von Jörn Schulz
In Berlin wird bald die K-Frage gestellt. Wird Renate Künast Bürgermeisterin werden? Es ist noch nicht ganz klar, ob sie will, aber allein die Drohung sollte für alle freiheitsliebenden Berliner Grund genug sein, deutlich zu sagen: Künast darf nicht Bürgermeisterin werden! Ich schlage daher vor, den Club ABK (Anyone but Künast) zu gründen.
Berlin braucht einen Bürgermeister wie Wowi, einen lebensfrohen Menschen, der die Niederungen der Politik meidet. Zwei- oder dreimal pro Jahr äußert sich Wowereit zu konkreten politischen Fragen. Dann redet er meistens Unsinn, aber ansonsten lässt er die Berliner in Ruhe. Mehr kann man von einem Bürgermeister nicht verlangen.
Renate Künast hingegen wird versuchen, diese Stadt zu regieren. Unter Wowi wird die Durchsetzung des Rauchverbots eher lustlos betrieben. Künast wird das ändern, und sie wird Wowis kluge Entscheidung, das Rauchverbot nicht zu verschärfen,
sicherlich widerrufen. Sie wird den Vorschlag ihrer Parteikollegin Claudia Hämmerling aufgreifen und Hartz-IV-Empfänger Hundekot sammeln lassen, um eine Biogasanlage zu betreiben. Ein Ausschuss für die Verbreitung der Tugend und die Verhinderung des Lasters wird dann die Berliner zu einem gesunden Lebenswandel anhalten: Sanddornsaft statt Sekt, Frühsport statt Faulenzen. Döner-Steuer, Kampagnen gegen den nächtlichen Lärm, Verbot des Bierverkaufs nach 22 Uhr – wir sollten Renate Künasts Phantasie und Tatkraft nicht unterschätzen!
Wird sie Bürgermeisterin, ist der Standort Berlin in Gefahr. Denn kommen die Leute etwa hierher, um sich die vielen schönen Bio-Märkte anzusehen? Nein, sie kommen, weil in Berlin jeder Tag ein Chaos-Tag ist, weil man hier nach einer ausgedehnten Zechtour auch am frühen Morgen noch ein frisch gegrilltes Hähnchen (OK, frisch ist es nicht immer) bekommt, weil Berlin den morbiden Charme des Verfalls ausstrahlt und die Indigenen dennoch ständig Party machen, und weil die Stadt so billig ist wie andere Metropolen der Dritten Welt, aber weniger gefährlich. Niemand wird einen gepflegten Künastschen Kleingarten besuchen wollen.
Sollte der ABK-Club versagen, gibt es nur eine Lösung. „Das internationale Recht kennt kein Verbot von Unabhängigkeitserklärungen“, hat der Internationale Gerichtshof jüngst festgestellt. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen, doch wird den freiheitsliebenden Bezirken nichts anderes übrig bleiben als eine antikünastschen Schutzwall zu errichten.
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