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Archiv für: September 2011
23. September 2011, 10.51 Uhr:

Relativitätstheorie falsch?

von Thomas von der Osten-Sacken

Jetzt auch noch das:

Wissenschafter am Europäischen Kernforschungsinstitut Cern haben nach eigenen Angaben subatomare Teilchen registriert, die sich schneller als Licht bewegen. Sollte dies zutreffen, würde es einen der wichtigsten Grundpfeiler der Physik zum Einsturz bringen. (…)

Sollte sich das Ergebnis tatsächlich bestätigen, würde das die in wissenschaftlichen Kreisen weithin akzeptierte Einsteinsche Relativitätstheorie in ihren Grundfesten erschüttern.

Immerhin können sich die Apologeten der freien Marktwirtschaft dieser Tage einmal ein ganz wenig freuen: nicht nur ihr Theoriegebäude droht dieser Tage final einzustürzen.

22. September 2011, 17.05 Uhr:

Lichtschwerter zu Taschenlampen!

von Jörn Schulz

„Religionsführer im Bundestag“ titelte die Taz zu einem Bild Yodas, worüber sich der CSU-Politiker Thomas Goppel („Hetzkampagne“) pflichtgemäß empörte. Widersprechen muss man aber auch Reiner Metzger, dem stellvertretenden Chefredakteur der Taz, der glaubt, dass „Meister Yoda als der geistige Vater des wohlmeinenden Jedi-Ordens“ gelten sollte. In Wahrheit muss man die Jedi den verfassungsfeindlichen Organisationen zurechnen und ein Aussteigerprogramm anbieten.

Der Geheimorden, der seinen Mitgliedern eine zölibatäre Existenz aufzwingt, ist sogar noch reformunfähiger als die katholische Kirche. Anakin Skywalker darf zwar unzählige Humanoide und Androiden mit dem Laserschwert zerstückeln, aber seine Padmé lieben darf er nicht – kein Wunder, dass er der dunklen Seite der Macht verfällt. Der vollständig integrationsunwillige Orden ignoriert das staatliche Gewaltmonopol, rekrutiert Kinder aufgrund biologistischer Kriterien und gibt ihnen früher Waffen in die Hand als Sarah Palin den ihren – andere Leute sitzen wegen solcher Vergehen in einer Zelle in Den Haag. Für Kriegsverbrechen wie das Massaker an den Tusken amnestieren die Jedi sich selbst, 500 Jahre später gibt’s dann vielleicht eine halbherzige Entschuldigung wegen der Ausrottung der Indigenen auf Tatooine.

Wie der Papst mischt Yoda sich ohne demokratische Legitimation in die Angelegenheiten der Republik ein. Es sei auch daran erinnert, dass Jedi und Sith Anhänger einer Religion sind, die sie nur verschieden interpretieren. Multi-Kulti-Gutaliens behaupten dann, die Anbetung der Macht sei an sich eine völlig harmlose Angelegenheit, die nur von einigen Extremisten missbraucht wird. Doch statt sich wenigsten nach 30 Jahren zu so etwas wie dem Westfälischen Frieden durchzuringen, zerstückeln die Anbeter der Macht einander munter weiter.

Betrachtet man die Überlieferung, muss man überdies sagen, dass Darth Vaders Lehren denen des Papstes näher kommen. Denn „Ich bin euer Vater“ und „Ich finde euren Mangel an Glauben beklagenswert“ dürften die Kernaussagen Benedikt XVI. bei seinem Deutschland-Besuch sein. Yoda hingegen, der in 900 Jahren nur wenig über Satzbau gelernt hat, könnte Pressesprecher der Berliner CDU werden.

