von Jörn Schulz
Kaum weht unseren Jungs am Hindukusch etwas Pulverdampf um die Nase, glauben manche Journalisten, nun sei wieder ein etwas schneidigerer Tonfall angebracht. Zum Beispiel Ansgar Graw, Politikredakteur der Welt. „Zu kämpfen mit dem Feind, ihn zu verfolgen und zu vernichten und sich zu erfreuen am Geschrei der Weiber!“ OK, das war Conan der Barbar. Graw hingegen will „den Feind jagen und stellen – nicht nur auf hoher See, sondern auch in seinen Nestern an der Küste.“
Der Feind, das sind die somalischen Piraten, die sich eines besonders verwerflichen Vergehens schuldig gemacht haben, einer „Kriegserklärung an den freien Handel“. Als sich herausstellte, dass Siemens so frei war, mit 4283 illegalen Zahlungen den Handel zugunsten des eigenen Unternehmens umzuleiten, sprach seltsamerweise niemand von einer „Kriegserklärung an den freien Handel“. Niemand wollte den Feind verfolgen, vernichten und sich am Geschrei der Aktionäre erfreuen. Niemand schrieb Sätze wie: „Das Risiko für die Verbrecher muss dramatisch steigen, ihre Aussicht auf Profit gewaltig sinken.“
Dass die somalischen Piraten etwas gegen den Welthandel haben, ist im Übrigen natürlich Unfug, denn ohne Welthandel gäbe es auch keine Beute. Warum das Geschäft noch immer läuft, verrät Graw nebenbei auch. Den „Reedern wird zwar Konvoischutz angeboten, doch die Mitfahrt darin scheitert häufig am internationalen Termindruck, an der unterschiedlichen Geschwindigkeit der Schiffe und vielfältigen Zielhäfen.“ Statt ihre Schiffe ein oder zwei Tage mit halber Kraft laufen zu lassen, weil im Konvoi auch mal ein langsamerer Frachter mitfährt, setzen die Reeder die Besatzungen, überwiegend miserabel bezahlte asiatische Matrosen, lieber erheblichen Gefahren aus.
Dass ausschließlich Lohnabhängige Opfer der Piraten werden, ist tatsächlich ein Grund, auf die von Graw beklagte „Robin-Hood-Romantik“ zu verzichten. Eine gewisse Bewunderung könnte man den Seeräubern ansonsten nicht versagen, die in zehn Meter langen Pirogen, ausgerüstet nur mit rostigen Kalaschnikows und verbeulten Raketenwerfern, von den modernsten Kriegsschiffen der Welt gejagt werden. Erinnert sich noch jemand an das Versprechen, dass die von der deutschen Marine gefangen genommenen Verdächtigen einen fairen Prozess in Kenia bekommen sollten? Wozu auch, jetzt sind „kühne Schritte“ gefragt. Es „müssen Küstenregionen vor ‚failed states’, ohnmächtigen Zombiestaaten, in die Administration gesunder Staaten übergeben werden – auch wenn ein solches Signal internationaler Verantwortung prompt als Neokolonialismus denunziert würde.“
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