von Jörn Schulz
Über Denkverbote beklagen sich immer Leute, denen man das Denken wahrlich nicht erst verbieten muss. Nun hat der Soziologieprofessor Walter Hollstein für Welt online wieder mal so ein „gefährliches Denkverbot“ entdeckt. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat nämlich die Studie „Geschlechterkampf von rechts“ von Thomas Gesterkamp veröffentlicht. „Besieht man sich genauer, was Gesterkamp da alles in einen angeblich braunen Sumpf wirft, sind das Autoren, Wissenschaftler und Institutionen, die Vorbehalte gegen den Feminismus geäußert haben. Das aber ist weder ein Sakrileg noch ein Angriff auf das Grundgesetz.“ Jemanden als „rechts“ zu bezeichnen, ist allerdings auch weder ein Sakrileg noch ein Angriff auf das Grundgesetz.
Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Dreistigkeit Leute wie Hollstein Behauptungen in die Welt setzen, deren Unrichtigkeit ein jeder Mensch mit Internetzugang binnen zwei Minuten feststellen kann. Denn Gesterkamp wirft keineswegs alles in einen „braunen Sumpf“, er betont vielmehr: „Eine ‚Entlarvung’ männerrechtlicher Akteure nach dem Muster der früher üblichen, viel zu schematischen Rechtsextremismusforschung (‚Guilt by association’) führt zu Trugschlüssen. Nicht jeder, der zu einem Rechtsextremen Kontakt hält oder in einer rechtslastigen Zeitschrift publiziert, ist automatisch selber rechtsextrem.“ Doch Männertümler wie ihn – sein Name taucht im Quellenverzeichnis auf- „mit dem perfiden Etikett ‚rechts; zu versehen“, betrachtet Hollstein als „öffentlichen Aufruf zu einem Denkverbot“.
Perfides Etikett? Warum wollen die Rechten nicht mehr rechts sein? Es liegt nicht daran, dass ihnen der Unfug peinlich ist, den sie vertreten, was man ja verstehen könnte. Vielmehr soll auf diese Weise jede Kritik entlegitimiert werden. Denn außer ihnen gibt es ja nur noch linksextreme Inquisitoren der political correctness, die Denkverbote verhängen. Aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben, vielleicht hat der Professor nur etwas falsch verstanden. Deshalb, Herr Hollstein, möchte ich Sie an dieser Stelle öffentlich auffordern: Denken Sie! Man kann auch in fortgeschrittenem Alter damit anfangen. Versuchen Sie es wenigstens einmal!
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