 

15. September 2011, 02.49 Uhr:

The stars look very different today

von Jörn Schulz

Wenn ein Gruppe von Menschen auf engem Raum zusammenlebt, kann es zu Konflikten kommen. Wie bei der simulierten Mars-Mission. Auf unsere erste extraterrestrische Ausgabe werden Sie wohl noch eine Weile warten müssen, aber auch bei kürzeren Missionen kann es zu Meinungsverschiedenheiten kommen, zum Beispiel wenn es um die Musikauswahl geht. Das führte uns heute zu der Frage: „Was war die erste Platte, die du von deinem eigenen Geld gekauft/aus eigenem Antrieb geklaut hast?” In meinem Fall war es eine Platte von T.Rex, ich weiß nicht mehr genau welche, aber es war „Children of the Revolution” drauf. Ansonsten: Scott Joplin (den kennen Sie auch, er hat „The Entertainer” geschrieben), Madonna („True Blue"), die Fat Boys („The Twist"), Abstürzende Brieftauben („Das Grauen ist in deiner Stadt"), Matchbox („Rockabilly Devil") und Tocotronic („Digital ist besser"), wie ein unvollständige Umfrage ergab. Wie Sie unschwer erkennen können, werden hier Altersunterschiede deutlich („Platte? Was’n das?"), wobei ich hinzufügen möchte, dass der Kollege, der die Scott Joplin-Platte erwarb, kein Zeitgenosse des bereits 1917 verstorbenen Künstlers ist.

An dieser Stelle daher ein Empfehlung an die Nasa und alle anderen, die lange Weltraummissionen planen: Stellen Sie sicher, dass eine ausreichende Auswahl an Musik für jedweden Geschmack an Bord ist. Sonst werden Sie irgendwann hören: “This is Major Tom to Ground Control / I’m stepping through the door / And I’m floating in a most peculiar way / And the stars look very different today.”

14. September 2011, 03.26 Uhr:

Das Leben ist kein Ponyhof

von Jörn Schulz

Abgesehen vom Hund dürfte das Pferd das wichtigste Haustier des Menschen sein. Gewesen sein, müsste man im Fall des Pferdes wohl sagen, denn als Nutztier ist das Pferd kaum noch von Bedeutung, und für die Haltung in der Großstadt ist es nun einmal zu groß. Historisch betrachtet genoss es aber wohl größere Wertschätzung, obwohl es häufiger verspeist wurde. Zumindest taugt es offenbar nicht für eine Beleidigung, man würde niemanden „du Pferd” oder „Pferdesohn” nennen, es ist auch unüblich, von „pferdischem Gehorsam” zu sprechen, obwohl man Pferden erstaunliche Dinge beibringen kann, wie ich heute beobachten konnte.

Mehr Bücher wurden über Pferde wohl auch geschrieben, und ich spreche jetzt nicht von Werken wie „Dick und Dalli und die Ponies". Der vermutlich erste Pferdetheoretiker war Xenophon, über dessen „Peri hippikés” heute noch gestritten wird - mehr als 2350 Jahre nach der Erstveröffentlichung. Die Reitkunst war damals hauptsächlich ein Zweig der Kriegskunst, und diese diente auch dazu, dem Krieger Ruhm und Nachruhm zu verschaffen. Man wollte beim Abschlachten eine gute Figur machen, und dabei half das Pferd: „Wenn man nun das Pferd in die Haltung bringt, in die es sich zur Selbstdarstellung wirft, wenn es sich am meisten in seiner Schönheit zeigen will, so wird man auf diese Weise sein Pferd als eines vorführen, das am Reiten Freude hat, prächtig und gewaltig aussieht und die Blicke auf sich zieht.” Und natürlich auf seinen Reiter, wie man noch heute an vielen entsprechenden Denkmälern erkennen kann.

Interessant ist, dass Xenophon, der den größten Teil seines Lebens mit der Kriegführung verbrachte, beim Umgang mit Pferden zur Gelassenheit riet und Belohnungen statt Strafen befürwortete: „Erziehe dich dazu, in jedem Fall Ruhe zu bewahren und deine Emotionen zu kontrollieren. Gib Zornesausbrüchen keinen Raum.” Erzählen Sie das mal einem Drill Seargant. Einen Menschen kann man schon nach wenigen Tagen Ausbildung in den Krieg schicken, bei einem Pferd geht das nicht. Pferde sind nämlich schwerer zu dressieren als Menschen. Ein Lipizzaner hat eine ebenso lange Ausbildungszeit wie ein Gymnasiast in Deutschland. Das Leben ist eben kein Ponyhof.






