von Stefan Ripplinger
Seit 1982 höre ich keinen Pop mehr, aber noch jedes neue Album der Sparks. „This is the Renaissance / Came upon us all at once“ war der Ohrwurm vom letzten Jahr. Jetzt gibt es The Seduction of Ingmar Bergman, eine Produktion von Sveriges Radio; Hörspiel, Musical, Konzeptalbum, alles zusammen. Die Geschichte ist die bitter-komische des Exils, des Europäers in Hollywood, wo sich Brecht bekanntlich wie eine Chrysantheme im Bergwerk oder eine Wurst im Treibhaus vorkam.
Ingmar Bergman (Jonas Malmsjö), der die Beichte ablegt, dass es ihn eines trüben Nachmittags im Jahre 1956 unwiderstehlich in ein Bahnhofskino zog und er dort ein besonders übles Beispiel der eskapistischen Kunst, einen amerikanischen Actionfilm, angeschaut hat („en kall eftermiddag i maj i Stockholm 1956 kände jag mig tvingad att ga in pa en bio för att beskada eskapistkonst av varsta sort, en typisk amerikansk actionfilm“) und vor Ekel und Selbsthass fast den Verstand verlor, „varför?“, findet sich plötzlich in Hollywood wieder, in einer von Ron Mael gesteuerten Limousine, die ihn ins Studio befördert.
Der Chauffeur erlaubt sich bereits ein erstes, Misstrauen erregendes Kompliment („I love your films, they have a foreign flair“). Ganze Schleimkübel von Komplimenten schüttet der Studioleiter (Russell Mael) über den armen Meister aus, aber deutet auch schon an, dass es kein Spaß sein wird, Filme zum Spaß zu machen. „Mr. Bergman, we’re not hicks / Herr Bergman, vi är inga bönder / But we must deliver kicks / Men vi maste skapa underhällning“.
Das Unglück nimmt also seinen Lauf. Bergman, der das Geld vor sich sieht, das er immer gebraucht hat, ganze Batzen davon, versucht verzweifelt, irgendwas zu drehen, ein Starlet (Rebecca Sjöwall) herrscht den mit ihr unzufriedenen Regisseur an, „Why should I have to share / A crisis that you feel inside / An anger that’s an ocean wide“, Autogrammjäger, darunter Woody Allen, „Would you sign my T-shirt, please? / Make it out to Woody, Ingmar, please“, überfallen ihn, nach all den „identitetskriser“, die er in seinen Filmen geschildert hat, ergreift ihn nun wirklich eine, er nimmt Reißaus, wird von Helikoptern verfolgt, erbittet sich einen Engel, ausgerechnet Gott schickt ihm ausgerechnet Greta Garbo (Elin Klinga), die ihn dazu überreden will, mit ihr die Gösta Berlings saga anzuschauen, den Film, der sie zum Star gemacht hat.
Endlich kehrt Bergman zurück, Tausende Schweden vergießen Tränen vor Glück („They mispronounced his name / But here at home he’s he“).
Das Ganze umspült von Plastik-Tschaikowsky, Märschen und Schlagern aus der Dose und Retorten-Chören. Eine köstliche Platte, nur schade, dass sie zu spät für Hermann Bohlens Feature „Hörspiele und andere Geräusche in der Popmusik“ (1997) kommt.
Mit Dank an Fa. Google für die Übersetzung aus dem Schwedischen.
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