Jörn Schulz:Die Zukunft liegt in der Zukunft
27. Januar 2010, 18.00 Uhr:

Die Zukunft liegt in der Zukunft

von Jörn Schulz

„Er kritisiert die Banker und dass sich ‚in Teilen der Finanzwelt eine Kasino-Mentalität breitgemacht’ habe. Und er gibt sich ‚schwer enttäuscht’ über das ‚Unvermögen der Staatengemeinschaft, auf der Klima-Konferenz in Kopenhagen ein eindeutiges Bekenntnis zu einem klaren gemeinsamen Handlungswillen abzugeben’. Spricht von einer Menschheit, die ‚von der Substanz’ lebt.“ Eine Ansprache zum zehnjährigen Jubiläum von attac? Nein, die Rede Peter Löschers, des Vorstandvorsitzenden von Siemens, bei der Hauptversammlung.

Es gilt ja die Regel: Je mehr Leichen ein Konzern im Keller hat, desto größer das Bemühen, sich ein grünes, soziales und fortschrittliches Image zu geben. Eine Leiche will Löscher aber wohl loswerden. „Ab der zweiten Jahreshälfte 2010 will der Münchener Technologiekonzern Siemens keine Neugeschäfte mehr im Iran annehmen.“

Das ist ein Erfolg der Kampagnen von Stop the Bomb und anderen Gruppen. Von der Länderliste der Siemens-Webseite wurde der Iran bereits gestrichen. Löscher sagte allerdings nicht, ob die Abkehr vom Iran-Geschäft auch für joint ventures wie Nokia Siemens Networks gilt. Überdies heißt es in den „Daten und Fakten für Aktionäre“ im Kleingedruckten: „Dieses Dokument enthält zukunftsgerichtete Aussagen und Informationen – also Aussagen über Vorgänge, die in der Zukunft, nicht in der Vergangenheit, liegen. Diese zukunftsgerichteten Aussagen sind erkennbar durch Formulierungen wie ‚erwarten’, ‚wollen’, ‚antizipieren’, ‚beabsichtigen’, ‚planen’, ‚glauben’, ‚anstreben’, ‚einschätzen’, ‚werden’ oder ähnliche Begriffe. (…) Eine Vielzahl von Faktoren, von denen zahlreiche außerhalb des Einflussbereichs von Siemens liegen, beeinflusst die Geschäftsaktivitäten, den Erfolg, die Geschäftsstrategie und die Ergebnisse von Siemens. Diese Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, Erfolge und Leistungen von Siemens wesentlich von den in den zukunftsgerichteten Aussagen ausdrücklich oder implizit enthaltenen Angaben zu Ergebnissen, Erfolgen oder Leistungen abweichen.“ Abgesehen davon, dass man bei Siemens offenbar die Aktionäre für ziemlich begriffsstutzig hält, bedeutet das: Man wird weiterhin aufpassen müssen. Geschäfte, die schlecht für das Image sind, können zum Beispiel auch über rechtlich unabhängige Tochterfirmen abgewickelt werden.

Kommentare

"Ab der zweiten Jahreshälfte 2010 will der Münchener Technologiekonzern Siemens keine Neugeschäfte mehr im Iran annehmen.“
WEIL ER, IE MAIN DE SIEMENSLE, EH KOAU UFFTRÄGE MEHR NICHT KRIEGEN TUE? WOEISS DAU JEMAND E BISS?

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