von Stefan Ripplinger
Der Autor ist entmachtet, es gibt nur noch Texter. Der Autor war ein Gockel, der sich der Urheber seines Geschreibes wähnte und sich wie ein Demiurg gebärdete. Goethe! George! Grass! Wann ihm wo etwas wie eingefallen war, schien von hoher historischer Bedeutung, schien der Aufzeichnung wert. Der Autor signierte und diente der Signifikation. Der Texter hat nichts zu signieren, nichts mitzuteilen, er produziert anonyme Textwürste, die von eiligen Redakteuren und blinden Grafikerinnen zugeschnitten und in vorbereitete Formen eingepasst werden. Der Text ist nur mehr Beilage zum Bild, Füllung einer Kolumne, Erfüllung eines Formats*, unspezifisch, unsigniert, Dienst am Rauschen. Daraus ergibt sich, dass es keineswegs früher besser war, sondern jede Zeit auf ihre Weise die schlimmste ist.
* z.B. der “Wenderoman". Schreiben Sie einen Wenderoman, nicht unter 300, nicht über 350 Seiten à 2.500 Anschlägen! Dem hätte sich der Autor, allein schon aus Eitelkeit, nicht gefügt. Doch der Texter ist in diesem einen Punkt klüger: Er hält den “Roman” nicht wie der Autor für einen Ort der Freiheit und der Originalität, sondern bloß für eine bürgerliche Hohlform, die er genauso professionell auffüllt wie alle andern.
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Möglicherweise gibt es regelmäßige Leser dieses Blogs. Sie möchte ich darauf hinweisen, dass ich meinen Beitrag über Günter Peter Straschek, gewissermaßen nach den Quellen, noch einmal völlig überarbeitet habe.
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