von Jörn Schulz
Manchmal bedaure ich, dass ich kein Wissenschaftler geworden bin. Es war sicher ein Riesenspaß, die Studie zum Thema “If there was to be a battle between zombies and the living, who would win?” zu erstellen. Doch ist der an die Lebenden gerichtete Ratschlag „hit them hard and hit them often” wirklich klug und realistisch? Weitblickendere humanoide Strategen geben unter anderem zu bedenken, dass die EU zweifellos zunächst Zombie-Ausschüsse bilden und es an Kritikern des „war on zombies“ nicht mangeln würde.
Ich vermute, das recht schnell PETZ (People for the Ethical Treatment of Zombies) entstehen und die Kritik an den Ernährungsgewohnheiten der Untoten als ein anthropozentrisches Ressentiment geißeln würde. Die postmoderne Kritik würde den Begriff des Zombietums als soziale Konstruktion entlarven. “Zombies sind wie wir", sagt George A. Romero, und der muss es ja wissen. Während sich Friedrich-Ebert- und Heinrich-Böll-Stiftung um den Dialog mit den Untoten bemühen, auch wenn der eine oder andere Referent verspeist wird, warnt die Friedensbewegung, dass die Zombophobie und der „war on zombies“ zu einem Flächenbrand und einem neuen Wettrüsten führen werden, und Jürgen Elsässer veröffentlicht “Terrorziel Mensch. Das gefährliche Doppelspiel der Geheimdienste” mit unzähligen Beweisen für die Steuerung der Zombiebewegung durch CIA und Mossad.
Zu wenig Interesse wurde bislang den potenziellen Entwicklungen unter der Untoten zuteil. Tatsächlich wird der aufgeklärte Zombie an einem Dialog interessiert sein. Zombies werden gewöhnlich den bildungsfernen Schichten zugerechnet. Erst wenn der letzte Mensch verspeist worden ist, wird der Zombie merken, dass er nun nichts mehr zu Beißen hat, glaubte man früher. Die neuere Zombieforschung führte jedoch zu der Erkenntnis, dass Zombies recht intelligent sind. Daher werden sie erkennen, dass es nicht in ihrem Interesse ist, alle Menschen zu fressen. Es wird eine Bewegung der Öko-Zombies entstehen, die für den Erhalt der natürlichen Ressource Mensch kämpft. Wer weiß, vielleicht entsteht auch ZETH (Zombies for the Ethical Treatment of Humans) und präsentiert Rezepte für zehn leckere Gerichte ohne Menschenhirn.
Aus emanzipatorischer Sicht muss ohnehin betont werden, dass die community der Zombies dem Spätkapitalistismus in vielerlei Hinsicht voraus ist. Es scheint sich um eine egalitäre Gesellschaft zu handeln, die Zombieforschung fand noch keine Hinweise auf Hierarchien. Kapital und Arbeit sind den Zombies ebenso unbekannt wie Armut und Krankheit. Ihre Jagdmethode beruht offenbar auf der freien Assoziation der Individuen. In Anlehnung an Adorno könnte man also sagen: “Es gibt eh kein richtiges Leben, da kann man sich auch gleich den Untoten anschließen.”
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