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Archiv für: Oktober 2011
30. Oktober 2011, 11.36 Uhr:

"Google: Jewish Billionaires"

von Thomas von der Osten-Sacken

In der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen befasst sich Samuel Salzborn mit der “Occupy Bewegung” und erklärt, was “antisemitischer Antikapitalismus” ist:

Die Ursache hierfür liegt in einer wahrgenommen Differenz zwischen Abstraktem und Konkretem. Das Abstrakte wird in der kapitalistischen Gesellschaft von den Globalisierungsgegnern verteufelt: das Geld, die Aktien, der »künstliche« Profit, das Finanzkapital. Hingegen wird das Konkrete glorifiziert: die »ehrliche« und »nützliche« Arbeit, die »natürliche« Grundversorgung, das Industriekapital. Die globalisierungskritische Denklogik meint, die Probleme in den Griff bekommen zu können, wenn der verteufelte Teil des Kapitalismus angegriffen wird – und fühlt sich dabei einer anonymen, unheimlichen und scheinbar omnipotenten Macht ausgesetzt.
(…) In der antisemitischen Fantasie wird die Sphäre des Abstrakten dabei mit »den Juden« identifiziert. Denn Antisemiten glauben, dass gerade Juden diejenigen seien, die Profit aus Kapitalismus und Finanzkrise schlagen – weil sie für den Antisemiten all das verkörpern, was er selbst nicht versteht und wovor er sich fürchtet: das abstrakte Gesetz, den Verstand, die Individualität, die Freiheit, kurzum – die Moderne. Wer also Kapitalismuskritik als Finanzkapitalkritik formuliert, hat die Denklogik des Antisemitismus bereits internalisiert – und das möglicherweise sogar, ohne es zu wissen.

17. Oktober 2011, 10.10 Uhr:

Nicht links und nicht rechts. Aber unheimlich wütend

von Thomas von der Osten-Sacken

Wenn Heribert Prantl gegen den zügellosen Kapitalismus losschreibt und eine gewaltige Lanze für eine Bewegung bricht, die kürzlich im Handelsblatt als “Finanzmarktkritiker” bezeichnet wurde, also für Leute, die in bester antikapitalistischer Tradition gegen das Finanzkapital mobilisieren, dann spätestens sollte klar sein, um was es sich da handelt:

David gegen Goliath, 1 versus 99 Prozent, die Menschen gegen das Finanzsystem: Der weltweite Protest ist nicht typisch links oder rechts - es bildet sich eine europäische Öffentlichkeit, die ihren Zorn auf das System nicht einfach runterschlucken wird. Anstatt den Hindukusch zu verteidigen, gilt jetzt auch in Deutschland: die Demokratie gegen die Gier der Märkte zu verteidigen. (…)

Die Davids der Welt wollen nicht mehr dabei zusehen, wie mit den Millionen und Milliarden der Steuerzahler die Banken saniert und die Löcher in den Autobahnen des Finanzkapitalismus nur zur weiteren Raserei geflickt werden: Die Davids rufen daher nach neuen Verkehrsregeln, nach Geschwindigkeitsbeschränkungen, nach Zulassungsvoraussetzungen und nach einem TÜV für die Vehikel, die auf diesen internationalen Autobahnen verkehren.

Die letzte deutsch-europäische Erweckungsbewegung, die weder links noch rechts, dafür aber unheimlich wütend war, das nur zur Erinnerung, hatten die Herren Habermas und Derrida im Früjahr 2003 ausgemacht. Damals ging es gegen den Irakkrieg. Deshalb muss Prantl auch den Hindukusch ins Spiel bringen, den zwar niemand zu verteidigen braucht, den gibt es nämlich schon ein paar Millionen Jahre länger als den  globalen Kapitalismus, aber sei’s drum, es klingt gut und noch jede deutsche Massenbewegung muss, will sie zumindest partiell erfolgreich sein, ihren Antikapitalismus mit Friedenssehnsucht zu synthestisieren verstehen.

Am Ende wollen sie immer nur den starken Souverän, weshalb ihnen ein Wolfgang Schäuble auch gleich seine Sympathien bekundet und die Kollegen in den USA, von denen man das ganze Spektakel nur abgekupfert hat, eigene Ideen pflegen deutsche Erweckungsbewegungen in der Regel nämlich nicht zu entwickeln, haben zudem ein, gelinde gesagt, virulentes Antisemitismusproblem, wie Seth Weiss schon vor einiger Zeit in einem Artikel für die Marxist-Humanist Initiative bemerkte, eine Bobachtung, deren Richtigkeit von dieser Dame leider eindrucksvoll bestätigt wird:

(Und hier hat dankenswerterweise der Betreiber des Blogs “Reflexion” sich der Mühe unterzogen, einen etwas genaueren Blick auf die Demonstrationen und Demonstranten der letzten Tage zu werfen.)

10. Oktober 2011, 13.21 Uhr:

Spaßbremse Kapitalismus

von Thomas von der Osten-Sacken

Man muß den  Kommunitarismus deshalb jetzt nicht plötzlich mögen, aber dieser Satz von Amitai Etzioni verdient, unbedingt in die Sammlung erinnerungswürdiger Zitate aufgenommen zu werden:

Keiner hat mehr Spaß am Kapitalismus, ausgenommen China.

8. Oktober 2011, 20.59 Uhr:

Transparenz neu erfunden

von Holger Hegmanns

Der fränkische Webhoster Hetzner Online gab am Donnerstag massive Sicherheitsprobleme bei seinen Systemen bekannt. Betroffen davon waren unter anderem der so genannte Registration Robot. Über dieses Fontend ist es möglich, neben der Registrierung von Domain Namen und der Verwaltung von DNS-Informationen auch andere administrative Aufgaben an der angemieteten Hardware vorzunehmen.

Die Jungle World, als Kundin von Hetzner Online und Nutzerin des Registration Robots, hat unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Vorfalls eigene Untersuchungen angestellt. Zu den möglichen Angriffsszenarien im Falle einer Kompromittierung des Robot-Kennworts gehört der Neustart des verwalteten Root-Servers und die Manipulation des zu Backup Zwecken bereitgestellten FTP-Servers. Sensible Informationen Dritter sind im Registration Robot nicht hinterlegt.

Für einen möglichen, nicht von uns initiierten Neustart des Jungle-World-Servers, gab eine sorgfältige Prüfung keine Anhaltspunkte. Denkbar wäre hierbei, mit einem Rettungssystem zu starten und damit vollständige Kontrolle über die angemietete Maschine zu erlangen.

Der Backup-FTP-Server kann über das Frontend des Robots nur eingeschränkt manipuliert werden. Das Ausspähen der Zugangspassworts ist nicht möglich, nur das Überschreiben selbigens. Auch hier deutet nichts auf eine Anomalie hin; Der Account ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt integer. Nicht ausgeschlossen werden kann eine Kompromittierung der Account-Daten durch Schwachstellen anderer Systeme bei Hetzner, die nicht unter unserer Kontrolle stehen. Die auf dem FTP-Server gespeicherten Backup-Daten der Jungle World liegen aber nach dem OpenPGP-Standard verschlüsselt vor. Ein eventueller Einbruch ermöglichte nur eine quantitative Analyse der Daten, keine qualitative.

Mehr Informationen zum Thema und neueste Entwicklungen finden Sie unter www.hetzner-status.de/

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