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Archiv für: November 2008
27. November 2008, 20.13 Uhr:

Abseitig

von Maik Söhler

Drüben bei Facebook gibt es eine Gruppe namens “Stecken wir alle Ossis ins Saarland und schenken es Frankreich”.

Bewegende Online-Literatur gibt es hier. Ab Seite 9 tut sich etwas mehr. Man liest dann aber nicht mehr, schaut nur noch.

25. November 2008, 09.44 Uhr:

Spirale

von Stefan Ripplinger

„Verbunden mit den messianologischen Erwartungen an Obama und den täglichen Katastrophenmeldungen aus der Wirtschaft, entsteht hier, im späten Herbst des Jahres 2008, ein giftiges Gebräu, dass das Jahr 2009 unterhöhlt, ehe es überhaupt begonnen hat.“

Frank Schirrmacher heute. Oder gestern? Morgen? Messianologisch. Die Erwartungen von Messianologen. Eine mit Meldungen und Erwartungen verbundene Entstehung von Gebräu. Entstehung von Gebräu im Herbst. Im späten Herbst. Das giftige Gebräu in der Höhle unter dem kommenden Jahr. Die Unterhöhlung der Grammatik infolge einer konsequenten Verwechslung von Konjunktion und Relativpronomen. Bohrende Spirale. Karl Heinz Bohrer. Spiegelbild der Spirale. Was einen wirklich besorgt, ist nicht das „erodierende Weltbild“, das hoffentlich bald verrottet ist, sondern das erodierte Sprachbild, und dass nicht einmal mehr die FAZ sich einen Korrektor leisten will.

„Wenn es stimmt, dass die Krise sich wie eine Spirale immer tiefer in die Fundamente bohrt, dann ist dies ihr rhetorisches Spiegelbild.“

22. November 2008, 21.38 Uhr:

Blockflötenkonzert - concitato

von Ivo Bozic

Am 18. April schrieb ich zum neuen sächsischen MP hier im Gesternblog:

… Stanislaw Tillich, dem die FTD in einem Portrait attestiert: „1987 schloss sich Tillich der Christlich Demokratischen Union (CDU) an, einer der vier Blockparteien im sozialistischen Regime, die weitgehend den Vorgaben der SED folgten, ohne wirklichen Einfluss zu besitzen. Tillich betätigte sich aktiv erst mit Beginn der politischen Wende in der DDR.“
Da sind wir aber beruhigt, dass er völlig unpolitisch war, als er in der Bockpartei Mitglied wurde, und dass diese Blockpartei keinen „wirklichen Einfluss“ besaß. Derart von jeder Vergangenheit befreit, freuen sich nun also alle über den neuen CDU-Shootingstar…

Jetzt ist auch anderen aufgefallen, dass es merkwürdig, nein, sagen wir ruhig: komisch ist, wenn CDUler gegen die „SED-Nachfolger“ hetzen, wenn die CDU, bei der sie sind, jene aus dem Osten ist… Ich denke mal, das kann noch ein ganz lustiger Diskurs werden…

22. November 2008, 18.51 Uhr:

Nur die Liebe zählt

von Stefan Ripplinger

Beim Spazierengehen kamen wir an dem Haus vorbei, auf dessen Front viele Jahre lang das Graffito „Nur die Liebe zählt“ zu lesen war. Und jedesmal, wenn ich es sah, fragte ich mich, ob seinem anonymen Autor der Doppelsinn (valet/computat) von „zählt“ bewusst gewesen ist.

Nun stellten wir fest, dass der Hausbesitzer die Fassade hat tünchen lassen, der Satz ist verschwunden. Ich schaute mir das Foto an, das ich im letzten Jahr von dem Haus gemacht habe, und mir fiel auf, dass der Autor vielleicht gar nicht anonym ist, denn er hat ja mit „rcb“ gezeichnet.

