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Archiv für: August 2011
26. August 2011, 18.26 Uhr:

Sarrazin baut ab

von Jörn Schulz

Thilo Sarrazin denkt mal wieder über unerwünschte Migranten nach: „Man muss sich fragen, weshalb es für Roma attraktiv ist, nach Berlin zu ziehen und dann muss man alle Elemente, die das attraktiv machen, abbauen, alle abbauen.“ Die Roma campen im Görlitzer „Park“ (Kreuzberg) vor der Ruine eines Güterbahnhofs, unattraktivere Schlafplätze gibt es eigentlich nur in Städten wie Mogadishu oder Kandahar. Gelegentlicher Artilleriebeschuss würde vielleicht helfen, Berlin unattraktiver zu machen. Aber wo sind die Russen, wenn man sie mal braucht?

„Es gilt für alle Völker und Gruppen letztendlich die Probleme da zu lösen, wo sie geboren werden und wo sie zu Hause sind.“ Nun hat noch niemand einer Völkergeburt beigewohnt, aus DDR-Kindergärten ist die Sitte des Gruppenscheißens bekannt, Kollektivgeburten waren jedoch im Fünfjahresplan nicht vorgesehen. Aber hier kommen wir den Geheimnissen der Sarrazinschen Psyche wohl ein wenig näher. Wahrscheinlich glaubt er wirklich, irgendwo, wahrscheinlich in den Bergen Transsylvaniens, gäbe es eine einzige gewaltige Roma-Mutter, die gruppen-, wenn nicht völkerscharenweise ihre Brut ausstößt, die sich dann umgehend auf den Weg nach Berlin macht.

 

 

17. August 2011, 18.03 Uhr:

Danke für meine Spreewald-Gurke

von Jörn Schulz

Viel Aufsehen erregte die junge Welt mit ihrer Danksagung für den Mauerbau. Vor lauter Empörung vergessen die meisten Kritiker leider, dieses interessante Dokument der Zeitgeschichte, das ein wenig an ein bekanntes evangelisches Kirchenlied („Danke für meine Arbeitsstelle“) erinnert, zu lesen. Das ist bedauerlich, denn das Dokument wirft einige Frage auf. „Wir sagen an dieser Stelle einfach mal: Danke für 28 Jahre Hohenschönhausen ohne Hubertus Knabe.“ Das ist noch schlüssig. Knabe war ein Wessi, also konnte man ihn dort nicht einsperren. Der Knast wurde aber auch so voll.

Schwieriger wird es mit „Danke für 28 Jahre ohne Neonaziplakate ‚GAS geben’ in der deutschen Hauptstadt.“ Sehen wir einmal darüber hinweg, dass die NPD erst 1964 gegründet wurde, man also für 25 Jahre danken müsste. Aber, liebe Genossen Stasi-Majore: Seit wann dankt man dem Klassenfeind? Zu einem NPD-Verbot in Westberlin kam es nicht, weil man fürchtete, die „Rechtseinheit“ zu gefährden, also die sowjetische Position, die Westberlin nicht als Teil der BRD betrachtete, zu stärken, wenn die NPD nicht auch in Westdeutschland verboten würde. Doch durfte die NPD auf Anordung der Westallierten weder an den Wahlen teilnehmen noch Parteitage abhalten oder Flugblätter drucken. Und die bereits 1948 gegründete National-Demokratische Partei Deutschlands, die in der DDR-Volkskammer vertreten war, ließ sich durch die Mauer nicht von ihren Aktivitäten abhalten.

Gedankt wird auch „für 28 Jahre Club Cola und FKK“. Hier offenbart sich ein eklatanter Mangel an Kenntnis über die Geschichte einer der bedeutendsten Errungenschaften des realen Sozialismus, eines Produkts, das immerhin mit „Gold in der Kategorie Erfrischungsgetränke“ ausgezeichnet wurde. Die Genossen Stasi-Majore sofort zum Rapport! Die erste Flasche Club Cola wurde am 19. April 1967 abgefüllt! Habt euch wohl an den kapitalistischen Schlendrian schon gewöhnt? Unter Stalin ist man schon aus geringerem Anlass nach Sibirien verbannt worden. Andererseits, „Danke für 28 Jahre Spreewälder Gurken“ – das klingt nicht wirklich cool. Die Halberstädter Würstchen haben ja wir Wessis gegessen, und „Danke für 28 Jahre ohne Halberstädter Würstchen, die gleich um die Ecke hergestellt, aber dem Klassenfeind geliefert wurden“ – geht auch nicht.

Wirklich rätselhaft wird es aber bei „Danke für 28 Jahre munteren Sex ohne ‚Feuchtgebiete’ und Bild-Fachwissen“. Ja hatten denn die Ossis vor dem 13. August 1961 gar keinen Sex? Oder nur aus Versehen, im Schlaf? Und wie hat die Mauer geholfen, das Sexualleben in der DDR auf Trab zu bringen? Genossen Stasi-Majore, wir bitten um Aufklärung!

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