Jörn Schulz:Ain't nobody white can sing the blues
5. April 2010, 19.17 Uhr:

Ain't nobody white can sing the blues

von Jörn Schulz

“An einige Schrecknisse aus einem Jahr Obama sei erinnert, die wie Verschwörungen gegen Amerika anmuten.“ Nein, das kommt nicht aus Alaska von Sarah Palin, sondern von den Bahamas. Um was für Schrecknisse handelt es sich? Im Weißen Haus „stand neben auch weißen Jazz-Musikstudenten und einem kubanischen Klarinettisten der schwarze Trompeter Wynton Marsalis und seine Familie. Solchermaßen wurde von der ganz schwarzen Frau eines ziemlich schwarzen Präsidenten verraten, wofür Condoleezza Rice, gerade weil sie einer schwarzen Familie entstammt, stets vorbildlich eingetreten ist: Weil der Jazz und manche andere Formen der amerikanischen Unterhaltungsmusik mit schwarzen Musikern ganz oder weitgehend identifiziert werden, verbietet es sich – wenn man selber schwarzer Hautfarbe ist, einer Nation, die zurecht darauf stolz ist, aus einer Vielzahl von Nationen und Ethnien hervorgegangen zu sein, um diese miteinander zu einer neuen und besseren zu verschmelzen – als First Lady die Musik der eigenen Rasse aufspielen zu lassen.“

Dieser Vorwurf entbehrt nicht einer gewissen Originalität, da muss man ja erstmal drauf kommen. Doch wüsste man gern, welche Musik angemessen gewesen wäre. Es ist ja gar nicht so einfach, fremdrassige und politisch korrekte Musikstile zu finden. Blues geht nicht, Rock auch nicht, Soul, Funk und HipHop sowieso schon mal gar nicht, das ist ja alles „Negermusik“. Seit die Dixie Chicks sich gegen George W. Bush gewandt haben, wäre es eine Sabotage am „war on terror“, Country darzubieten. Das gilt natürlich erst recht für arabische oder persische Musik. An afrikanische Klänge wollen wir gar nicht erst denken. Aber vielleicht meldet sich ja der Bahamas-Chor im Weißen Haus an und singt ein schönes deutsches Volkslied für Michelle Obama, am besten „Zehn kleine Negerlein“.

Kommentare

Adorno und seine heutigen Adepten mögen halt keinen Jazz ;-(

Sie unterschlagen die Antwort, die die Redaktion selbst gibt:
"Condoleezza Rice dagegen, die eine hervorragende Pianistin ist, trat, auch als sie schon im Amt war, im kleinen Kreis öffentlich auf. Ein Bild zeigt sie mit einem Weißen und einem Mann mutmaßlich ostasiatischer Herkunft beim Vortrag eines Schubert-Trios."
Mitnichten also "Zehn kleine Negerlein".

Ein Jazz-Konzert im Weißen Haus als Echo zu bewerten, das der neue Präsident einer Anhängerschar gibt, der in großen Teilen seine Hautfarbe mindestens ebenso wichtig war wie seine politische Agenda, ist nicht so abwegig, wie Sie glauben machen wollen.

Kommentieren

Sie müssen angemeldet sein, um Blogbeiträge kommentieren zu können. Falls Sie noch kein Passwort für jungle-world.com haben, müssen Sie sich zuerst registrieren, bevor Sie sich anmelden können.

Werden Sie ein Fan!

Jungle World
auf Facebook

Sie müssen sich nicht für Facebook registrieren, um unsere Seite zu betrachten. Na gut, dann …

Folgen Sie uns!

Jungle World
auf Twitter

Was die anderen sagen:
Tweets über die »Jungle World«

AlexanderNabert: Ich wünsche mir übersichtlichere Webseiten für @tazgezwitscher und @jungle_world.

guntherschenk: [1/2] @Volker_Beck schreibt ab von @KonstantinNotz schreibt ab von @sebibrux schreibt ab von @Jungle_World schreibt ab von @FNA_Iran ...

microweblog: RT @Jungle_World: Wie der Widerwille gegen die Psychoanalyse das… Uli Krug: Ein Plädoyer für die Psychoanalyse http://t.co/IVSOPweV

DiscoverNatalha: .@sebibrux Fars News Agency ist NICHT die staatliche Nachrichtenagentur Irans. cc @jungle_world bitte fakten checken

MrJohnNada: fick dich @titanic hetzt gegen G.Grass weil die einzig übriggebliebenen Werbekunden #antideutschewichser wie @Jungle_World und konkret sind