Jörn Schulz:Bad Banker
13. Mai 2009, 17.14 Uhr:

Bad Banker

von Jörn Schulz

Ein Seufzer der Erleichterung ging durch Berlin, als Thilo Sarrazin sein Amt als Finanzsenator aufgab. Sogar das Wetter wurde nach seinem Rücktritt besser. Wer allerdings gehofft hatte, Sarrazin werde hinfort den Mund halten, habe womöglich in seinem neuen Job als Vorstand der Bundesbank keine Zeit mehr, die Revolverpresse mit reaktionärem Prasen zu versorgen, wird enttäuscht.

Dem Stern offenbart Sarrazin seine Sorge um die Sozialhygiene: „Die große Frage ist: Wie kann ich es schaffen, dass nur diejenigen Kinder bekommen, die damit fertig werden.“ Der Führer empfiehlt: Zwangssterilisation. Doch solche Operationen kosten den Staat viel Geld, und Geld gibt man ja ohnehin schon viel zu viel aus für Hartz-IV-Empfänger, die „es gerne warm“ haben und gierige Greise, die einfach nicht einsehen wollen, dass die Renten „langfristig auf das Niveau einer Grundsicherung sinken“ müssen. Sarrazin kennt eine billigere Lösung. Das Sozialsystem soll so geändert werden, „dass man nicht durch Kinder seinen Lebensstandard verbessern kann.“

Es kann nicht ein jeder seinen Lebensstandard dadurch verbessern, dass er von guten Freunden oder auch Parteifreunden, die verzweifelt nach einem Weg suchen, das zweibeinige PR-Desaster loszuwerden, mit einem lukrativen Job bedacht wird, ohne Qualifikationen nachweisen oder sich gar einem demütigenden Bewerbungsbespräch stellen zu müssen. Dass Sarrazin genug Zeit findet, gegen die Horden unermüdlich gebärender, das Volksvermögen verheizender und versaufender Hartz-IV-Mütter ins Feld zu ziehen, könnte auch an seinen neuen Kollegen liegen. Offenbar sucht man bei der Bundesbank noch nach einem Posten, auf dem er nicht allzuviel Schaden anrichten kann. „Neumitglied Thilo Sarrazin, der Anspruch auf den begehrten Bereich Internationales erhoben haben soll, ging bei der Vergabe der einflussreichsten Posten vorläufig leer aus“, berichtet das manager magazin. Er versucht sich schon mal im Marketing. Als Ergänzung zur Grundsicherung (ehemals Rente) empfiehlt Sarrazin Bundesanleihen, die es rein zufällig bei dem von ihm geleiteten Institut zu kaufen gibt.

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