Das Kein-Schmarrn-Abo
Archiv für: November 2010
8. November 2010, 19.10 Uhr:

Wendländische Lindenstraße

von Ivo Bozic

“Auch in der Fernsehserie ‘Lindenstraße’ gibt es ein großes Thema, und das ist Anti-Atom. Wir hatten es mal ein Jahr lang nicht dringehabt, aber ansonsten ist es mal verstärkt und mal weniger stark drin, aber es gehört zu meinem Denken wie das Vaterunser.”
Hans W. Geißendörfer in der “Jungle World” 1997

3. November 2010, 18.22 Uhr:

Kein Asyl für Jesus

von Jörn Schulz

Zu den wenigen erfreulichen Aspekten der sogenannten Integrationsdebatte gehört, dass öfters über die Verfolgung und Diskriminierung von Christen gesprochen wird. Bedauerlicherweise aber bildet die ersehnte „Leitkultur“ den Rahmen. Es wäre eine echte Überraschung für die türkischen Parlamentarier gewesen, wenn Bundespräsident Christian Wulff sich nicht nur für die Christen in ihrem Land eingesetzt, sondern auch die Diskriminierung der Aleviten kritisiert hätte. So aber trat er als nationalreligiöser Lobbyist auf, als Pendant zu Tayipp Erdogan, der sich in Deutschland für „seine Muslime“ einsetzt. Mit einer solchen Haltung können muslimische Reaktionäre gut leben.

„Die Christenvertreibung im Irak geht uns an“, mahnte Malte Lehming im Tagesspiegel nach dem Massaker in einer Kirche in Bagdad. Einen Tag später wurden dutzende schiitische Muslime im Irak getötet. Geht „uns“ das nichts an? Die Täter sind die gleichen, in beiden Fällen geht es ihnen um die „Reinigung“ der Gesellschaft von allem „Unislamischen“, und dazu gehören aus der Sicht der Jihadisten wie auch vieler Regierung alle Muslime, die ihren Lehren nicht folgen wollen.

„Etwa 80 Prozent aller Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, sind Christen“, behauptet Lehming. Ich weiß nicht, ob er diese Zahl auf Sarrazinsche Weise ermittelt hat. Tatsache ist jedenfalls, dass die meisten Opfer religiöser Unterdrückung und Diskriminierung in islamischen Ländern Muslime sind, unter anderem Schiiten in den Golfmonarchien, Angehörige nicht anerkannter Konfessionen wie die Ahmadiyyun in Pakistan und die Aleviten in der Türkei, Säkularisten und „schlechte Muslime“, die etwa während des Ramadan essen, fast überall im Nahen und Mittleren Osten.

Der nationalreligiöse Lobbyismus ist daher nicht nur eine Absage an die Universalität der Menschenrechte, sondern auch eine politische Dummheit, sofern das Ziel die Demokratisierung des Nahen und Mittleren Ostens sein soll. Es ist daher wohl kein Zufall, dass die Debatte über eine deutsche „Leitkultur“ und die prinzipiell anderen Kulturen mit der Hofierung der Taliban und dem erneuten Bestreben einhergeht, in prowestliche islamische Autokratien zu konservieren. Hauptsache, ein jeder bleibt, wo er ist.

Auch die US-Regierung zeigt kein besonderes Interesse an einer Demokratisierungspolitik, doch immerhin ist man dort aufgeklärter. Das Außenministerium gibt jährlich einen Bericht über die Religionsfreiheit heraus, verteidigt wird “the right to believe or not to believe”. Über Azerbeidschan etwa heißt es: „There were mosque closures as well as State and locally sponsored raids on evangelical Protestant religious groups.” Es geht also, man muss nur wollen. Im Übrigen ist es zwar legitim, sich als Christ vornehmlich für Christen einzusetzen. Ob es christlich ist, darf bezweifelt werden. Jesus jedenfalls preist den „ungläubigen“ Samariter (Lukas 10:33ff), der nicht nach der Religion des in Not Geratenen fragt:

„Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen. Es begab sich aber ungefähr, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und da er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit; da er kam zu der Stätte und sah ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goss darein Öl und Wein und hob ihn auf sein Tier und führte ihn in die Herberge und pflegte sein. Des anderen Tages reiste er und zog heraus zwei Groschen und gab sie dem Wirte und sprach zu ihm: Pflege sein; und so du was mehr wirst dartun, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme. Welcher dünkt dich, der unter diesen Dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihn tat. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und tue desgleichen!“

Aber in Deutschland klappt es ja nicht einmal mit der konfessionellen Solidarität. Während das laizistische Frankreich nun immerhin 150 irakische Christen aufnehmen will, hat die Bundesregierung offenbar nicht die Absicht, wenigstens auf dem Weg eines solchen Gnadenakts den Bedrohten zu helfen. Auch Jesus hätte hierzulande wohl keine Chance auf Asyl.

3. November 2010, 18.03 Uhr:

Deutschenfeindlichkeit für Fortgeschrittene

von Ivo Bozic

Es ist übrigens gar nicht sooo leicht, richtig Deutschenfeindlich zu sein, auch für gut integrierte Menschen. Damit hier nicht auf Pidgin-Kanakisch entgegen jeder christlich-jüdischen Rechtschreibung herumgepöbelt wird, noch mal zum Nachlesen ein kleiner Deutschkurs für Antideutsche und Ausländer aus dem Jahr 2008 (ja sooo lange dauert dieser ganze Nonsens schon…)

HIER: “Scheißdeutsche, heißt das…

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