Abo-Banner
Freitag-Banner
Archiv für: September 2009
24. September 2009, 19.53 Uhr:

Sie wollen rein, ich will raus

von Jörn Schulz

Pirat ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Jeder kann behaupten, er sei Pirat. Ich aber, als Nachfahre des berühmten Gödeke Michels, der die Hamburger Pfeffersäcke vor Schreck erzittern ließ, sage euch: Piraten wollt ihr sein? Da lacht ja der Klabautermann. Süßwassermatrosen seid ihr!

Dass der Kurs nach Steuerbord geht, hat meine Kollegin Elke Wittich schon erläutert. Aber zum Glück sind die Süßwassermatrosen liebe, brave Jungs, die konstruktiv für den Standort arbeiten. „Den 11. Tag der offenen Tür der Bundesregierung am 22. und 23. August hatten Piraten genutzt, sich über die Struktur der einzelnen Ministerien zu informieren. Bei dieser Untersuchung ist aufgefallen, dass es bereits viele Referate in verschiedenen Ministerien gibt, in denen die Piratenpartei Kompetenzen vorweisen kann“, sodass einer Koalition mit wem auch immer nichts im Wege steht. Da war selbst Gerhard Schröder noch radikaler, als er im Suff am Gitter des Kanzleramts rüttelte und brüllte „Ich will da rein.“

Doch halt, etwas mehr Ehrgeiz haben die Süßwassermatrosen schon, wenigstens einer soll Maat werden. Deshalb „wurde der Entwurf von einem ‚Ministerium für die Wissens- und Informationsgesellschaft’ ins Piraten-Wiki gestellt“. Darf es vielleicht auch noch Handyministerium sein? Auch der Posten eines Staatssekretärs für Twitter-Angelegenheiten könnte noch vergeben werden. „Im Referat ‚Intelligente öffentliche Infrastruktur’ sollen stärker die Interessen der Gesellschaft bei der Versorgung berücksichtigen werden, ohne dass dabei bereits privatisierte Versorgungsnetze verstaatlicht werden.“ Wo kämen wir sonst auch hin, wir sind ja hier nicht bei der Stasi. Nebenbei bemerkt: Ich brauche eigentlich keine intelligenten Abwasserrohre.

Aber ich will ehrlich sein. Ich habe auch schon mal an sowas gedacht. Ein Ministerium fehlt nämlich wirklich: Das Weltraumministerium, geführt von einem Experten mit galaktischen Fähigkeiten und universaler Weisheit. Geführt also von mir.

Mein Programm besteht im Wesentlichen aus zwei Punkten. Zunächst werde ich die Erfindung des Antigravitationsgürtels anordnen, der alle Transportprobleme des Menschen löst. Besoffen in der Kneipe und kein Geld für das Taxi? Kein Problem, werden die Leute dann sagen, ich schwebe per Autopilot heim, es gibt ja den A-Gürtel, den wir unserem genialen Weltraumminister verdanken! Legen Sie noch einen Raumanzug an, dann können Sie mit dem A-Gürtel auch Reisen innerhalb unseres Sonnensystems unternehmen. Ich werde selbstverständlich dafür sorgen, dass es endlich auch Raumanzüge für Raucher gibt.

Sodann werde ich den Warp-Antrieb und das Beamen erfinden lassen. Zweifellos gibt es da draußen bessere Welten. War ein toller Urlaub auf NGX-3489, werden die Leute dann sagen, was für ein Glück, dass unser ansonsten unterbelichteter Planet wenigstens einen brillanten Weltraumminister hat. Die Aliens werden dann ganz von selbst mit uns Kontakt aufnehmen, weil sie hier nun endlich eine würdigen Gesprächspartner vorfinden, nämlich den unvergleichlichen…, nun, Sie wissen wohl, wen ich meine.

Internet war gestern, die Zukunft liegt da draußen, wo noch nie zuvor ein Süßwassermatrose gewesen ist. Da habt ihr Glück gehabt, dass ich diesmal noch nicht antrete. Das Direktmandat für das Sonnensystem wäre mir sicher gewesen.

