von Jörn Schulz
Wenn es einen Gott gäbe und dieser tatsächlich der katholischen Lehre folgen würde, hätte er große Probleme, Bischof Walter Mixa den passenden Höllenkreis zuzuweisen. In die engere Auswahl kämen nämlich mehrere Todsünden. Zunächst natürlich der Hochmut. „Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig“, sagte Mixa zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Geistliche. Jesus sagte: „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“
Mit der gleichen Überheblichkeit reagierte Mixa auf den Vorwurf, er habe Kinder geprügelt. „Ich habe ein reines Herz“, behauptete er, was angesichts der Sündhaftigkeit eines jeden Menschen ohnehin hochmütig ist. Nun beichtete er der Bams, dass er „die eine oder andere Watschen von vor zwanzig oder dreißig Jahren natürlich nicht ausschließen kann“. Damit wären wir beim Zorn, wenn wir so wohlwollend sind, zu unterstellen, Mixa habe keine sadistischen Motive (Wollust) gehabt. Mixa behauptet auch: „Das war damals vollkommen normal und alle Lehrer und Schüler dieser Generation wissen das auch.“ In den zivilisierteren Gebieten der BRD gab es seit Anfang der siebziger Jahre keine Prügelstrafen mehr, „normal“ war so etwas allenfalls in der archaischen Welt katholischer Einrichtungen.
Aber das nur nebenbei, entscheidend ist hier, dass Mixa einmal mehr die Trägheit seines Herzens offenbart. Normal war es ja auch, dass im Römischen Reich Unruhestifter gekreuzigt wurden. Ein guter Christ fragt daher nicht, was normal ist, sondern was richtig und was falsch ist. „Falls es zu Ohrfeigen gekommen sein sollte, bedauere ich das heute aufrichtig“, sagt Mixa. So hat sich vielleicht auch Pontius Pilatus gerechtfertigt, als er vor Tiberius erscheinen musste: „Falls es zu überflüssigen Kreuzigungen gekommen sein sollte, bedauere ich das heute aufrichtig. Aber das war damals vollkommen normal, und alle Legionäre und Pharisäer dieser Generation wissen das auch.“
Entweder bedient Mixa sich jener aus der Politik bekannten zeitweiligen Erinnerungslücken, die seltsamerweise immer die peinlichen Momente betreffen, oder die Kindesmisshandlung ist für ihn eine so banale Kleinigkeit, dass er wirklich nicht mehr weiß, wen er alles geschlagen hat. Auch das hat Jesus bereits kommentiert: „Von außen scheint ihr den Menschen fromm, aber inwendig seid ihr voller Heuchelei und Untugend.“ Übrigens ist schon Dante bei seinem Rundgang durch die Hölle auf zahlreiche Geistliche gestoßen.
Ein Nachtrag: Nach neueren Erkenntnissen kommt auch die Habgier in Betracht. Mixa soll allerlei kostspielige “liturgische Gegenstände” mit dem Geld der Waisenhausstiftung bezahlt haben und gestand nun, dass es zu “finanztechnisch unklaren Zuordnungen” gekommen sei. Dieses Verhalten hat Jeremiah trefflich kommentiert: “Daher werden sie gewaltig und reich, fett und glatt. Sie gehen mit bösen Stücken um; sie halten kein Recht, der Waisen Sache fördern sie nicht, dass auch sie Glück hätten, und helfen den Armen nicht zum Recht.”
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