von Jörn Schulz
Wir sollten uns lieber nicht um den Kontakt mit Aliens bemühen, meint Stephen Hawking, weil es uns sonst so ergehen könnte wie den Leuten, an deren Strand einstmals eine Horde halb verhungerter Spanier angespült wurde. Es ist erfreulich, dass Hawking interstellare Reisen nun offenbar für möglich hält. Ich habe selbst schon darauf hingewiesen, dass man nicht genau wissen kann, ob Aliens nette Leute sind, aber auch darauf, dass die Debatte über Außerirdische eher irdische Befindlichkeiten wiedergibt. Schließlich haben wir ja keine Ahnung, was da draußen los ist. Nun ist mal wieder Krise, die Erdlinge gehen aufeinander los, einer gönnt dem anderen nicht den Dreck unter den Fingernägeln, und schon heißt es: Die Aliens wollen unser – ja, was eigentlich?
Das ist nämlich der Haken. Die Konquistadoren wussten, was sie wollten: Gold, Gold, Gold und außerdem noch Gold. Aber reist man wirklich zwischen den Sternen, um Fort Knox zu knacken? Und selbst wenn, sollen sie das Zeug doch mitnehmen. Vielleicht kaufen sie uns bei der Gelegenheit ja ein paar Finanzderivate ab. Aber seien wir einmal ehrlich: Dieser heruntergekommene Planet hat kaum etwas zu bieten. Wie auch immer die Aliens hierher kommen, einen Dieselantrieb haben sie gewiss nicht. Unser Öl können wir also behalten.
Wie üblich gibt die Science Fiction die interesantesten Antworten. Die Suche nach exotischen Leckereien könnte tatsächlich ein Grund sein, die weite Reise zu unternehmen. Es wäre Pech, wenn wir die begehrte Leckerei sind. Aber vermutlich gäben sich die Aliens mit einer Hähnchenkeule und ein paar Burgern zufrieden. Originell ist auch die Lösung bei „Predator“ (der zweite Teil mit Danny Glover ist übrigens viel besser als der erste mit Arnie), die Aliens kommen zur Großwildjagd. Das Großwild sind Menschen, aber die Predators sind Sportsmänner (ich vermute mal, es sind Männer, die Gender-Frage ist allerdings nicht wirklich geklärt), sie jagen nur Bewaffnete. Friedliche Zeitgenossen wie Sie und ich haben also nichts zu befürchten. Nebenbei bemerkt, falls das hier jemand aus Hollywood liest: wäre doch eine gute Idee, einen Predator gegen die Taliban antreten zu lassen („Predator III – Hunting in Kandahar“). Ich hoffe, das war jetzt nicht zu islamophob.
Aber zurück zum Thema. Bei aller Liebe zu “Stargate” (der Serie natürlich, der Film taugt nichts), wir werden gewiss nicht als Sklaven der Goa’uld enden. Die Lohnarbeit ist der Sklaverei überlegen, das weiß sogar Guido Westerwelle, und soviel Verstand wie dem können wir einem Alien schon zutrauen. Wenn wir für sie arbeiten sollen, werden sie uns auch bezahlen, und für die meisten von uns dürfte selbst der intergalaktische Mindestlohn eine Verbesserung bedeuten. Wenn sie uns als Gastarbeiter mitnähmen, bekäme die Formel vom “Aufstieg” endlich mal eine konkrete Bedeutung.
Sehr gelungen finde ich die Variante von Deep Space Nine, wo die ersten Besucher aus dem Delta-Quadranten sagen: „Wir haben gehört, Sie haben hier Spiele.“ Die Aliens reisen 70000 Lichtjahre, um im „Quark’s“ zu zocken. Ich glaube, diese Version kommt der Wahrheit am nächsten. Es geht den Aliens nicht um neue Erkenntnisse, und falls doch, werden sie ziemlich enttäuscht sein, wenn sie hier landen. Aber die ewige Suche des Aliens nach Entertainment könnte ein Grund sein, hier mal vorbeizuschauen. Deshalb rate ich auch den Leuten, die irgendetwas in den Weltraum hinaussenden: Versucht gar nicht erst, den fälschlichen Eindruck zu erwecken, dieser Planet werde von verständigen Lebewesen bewohnt. Sendet lieber: “Wir haben hier Spiele! Schrille Filme! Coole Musik!” Dann klappt’s vielleicht irgendwann mit den kosmischen Nachbarn.
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