23. September 2009, 17.56 Uhr:

Plüsch am Hindukusch

von Jörn Schulz

Unsere Jungs haben es wirklich nicht leicht. Bild enthüllt den Skandal: „Soldaten müssen 40 Jahre alte Unterwäsche tragen!“ Wenn es kalt wird in Afghanistan, müssen sie in Wirkplüsch-Unterhosen schlüpfen. Die Bundeswehr meint, dass diese Unterhosen sich bereits im Kalten Krieg bewährt haben. Aber kann man so einen Stabilisierungseinsatz gewinnen? Ich finde, Bild sollte dazu aufrufen, den Armen wenigstens willy warmers zu stricken, um das Schlimmste zu verhindern. Manche Kommentare der Leser offenbaren allerdings wenig Mitgefühl: „Wollen die da unten ne Modenschau veranstalten, oder warum ist die Unterwäsche soo wichtig?“

22. September 2009, 18.46 Uhr:

Geh erstmal zum Friseur!

von Jörn Schulz

Nein, Herr bin Laden, so machen Sie mir keine Angst. Dieser Harrach kann vielleicht beim Casting für den zweiten Teil von “Grease” eine Nebenrolle ergattern, aber ein bisschen furchterregender sollte ein Terrorist schon aussehen. 32 Jahre soll er alt sein, aber er müsste am Eingang zur Disco sicher seinen Ausweis vorzeigen. Gewiss, dieses Problem stellt sich bei Ihnen in Waziristan nicht. Aber wenn so einer in Ihr mittleres Management aufsteigt, muss ich vermuten, dass Sie ernste Personalprobleme haben.

By the way: Haargel ist megaout. Dem Guttenberg verzeihen die Deutschen so was, aber der ist ein Aristokrat und hat daher ein Recht auf exzentrisches Outfit. Und überhaupt: „Mich für Allah in die Luft zu sprengen ist mein Wunsch seit 1993“, behauptet Harrach. Dann hat er sich aber doch lieber 16 Jahre lang die Haare gegelt. Lassen Sie den Milchbubi wenigstens einen grimmigen Gesichtsausdruck einstudieren oder setzen Sie ihm beim nächsten Drehtermin eine Klingonenmaske auf.

Der Welt muss ich auch noch entnehmen, Harrach „könnte vielmehr nur als Denker und intellektueller Propagandist fungieren“. Tja, Herr bin Laden, wir sind hier wirklich nicht verwöhnt, was das Niveau des politischen Diskurses betrifft, aber was Ihr Harrach über die Finanzkrise fabuliert, klingt so, als habe es sich Jürgen Elsässer auf einem LSD-Trip zusammengereimt. Was, Sie haben noch nie von diesem Elsässer gehört? Warten Sie nur ab, vielleicht kommt er auf der Flucht vor den Discomiezen bald zu Ihnen in die Berge.

18. September 2009, 08.52 Uhr:

300 Jahre Dr. Johnson

von Stefan Ripplinger

“No man but a blockhead ever wrote, except for money.”
(Samuel Johnson, 18.9. 1709 - 13.12. 1784)

16. September 2009, 18.21 Uhr:

Kapitale Kompetenz

von Jörn Schulz

Haben Sie heute schon eine Finanzkrise verursacht, eine Firma in den Bankrott geführt oder ein paar Milliarden Euro Staatsknete abkassiert? Nein? Dann sollten Sie das schleunigst nachholen, denn die „Top-Entscheider“ sind unzufrieden mit Ihnen. Sie „sprechen der Bevölkerung Wirtschaftskompetenz ab“, stellte das Magazin Capital fest.