13. September 2011, 02.17 Uhr:

Der Landeshauptmann kann nicht sterben

von Jörn Schulz

Gleich nebenan ist ja Kärnten. Eine völlig andere Welt. Einige wirklich mutige, auch die schlimmsten Herausforderungen nicht scheuenden Kollegen haben dort die Gedenkstätte für Jörg Haider besichtigt. Das war ein schockierendes Erlebnis. Liest man etwas über die Gebräuche der dort hausenden primitiven Stämme, macht das die Sache nicht besser.

Es gibt eine Jörg-Haider-Brücke und an der Unfallstelle ein Marterl, das ist eine kleine, nicht begehbare Kapelle. So geht es da zu: „Scheuch (das ist der Vize-Landeshauptmann, vergleichbar dem stellvertretenden Ministerpräsidenten eines deutschen Bundeslandes) unterstellte der schreibenden Zunft, ‘Halbwahrheiten und Lügen’ zu verbreiten. Er berichtete, wie sein kleiner Sohn am Todestag vor einem Jahr auf die Nachricht reagiert hätte, dass Haider gestorben sei: ‘Er hat gesagt, ‘das kann nicht sein, der Landeshauptmann kann nicht sterben’. Haider sei zwar tot, doch in den Herzen der Menschen werde er stets lebendig bleiben, so Scheuch. Bei der Enthüllung des Marterls, das vier Heiligenbilder, unter anderem eines vom Kärntner Landespatron, zieren und das mit Lärchenschindeln gedeckt ist, wurde das Kärntner Heimatlied gesungen.” Die Heiligsprechung steht noch aus, aber bei diesem Papst kann man nie wissen.

Es kam die Idee einer präventiven Bombardierung Kärntens auf. Das ist natürlich zynisch und menschenverachtend, aber hier können Sie sich ganz unverbindlich anschauen, was passieren würde. Vergessen Sie den nordkoreanischen Schrott und „Little Boy", versuchen Sie es gleich mit „Joe 4″ (400 Kilotonnen). Die Unterstützung großslowenischer Nationalisten könnte eine Alternative sein, aber ich glaube, hier möchte eigentlich niemand Kärnten haben.

Ach ja, das Kärntner Heimatlied: „Wo Mannesmut und Frauentreu’ / die Heimat sich erstritt aufs neu’, / wo man mit Blut die Grenze schrieb / und frei in Not und Tod verblieb; / hell jubelnd klingt’s zur Bergeswand: /Das ist mein herrlich Heimatland!” Vielleicht nehmen wir doch besser Mk28 (1,4 Megatonnen).

12. September 2011, 02.04 Uhr:

Der Braten wird kalt

von Jörn Schulz

In Leo Trotzkis „Die Balkankriege 1912-1913″ gibt es eine Passage, in der er seine eher zufällige Begegnung mit russischen Panslawisten im Restaurant seines Hotels in Belgrad beschreibt. Ein gewisser, längst vergessener Brjantschinow hielt eine Rede, die alle anderen Gäste zwang, „aus Höflichkeit nicht mit ihren Messern und Gabeln zu klappern", sodass Trotzkis „Braten auf dem Teller völlig kalt wurde". Ein vergleichsweise harmloser Kollateralschaden der damaligen Balkankriege.

