von Jörn Schulz
Die Kunst der stilvollen Beleidigung wird hierzulande kaum noch gepflegt. Zum Glück gibt es die bayerische Bischofskonferenz. Deren Sprecher Bernhard Kellner wünschte Walter Mixa „weiter gute Genesung“ und sagte, des ehemaligen Bischofs „Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein wichtiger erster Schritt“.
Mixa sieht das allerdings anders, er möchte wieder Bischof werden und attackiert in der Welt seine Kollegen. Denen habe es nicht gepasst, „dass ich kirchenpolitisch versucht habe, in einer kultiviert-konservativen Weise die Diözese zu leiten“. Bei dieser Gelegenheit offenbart Mixa auch, dass es um seine theologischen Kenntnisse nicht gut bestellt ist. „Der Druck, unter dem ich die vorgefertigte Resignation unterschrieben habe, war wie ein Fegefeuer.“ Man sollte meinen, als guter Christ sei Mixa dankbar für diese Prüfung. Schließlich dient das Fegefeuer der Läuterung und der Reinigung von den Sünden. Eine solche Prüfung schon auf Erden zu absolvieren, verkürzt die Garzeit im Jenseits, insbesondere, wenn man unschuldig leidet.
Im Laufe des Interviews kommt Mixa noch einmal auf das Feuer zu sprechen: „Es war für mich wie ein Feuerofen.“ Möglicherweise bezieht Mixa sich hier auf die im Buch Daniel geschilderte Intrige am Hof Nebukadnezars. Die Juden Sadrach, Mesach und Abed-Nego wurden verpetzt, weil sie sich nicht vor dem goldenen Abbild des Königs niederwerfen wollten. Nebukadnezar ließ sie in einen glühenden Ofen werfen und grantelte: „Lasst sehen, wer der Gott sei, der euch aus meiner Hand erretten werde!“ Alle drei kamen unbeschadet wieder heraus, und der gebührend beeindruckte Nebukadnezar „gab Sadrach, Mesach und Abed-Nego große Gewalt in der Landschaft Babel.“ Offenbar steht Mixa in geringere Gunst, ansonsten müsste er nach seiner schauerlichen Prüfung jetzt mindestens Kardinal sein.
Vielleicht hatte Mixa aber auch das Evangelium des Matthäus im Sinn: „Des Menschen Sohn wird seine Engel senden; und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die da unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappen.“ Engel wurden in der Umgebung Mixas allerdings nicht gesichtet.
Wie auch immer man das Gleichnis vom Feuerofen interpretiert, entweder sollte Mixa erkennen, dass Gott ihm nicht wohlgesonnen ist und fortan in christlicher Demut schweigen, oder er hat in seinem Unterbewusstsein, vielleicht auch mit Hilfe seines Psychiaters, doch erkannt, dass er zu jenen gehört, die da unrecht tun auf Erden und Gott ein Gräuel sind. Dann gilt für ihn die Mahnung des Petrus: “Tue Buße für diese deine Bosheit und bitte Gott, ob dir vergeben werden möchte die Tücke deines Herzens.”
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