Jörn Schulz:Wirb oder stirb
11. September 2009, 18.32 Uhr:

Wirb oder stirb

von Jörn Schulz

Na also, der Wahlkampf der FDP kommt doch noch in Schwung, vermutlich sogar ohne Zutun von Westerwelle. Das „Internet-Manifest“ preist den Markt als Lösung im Streit um das Urheberrecht und das sogenannte geistige Eigentum. „Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren.“

Die klassische Terminologie des Wirtschaftsliberalismus: Gute Anpassung, böser Bestandsschutz, nicht zu vergessen der „Mut“, der Appell an die männliche Ehre fehlt nie, wenn man den Leuten nahelegt, sie sollen sich nicht so haben, wenn sie gefeuert werden und gefälligst auch noch ihre Restpersönlichkeit daraufhin überprüfen, ob sie mit den Marktgesetzen harmoniert.

„Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.“ Vielleicht so: Mercedes Bunz unterschreibt das Internet-Manifest, und weil sie für den britischen Guardian arbeitet, vermutlich mit Bestandsschutz, also einem festen Gehalt statt eines Anteils an den Online-Werbeeinnahmen, schreibt sie dort gleich etwas über das Manifest. Der Text ist nicht nur völlig unkritisch, er enthält auch keinen Beleg für die behauptete „mainstream media attention“. Doch nun, da es im Guardian stand, ist die „attention“ da. Ja, „Links lohnen“. „Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus.“ Soziale Vernetzung nennt man das heute, ich halte den guten alten Begriff der Vetternwirtschaft allerdings für passender.

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