelhaft zu verharren. Das wird die, deren Wertschätzung im Lande darauf beruht, dass sie nie mit dem Ausland verglichen werden, an der Zeitschrift gestört haben. Sie hoffen darauf, dass der Dumpfeste überlebt und künftig sie Naumanns Stichwortspender sind.

Kommentare

Das Wort stammt von Kraus, bzw. von einem seiner Bekannten. Zuerst in "Die Fackel", Nr. 99 / 1902. Kraus merkt dort an: "Ein geistvoller Mann hat mir neulich, da wir über die Verwüstung des Staates durch die Pressmaffia klagten, diese für meine Zwecke werthvolle Bezeichnung empfohlen, die ich hiemit dankbar dem Sprachgebrauch überliefere."

Lieber Herr Ripplinger,

das Wort 'Journaille' wurde meines Wissens im Umkreis von Joseph Goebbels geprägt, um die 'Judenpresse' zu verunglimpfen. Aufgeklärte Presseschelter vermeiden es.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Slink

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