Jörn Schulz:Der Stärkere im Sandkasten
30. Dezember 2009, 18.48 Uhr:

Der Stärkere im Sandkasten

von Jörn Schulz

„Das Wesen des Mannes ist der Krieger.“ Nein, der Satz stammt nicht von Hitler, auch nicht von Ussama bin Laden, und Conan der Barbar war’s auch nicht. Der Wagner, Franz Josef, der von Bild, der war’s. „Im Schoße seiner Familie verliert der Mann sein eigentliches Wesen“, weiß Wagner. Hinaus in die Welt muss er, nicht der Wagner, aber der Mann an sich, wo er sich messen kann mit anderen Männern. Denn „das Innerste eines Mannes ist, wer der Stärkere im Sandkasten ist.“ Also, Herr Wagner, kommen Sie mir nicht mit dem Schumacher, dessen Comeback Sie preisen. Nein, Afghanistan ist der Sandkasten für wahre Krieger, denn da leben echte Kerle, die noch wissen: „Windeln-Wechseln, Gutenachtlieder-Singen, von Hänsel und Gretel erzählen ist nicht das Wesen eines Mannes.“

Unser neuer Verteidigungsminister kann wenigstens ein Magazin wechseln. „Ich könnte wohl noch das alte G3-Gewehr zerlegen“, erzählt er der Bams. Lieber zerlegt er aber die Menschenrechte. Der Minister ist der Ansicht, dass „Afghanistan gerade wegen seiner Geschichte und seiner Prägung sich nicht als Vorzeige-Demokratie nach unseren Maßstäben eignet. Und wir müssen uns fragen, wer von den Aufständischen stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Staatengemeinschaft dar und wem geht es um afghanische Angelegenheiten. Die Frage der Menschenrechte muss dabei einbezogen werden, ohne die gewachsenen Kulturen in Afghanistan zu ignorieren.“

Soll er gefälligst seine Frau oder seine Tochter umbringen, der Afghane, und uns in Ruhe lassen, er muss nur aufpassen, dass eine Frau übrig bleibt, die die Windeln wechseln kann. „Wir müssen allerdings eine Vielzahl steinigen“, meint Guttenberg. Entschuldigung, mein Fehler, es muss heißen: „Wir müssen allerdings eine Vielzahl von, auch steinigen, Wegen beschreiten, um den momentanen Realitäten in Afghanistan gerecht zu werden. Warum? Weil wir in einem Land mit einer so großen regionalen Vielfalt nicht einen ganzen Volksstamm wie die Paschtunen außen vor lassen können“.

Zur Weiterbildung (die brauchen auch Krieger, lesen Sie das bei Sun Tzu nach), Herr von und zu, empfehle ich „My Cousin’s Enemy is My Friend: A Study of Pashtun ‚Tribes’“, eine Untersuchung des US-Militärs, die einige auch in der amerikanischen Politik gängige Klischees widerlegt und Sie nebenbei darüber aufklärt, was es mit den „Volksstämmen“ auf sich hat. Wenn Sie das gelesen haben, wissen Sie mehr als der Westerwelle, der kann die Studie ja nicht lesen, die diese arroganten Amerikaner natürlich wieder mal in englischer Sprache abgefasst haben.

Wenn Sie dem Westerwelle etwas voraus haben (Nein, Haargel genügt nicht), sind Sie vielleicht bald die Nummer 1 in Merkels Sandkasten. Dann kann Ihnen der Guido nicht mehr die Schaufel klauen und hinterher behaupten, es sei schon immer seine gewesen. Ein bisschen anstrengen müssen Sie sich allerdings schon, denn auch Westerwelle hat den Krieger in sich entdeckt. „Wenn die Afghanistan-Konferenz in London eine reine Truppenstellerkonferenz wird, fahre ich nicht hin.“ Ein Mann, ein Wort. Das „erhöht den Druck auf die Teilnehmer der Afghanistan-Konferenz in London“, weiß man beim Spiegel, denn eilig wird nun die Tagesordnung geändert, weil die diplomatische Welt erzittert angesichts der Aussicht, Westerwelle werde womöglich in Berlin bleiben.

Eines haben Sie dem Guido schon voraus, Herr von und zu. Der hat nämlich den zweiten Trend der Zeit verschlafen. Richtig, es geht um den Glauben. Bild fragt: “Militärbischof Mixa hat zum Gebet für die deutschen Soldaten am Hindukusch aufgerufen, deren Situation bedrückend sei. Beten Sie für die Männer und Frauen Im Einsatz?” Guttenberg: “Das tue ich nicht nur an Weihnachten. Für mich als gläubiger Christ ist das eine Selbstverständlichkeit.” Sie werden sehen, wenn Sie erstmal als Glaubenskrieger bekannt sind, wird es auch viel leichter, mit den Taliban ins Geschäft zu kommen.

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