Jörn Schulz:God, Guns and Goldman
2. Dezember 2009, 19.51 Uhr:

God, Guns and Goldman

von Jörn Schulz

Diverse Manager von Goldman Sachs haben offenbar in New York Waffenbesitzkarten beantragt. Beginnt die herrschende Klasse, sich zu bewaffnen? Und wenn ja, wozu eigentlich? Bislang kam es noch zu keinem einzigen Attentat oder Lynchmord. Es gibt nicht einmal bedeutendere militante Proteste.

Allerdings muss man berücksichtigen, dass Josef Ackermann ein Publikumsliebling ist im Vergleicht mit den Bankern von Goldman Sachs. „Fünf Gründe, warum wir Goldman Sachs hassen“ nennt etwa Cody Willard auf Market Watch, einer Webseite, die zum Verlag Dow Jones&Company gehört, der auch das Wall Street Journal herausgibt und nicht im Ruf steht, linke Umtriebe zu fördern. Auch die anderen Banker hassen Goldman Sachs, die Firma ist für das US-Finanzgewerbe, was Bayern München für die Bundesliga ist. Man will das arrogante Pack verlieren sehen und vermutet wohl nicht zu unrecht, dass die ganze Branche etwas besser dastünde, wenn die Leute von Goldman Sachs nicht immer übertreiben würden, sondern stattdessen einfach mal den Mund halten könnten. Dass der CEO Lloyd Blankfein der Times erzählte, er tue „Gottes Werk“, hat noch einmal alle Vorurteile bestätigt. Etwa später brachte Blankfein dann den Satz „Wir entschuldigen uns” über die Lippen. Die meisten Amerikaner hätte es weniger gewundert, wenn ein Ufo vor dem Weißen Haus gelandet wäre.

Ich vermute, hinter dem Griff zur Waffe verbirgt sich ungläubiges Erstaunen, gepaart mit Misstrauen. Ackermann, eine Frohnatur, denkt wohl so: „Wenn die Leute so bescheuert sind, uns das Geld hinterherzuwerfen, ohne eine Gegenleistung zu fordern, ziehen wir ihnen am besten gleich noch mehr aus der Tasche.“ Also fordert er einen staatlich finanzierten Fonds für künftige „Rettungspakete“. Die Leute von Goldman Sachs sind etwas misstrauischer. „Irgendwas kann da nicht stimmen“, denken sie sich. „So bescheuert können die Leute gar nicht sein, dass sie uns einfach weitermachen lassen. Bestimmt ist das nur die Ruhe vor dem Sturm. Womöglich lauert schon hinter der nächsten Ecke jemand, der mich erledigen will.“

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