von Jörn Schulz
Urheberrecht hin oder her, es ist schon eine gute Sache, dass Google unzählige Bücher ins Internet stellt. Hier kann man zum Beispiel mehr über Peter Sloterdijks „psychoaktive Brutzeit“ beim Bhagwan in Poona erfahren. „Dort fand Sloterdijk viel berührungswillige Weiblichkeit, und er war sehr angetan und bereit zu freiwilliger Mitarbeit.“ Der Guru (ich meine jetzt den Bhagwan) war ja nicht sehr wählerisch, was sein Jünger betrifft. Hauptsache, die Schecks waren gedeckt.
Ich frage mich, ob Bhagwan nach seinem Tod im Jahr 1990 womöglich in Sloterdijk reinkarniert ist. Die Gemeinsamkeiten sind jedenfalss verblüffend. Den Zustand völliger Gedankenlosigkeit, den Bhagwan anstrebte, hat Sloterdijk nun wohl erreicht. „Ein Rolls-Royce ist für spirituelles Wachstum das Beste“, soll Bhagwan gesagt haben. Eigentlich eine gute Zusammenfassung des mystischen Wirtschaftsliberalismus, den Sloterdijk propagiert. Der formuliert es so: „Alles spricht dafür, dass dasselbe Publikum auch auf extremen Reichtum wie auf Transzendenz antworten wird.“
Bhagwan sagte: „Ich bin der Guru der Reichen.“ Lässt sich Sloterdijks größter Wunsch trefflicher zusammenfassen? Die „Befreiung des Menschen vom Gewissen” ist noch so ein Ziel Bhagwans, das Sloterdijk sich offenbar zu eigen gemacht hat. Nur mit der „Auflösung des Ich“, da hapert es noch etwas bei Sloterdijk. Aber da war Bhagwan auch nicht anders. Eine Frage allerdings bleibt offen: Was ist aus dem Sex geworden, für den Poona so berühmt war?
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