von Stefan Ripplinger
Sonntagmorgen, ich wärme mir die Pfannkuchen auf, im Deutschlandfunk ein besonders lässiger Reaktionär, parlando, leicht bayrisch im Ton, aber preußisch im Gemüt, früher haben die Deutschen sich gegenseitig selbst erzogen, die Schule der Nation ist die Schule, abgesehen von der Schule der Armee, wo ist das pädagogische Bemühen, noch die 68er haben sich ja strebend bemüht, in den USA wird vorm Unterricht die Nationalhymne abgesungen, da gibt es dann keine Italo- oder Spanischamerikaner mehr, nur mehr Amerikaner, so soll es in Deutschland sein, nur mehr Deutsche, kein Heckmeck, und wenn die Migrantenkinder in der Literatur vorkommen wollen, sollen sie sich halt einen Roman schreiben, wir mussten ja auch erst auf Tellkamp warten, usw. usw.
Wer sind wir und wenn ja, warum? Ein Interview über die nationale Identität der Deutschen mit dem Kulturmanager Christoph Stölzl
Ah, Stölzl, denke ich, redet, als ob er einen Schnäuzer trüge. Aber er trägt gar keinen. Es ist so eine Art Schnäuzer-Parlando. Der Oberschnäuzer dann wieder ab 11 im Programm, viel Spaß, den habe ich schon letzte Woche im Spiegel gelesen. Bei einem seiner hugenottischen Dreisätze brach ich die Lektüre ab: 1. In den USA gibt es keine Geschenke, da sind die Migranten lustig. 2. In Deutschland gibt es Geschenke, da sind die Migranten verdrossen. 3. Es darf keine Geschenke mehr geben.
Und werden die Migranten dann lustig? Nein, aber dann gibt es keine Geschenke mehr.
Und warum soll es keine Geschenke geben? Ja, das ist eben unsere Leitkultur, es gibt keine Geschenke, keine Großzügigkeit, wir leben karg, denken karg, geben nichts, nicht einmal uns selbst etwas, und Kultur ist im Wesentlichen die Abwehr des Zivilisierten, der Gastfreundschaft, des Interesses am Andern und des Geschmacks am Neuen. Alles welsches Zeug! Da darf nichts einreißen, dann wird wieder kalt geduscht, die Armen leben von trockenem Brot und altem Magerquark, alle arbeiten hart und erziehen sich gegenseitig. So wie es früher einmal war, als man noch nicht den Schimmer einer Ahnung von Pfannkuchen mit Ahornsirup hatte.
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