Aber für wen steht das? Ist der Spruch ein Zitat? Vielleicht ist das Kürzel auch ein Akronym oder meint eine Organisation. Wikipedia schreibt, RCB könne bedeuten:

„Racing Club Bobo-Dioulasso, ein Sportverein in Westafrika
Raiffeisen Centrobank, ein Spezialunternehmen der Raiffeisen Zentralbank
Rail Cargo Berlin, eine ehemalige Bahngesellschaft, jetzt Regiobahn Bitterfeld Berlin
RCB Fahrzeug GmbH, der deutscher Hersteller des Roadsters RCB Seventy Seven
Registered Certification Body, siehe ISO 20000
Representative Church Body, ein Teil der Organisation der Church of Ireland
Republik Kongo als Kfz-Nationalitätszeichen
Richards Bay, IATA-Code des südafrikanischen Flughafens“

Ich schwanke also vorerst zwischen der Raiffeisenbank und der Church of Ireland.

22. November 2008, 13.14 Uhr:

Hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein Mann

von Lieselotte Kreuz

Nachtrag zu den beiden politischen Großereignissen des ablaufenden Jahres, dem Präsidentschaftswahlkampf in den USA und der kaum weniger spannenden Veganismus-Debatte in der Jungle:

I’m always in charge of the turkey.

20. November 2008, 16.18 Uhr:

Die Sachsen

von Ivo Bozic

Fragen Sie sich auch, wie es passieren konnte, dass die Sachsen so gut beim Pizza-Test abgeschnitten haben? Hier können Sie gucken, wo Sie selber stehen!

17. November 2008, 21.16 Uhr:

Fraktur

von Stefan Ripplinger

Die beiden intellektuellen Urtypen sind der Säusler und der Polterer. Schwer zu sagen, wer von beiden unangenehmer ist. Der eine verliert sich in süßlichem Gefasel, der andere löst selbst delikateste Probleme wie Alexander den Knoten. Der eine findet kein Ende, dem andern ist jede Abkürzung recht. Der eine lässt sich nicht festlegen, der andere legt gleich auch alle andern fest. Selbstverständlich hassen sie einander wie die Pest, aber ihr Streit ist ganz uninteressant.

Das ging mir auf, als ich die „Politische Romantik“ von Carl Schmitt las. Ein amüsantes Buch, das aber doch nur einen einzigen Gedanken enthält: Die Romantiker seien ein säuselndes, saumseliges, unzuverlässiges Pack. Schmitts Buch wiederholt im Grunde nur das Ressentiment, das Hegel gegen Hamann und dessen „lungernde, bestimmungs- und arbeitsscheue Lebensart“ hegt. Das ist, zumindest was die Bestimmungsscheu anlangt, ganz ungerecht. Denn Hamann ist überaus bestimmt, geradezu das Muster eines ganz und gar Festgelegten, er mag viele Wörter kennen, aber es geht ihm doch immer nur um das Eine Wort, und das ist das Luthers; seltener Fall eines Polterers, der in allen Zungen säuselt.

Mit Schmitt ging es mir wie mit dem alten Krauter, den man ganz komisch finden kann, wenn er einen Abend lang seine Sprüche klopft. Aber wenn er sie dann am nächsten Abend schon wieder bringt, wird es trostlos. Leicht zu begreifen, warum einer sich gelegentlich von Bernhard oder Brinkmann, Hacks oder Henscheid, Schmidt oder Schmitt unterhalten lässt (ich tu’s nicht), aber ganz unbegreiflich, dass manche mit ihnen ihr Leben zubringen wollen. Da heißt es, bei diesen werde nicht gesäuselt und gefackelt, sondern kurzer Prozess gemacht. Ja, das sehe ich auch. Aber weshalb sollen denn die Prozesse so kurz sein? Dieses Denken hasst nichts mehr als zu denken. Und darin sind sich übrigens Säusler und Polterer ganz einig, sie mogeln sich beide ums Denken herum. Der „spröde Geschmack an der Verfeinerung, am Paradox, an der Aporie“, von dem Derrida in seinem letzten Interview sprach, ist ihnen fremd. Der eine vernebelt das Schwierige und Anstößige, der andere haut es platt.

Seiten:12

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