von Jörn Schulz
Pirat ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Jeder kann behaupten, er sei Pirat. Ich aber, als Nachfahre des berühmten Gödeke Michels, der die Hamburger Pfeffersäcke vor Schreck erzittern ließ, sage euch: Piraten wollt ihr sein? Da lacht ja der Klabautermann. Süßwassermatrosen seid ihr!
Dass der Kurs nach Steuerbord geht, hat meine Kollegin Elke Wittich schon erläutert. Aber zum Glück sind die Süßwassermatrosen liebe, brave Jungs, die konstruktiv für den Standort arbeiten. „Den 11. Tag der offenen Tür der Bundesregierung am 22. und 23. August hatten Piraten genutzt, sich über die Struktur der einzelnen Ministerien zu informieren. Bei dieser Untersuchung ist aufgefallen, dass es bereits viele Referate in verschiedenen Ministerien gibt, in denen die Piratenpartei Kompetenzen vorweisen kann“, sodass einer Koalition mit wem auch immer nichts im Wege steht. Da war selbst Gerhard Schröder noch radikaler, als er im Suff am Gitter des Kanzleramts rüttelte und brüllte „Ich will da rein.“
Doch halt, etwas mehr Ehrgeiz haben die Süßwassermatrosen schon, wenigstens einer soll Maat werden. Deshalb „wurde der Entwurf von einem ‚Ministerium für die Wissens- und Informationsgesellschaft’ ins Piraten-Wiki gestellt“. Darf es vielleicht auch noch Handyministerium sein? Auch der Posten eines Staatssekretärs für Twitter-Angelegenheiten könnte noch vergeben werden. „Im Referat ‚Intelligente öffentliche Infrastruktur’ sollen stärker die Interessen der Gesellschaft bei der Versorgung berücksichtigen werden, ohne dass dabei bereits privatisierte Versorgungsnetze verstaatlicht werden.“ Wo kämen wir sonst auch hin, wir sind ja hier nicht bei der Stasi. Nebenbei bemerkt: Ich brauche eigentlich keine intelligenten Abwasserrohre.
Aber ich will ehrlich sein. Ich habe auch schon mal an sowas gedacht. Ein Ministerium fehlt nämlich wirklich: Das Weltraumministerium, geführt von einem Experten mit galaktischen Fähigkeiten und universaler Weisheit. Geführt also von mir.
Mein Programm besteht im Wesentlichen aus zwei Punkten. Zunächst werde ich die Erfindung des Antigravitationsgürtels anordnen, der alle Transportprobleme des Menschen löst. Besoffen in der Kneipe und kein Geld für das Taxi? Kein Problem, werden die Leute dann sagen, ich schwebe per Autopilot heim, es gibt ja den A-Gürtel, den wir unserem genialen Weltraumminister verdanken! Legen Sie noch einen Raumanzug an, dann können Sie mit dem A-Gürtel auch Reisen innerhalb unseres Sonnensystems unternehmen. Ich werde selbstverständlich dafür sorgen, dass es endlich auch Raumanzüge für Raucher gibt.
Sodann werde ich den Warp-Antrieb und das Beamen erfinden lassen. Zweifellos gibt es da draußen bessere Welten. War ein toller Urlaub auf NGX-3489, werden die Leute dann sagen, was für ein Glück, dass unser ansonsten unterbelichteter Planet wenigstens einen brillanten Weltraumminister hat. Die Aliens werden dann ganz von selbst mit uns Kontakt aufnehmen, weil sie hier nun endlich eine würdigen Gesprächspartner vorfinden, nämlich den unvergleichlichen…, nun, Sie wissen wohl, wen ich meine.
Internet war gestern, die Zukunft liegt da draußen, wo noch nie zuvor ein Süßwassermatrose gewesen ist. Da habt ihr Glück gehabt, dass ich diesmal noch nicht antrete. Das Direktmandat für das Sonnensystem wäre mir sicher gewesen.
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