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Jörn Schulz:"When everything was on the line"
8. November 2016, 18.53 Uhr:

"When everything was on the line"

von Jörn Schulz

“When your kids and your grandkids ask you in the future what you did in 2016, when everything was on the line, you’ll be able to say you voted for a stronger, fairer, better America where we build bridges, not walls”, sagte Hillary Clinton bei ihrer letzten Wahlkampfrede. Pathetisch? Gewiss, aber es ist berechtigtes Pathos, denn dies ist zumindest die wichtigste Wahl seit 1932 (und Hoover war kein rechtextremer Psychopath). Das diffuse Gefühl, dies sei ein Tag, mit dem vielleicht das Ende der Demokratie oder das Ende der Zivilisation beginnen könnte oder doch eine Zeit, in der es jedem, der sich nicht rechtzeitig auf die Seite des rechten Mobs schlägt, ergehen könnte wie diesem Iguana, haben viele US-Amerikaner: „I remember her (seine Mutter) telling me that she has a memory of walking home during the Cuban Missile Crisis knowing that a nuclear war could begin at any moment.“

Wenn Österreich an die extreme Rechte fällt, bleibt der Schaden überschaubar. Aber: This is America. Es geht nun weniger darum, dass Trump umgehend den roten Knopf (den es ohnehin nicht gibt) drücken könnte. Aber dass sein Sieg Rechtspopulisten und Rechtsextremisten (indirekt auch die feindlichen Brüder, die Islamisten) stärken würde, steht außer Frage. Die wohl größte akute Gefahr ist, dass er umgehend einen Handelskrieg mit China beginnt, dessen Folgen unkalkulierbar wären, weil die chinesische Regierung zwar in erster Linie am Geschäft interessiert ist, Autokraten aber nie Schwäche zeigen dürfen, es also Gegenmaßnahmen und nationalistische Rhetorik geben wird. Dann eine irrationale Reaktion des Marktes, vielleicht eine Konvergenz mit der Euro-Krise…

Eine gewisse Sehnsucht nach der Apokalypse ist auch in der Linken spürbar, wo es ja bei einigen eine gewisse Überschneidung mit dem Trumpismus gibt. Aber: „The hatred of Clinton from the testosterone left is a dangerous, self-defeating omission from those who insist theirs is a project of fairness.“ Und: „It’s important not to mistake her pragmatism for a lack of ambition or vision. Clinton’s agenda is plenty ambitious. It’s a serious attempt to adapt a comprehensive welfare state to the demands of American politics, to overcome the particular flaws of America’s political system to create a cradle-to-grave safety net.“

So, mehr kann ich jetzt auch nicht tun. Kinder habe ich ja nicht, aber ich bin nicht mehr so flink wie ein junger Iguana.

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