Von 658 Spitzenpolitikern, Unternehmenschefs und Behördenleitern sind nur 0,1 Prozent der der Ansicht, die Deutschen „verstünden wirtschaftliche Zusammenhänge ‚sehr gut’, ganze 13 Prozent bewerten den Sachverstand mit ‚gut’. Dagegen halten 68 Prozent der Befragten die ökonomische Kompetenz der Deutschen für ‚weniger gut’, 19 Prozent sogar für ‚gar nicht gut’.“

Wüsste man es nicht besser, könnte man glauben, die deutsche „Elite“ habe wenigstens Humorkompetenz. Diese Leute haben zig Milliarden versemmelt, bis heute nicht begriffen, wie das passieren konnte und jammern nun, dass der Pöbel sie nicht richtig versteht. Dass eine „Elite“ nie einen Anlass für Zweifel an der eigenen Kompetenz sieht, ist allerdings ein aus der Geschichte gut bekanntes Phänomen. Die Art und Weise, wie sich die „Top-Entscheider“ einige Lichtjahre von der Realität entfernt wieder wohlgemut auf alten Pfaden bewegen, erinnert ein wenig an Ludwig XVI. Am Tag des Sturms auf die Bastille trug er in sein Tagebuch ein: „Rien.“ Er hatte auf der Jagd nichts geschossen. Bedauerlich nur, dass den Deutschen vielleicht nicht die Wirtschaftskompetenz, zweifellos aber die Revolutionskompetenz fehlt.

15. September 2009, 15.43 Uhr:

Skandal bei Notlandung!!!

von Ivo Bozic

Nein, Münte! So geht das nicht! Sich als erster aus dem Staub machen, und dann auch noch alle Sicherheitshinweise missachten! Wie haben wir es bei jedem Flug immer wieder eingetrichtert bekommen? Genau: Schuhe aus vor dem Benutzen der Aufblasrutsche. Ein Bild-Leserreporter entlarvte Münte! Und dann sehen wir auf dem nächsten Bild auch noch eine CDU-Staatssäkretärin auf der Notrutsche mit spitzen, hochhackigen Pömps!

Also, liebe Leserinnen und Leser, hier ein Sicherheitshinweis, der nicht auf der Karte vor Ihnen in der Sitzlehne steht: Vermeiden Sie Flüge mit Politikern und wenn das nicht geht, dann versuchen Sie auf jeden Fall, vor ihnen aus dem Flugzeug zu springen. Sonst kanns eng werden. Viel Glück!

11. September 2009, 18.32 Uhr:

Wirb oder stirb

von Jörn Schulz

Na also, der Wahlkampf der FDP kommt doch noch in Schwung, vermutlich sogar ohne Zutun von Westerwelle. Das „Internet-Manifest“ preist den Markt als Lösung im Streit um das Urheberrecht und das sogenannte geistige Eigentum. „Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren.“

Die klassische Terminologie des Wirtschaftsliberalismus: Gute Anpassung, böser Bestandsschutz, nicht zu vergessen der „Mut“, der Appell an die männliche Ehre fehlt nie, wenn man den Leuten nahelegt, sie sollen sich nicht so haben, wenn sie gefeuert werden und gefälligst auch noch ihre Restpersönlichkeit daraufhin überprüfen, ob sie mit den Marktgesetzen harmoniert.

„Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.“ Vielleicht so: Mercedes Bunz unterschreibt das Internet-Manifest, und weil sie für den britischen Guardian arbeitet, vermutlich mit Bestandsschutz, also einem festen Gehalt statt eines Anteils an den Online-Werbeeinnahmen, schreibt sie dort gleich etwas über das Manifest. Der Text ist nicht nur völlig unkritisch, er enthält auch keinen Beleg für die behauptete „mainstream media attention“. Doch nun, da es im Guardian stand, ist die „attention“ da. Ja, „Links lohnen“. „Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus.“ Soziale Vernetzung nennt man das heute, ich halte den guten alten Begriff der Vetternwirtschaft allerdings für passender.

Seiten:12

Schmeicheln Sie uns!

Falls Sie Ihre Wertschätzung für unsere Website ausdrücken möchten, können Sie dies mithilfe des Mikro-Bezahlsystems Flattr tun. Benutzen Sie einfach den folgenden Button:

Mehr Informationen auf flattr.com

RM16Golem-Anzeige

Werden Sie ein Fan!

Jungle World
auf Facebook

Sie müssen sich nicht für Facebook registrieren, um unsere Seite zu betrachten. Na gut, dann …