Die Panslawisten waren reaktionäre Nationalromantiker, in ideologischer Hinsicht den deutschen Nationalisten des frühen 19. Jahrhunderts vergleichbar. Wer, was - zumal Trotzki als Korrespondent einen in seinen sonstigen Werken selten zu findenden Sinn für Humor zeigt - dieses Buch liest, wird sich an den jugoslawischen Bürgerkrieg der neunziger Jahre erinnert fühlen. Der gleiche nationalistische Wahnsinn, auf allen Seiten. Und man kann wirklich nicht behaupten, in den 80 Jahren zwischen den Massakern hätte sich nichts geändert. Der Kampf der jugoslawischen Partisanen war nicht nur ein nationalistischer Feldzug gegen die Besatzer, sondern auch eine soziale Revolution. Das wird den Partisanen heute oft vorgeworfen (darüber werden Sie am 22. September mehr erfahren).

Die „Arbeiterselbstverwaltung” unter Tito war keine, da über allem eine KP thronte. Dass die Produzenten in einem Konkurrenzverhältnis standen, hat wohl auch den Nationalismus gefördert, die „Reichen” wollten nach 1990 - letztlich verbreiteten sich die Bürgerkriegsideologien schon im Jahrzehnt nach Titos Tod im Jahr 1980 - nicht mehr für die „Armen” zahlen, Klasse hin oder her. Die Parallelen zur derzeitigen Euro-Debatte sind offensichtlich, auch wenn die Folge des patriotischen Wahns nicht immer ein Krieg sein muss. Es ist jedoch erschreckend, dass sich der Nationalismus, der ja in der frühen bürgerlichen Epoche auch eine produktive Funktion bei der Beseitigung des Feudalismus und der Schaffung nationaler Märkte hatte, auch unter Bedingungen halten kann, die ganz offensichtlich andere gesellschaftliche Organisationsformen erfordern.

Mittlerweile stehen im ehemaligen Jugoslawien die übernationalen Heroen wieder höher im Kurs, Tito, aber - zumindest in Slowenien - sogar die Habsburger. Das kann man schwerlich als großen Forschritt werten.

11. September 2011, 04.56 Uhr:

Törtchen für die Biker

von Jörn Schulz

Heute waren wir auf dem Land. Ich möchte Sie jetzt nicht mit wunderschönen Landschaften, dem Reiz der Altstädte oder irgendwelchen Wasserfällen langweilen. Sollten Sie aber die Gelegenheit haben, die Gastfreundschaft einer slowenischen Familie zu genießen: Nutzen Sie sie. Aufgrund komplexer Migrationshintergründe hatten wir das Glück. Da eine Beschreibung des Menüs und des Getränkeangebots nur unnötigen Speichelfluss auslösen würde, beschränke ich mich auf die kulturellen Aspekte. Janes ist stolzer Besitzer eines Grammophons - eines wirklichen Grammophons, bei dem man noch kurbeln muss, damit die Platte läuft - , und unterhielt uns mit Songs wie „Und in Chikago, wissen Sie, was sich da tut?” von Dajos Béla. Sowas hören Sie im Berghain garantiert nicht. Unserer Gastgeberfamilie gelang es, das Grammophon vor den Deutschen zu verbergen, Janes bekam es um 1960 zurück, weil er im Gegenzug das Radio der Nachbarn reparierte, die das Grammophon und die Plattensammlung aufbewahrt hatten. Zur Blattkritik wird er wohl nicht kommen, aber seine Bemerkung zu unserer Überschrift „Bremsen für Merkel” war: „Warum denn das?”

Am frühen Abend trafen dann die Biker ein. Sie kamen vom großen Harley-Treffen in Kärnten, wo gerade 80000 Biker aus ganz Europa zusammenkommen. Die Jungs haben allerdings nur Yamahas und Suzukis. Und keine Kutte. Aber man darf da auch so hin, sollte allerding wohl mit dem Shuttle-Bus fahren. Der Präsident gehört auch zur Familie. Obwohl Törtchen eigentlich was für Mädchen sind, ließen sich die Biker dann doch überreden, einige zu sich zu nehmen. Was kein Wunder ist, denn die Törtchen waren wirklich lecker.

Seiten:12

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