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Kürzliche Beiträge
13. Februar 2009, 13.02 Uhr:

Green Valentine

von Ivo Bozic

Achtung! Morgen ist Valentinstag! Das ist kein Grund zur Freude, nein, denn ein Virus wird über uns kommen, schlimmer als Aids, Ebola und Cholera.

Ein must-see-video, übersetzt von Memri:

10. Februar 2009, 23.44 Uhr:

In Stahlgetwittern

von Maik Söhler

Wie schnell etwas Interessantes, Neues uralt aussehen kann: (58 followers, “This person has protected their updates.")

Siehe auch hier und dort und - ach, reicht schon. Gibt’s auch in Himmler.

5. Februar 2009, 16.07 Uhr:

Der Paria und seine Eskorte

von Jörn Schulz

Alle Welt redet über notleidende Banken, doch wer erbarmt sich der notleidenden Banker? Nun, Spiegel online tut es: „Anlageexperten wie Salinas, einst die Stars der Wall Street, sind plötzlich die Buhmänner der ganzen Welt - gehetzt von immer offenerer Wut und verbaler Lynchjustiz. (…)Wie ein Paria fühlt sich auch Salinas. Zu Unrecht, findet er: ‚Diese Krise hat viele Schuldige. Und wir leiden doch auch.’ Trotzdem trifft er sich nur unter konspirativen Umständen, wie ein flüchtiger Krimineller - fernab seines Büros, auf der diskreten Empore des Delikatessentempels ‚Balducci’s’ in Chelsea“. Ein grausiges Schicksal, zumal Salinas weniger als 500.000 Dollar im Jahr verdient und nicht mehr mit hohen Bonuszahlungen rechnen kann. Zum Glück gibt es bei Balducci`s jetzt Sonderangebote.

Es gibt auch Selbsthilfegruppen, die es notleidenden Bankern ermöglichen, Tipps auszutauschen. Wir sollten aber auch jener gedenken, deren Wohlergehen von der Solvenz der Banker abhängt. Immerhin, einige von ihnen scheinen Krisengewinnler zu sein. „Ich habe mehr als zwei dutzend Männer, die mich doppelt so oft besuchen. Sie können ihren Frauen nicht mehr gegenübertreten, die meckern, weil sie Geld verloren haben“, erzählt Jean, die als „corporate escort“ arbeitet. Nein, wir sprechen hier nicht über banale Prostitution, sondern über „high-end sex transactions“, und bei 40 Prozent dieser Transaktionen geht es gar nicht um Sex, vielmehr wird das Ego des gebeutelten Bankers gepflegt. Caroline allerdings bevorzugt Anwälte, denn sie ist des Gejammers der Banker überdrüssig.

Größere Probleme scheinen weniger professionelle „corporate escorts“ zu haben, darüber belehren uns die Daba Girls (Dating A Banker Anonymous). Die Daba Girls haben eine eigene Zeitrechnung, BR (before the recession) und AR (after the recession). AR ist der Kampf um die Gunst des FBF (Finance guy Boyfriend) härter geworden. Die Seite ist möglicherweise ein Fake, aber wen interessiert’s, das sind die Geschäfte der FBFs ja auch. Bewundern wir lieber den heroischen Kampf eines Daba Girls gegen die Übermacht der Bottle Poppin’ Girls, überdies gibt die Kolumne „Daba Girl Daily Warning Level“ einen besseren ökonomischen Überblick als die Börsennachrichten.

4. Februar 2009, 17.54 Uhr:

Der Spitzbube zu Rom

von Jörn Schulz

In unseren aufgeklärten Zeiten gebietet ja der Respekt vor der Religion Zurückhaltung. Aus gegebenem Anlass deshalb eine kleine Zusammenstellung der schönsten Papstbeleidigungen Martin Luthers:

„Ich bin erschrocken und meinte zu glauben, es donnerte so sehr, so einen großen, scheußlichen Fortz hat der Papstesel fahren lassen. Er hat gewisslich mit großer Macht gedrückt, daß er einen solchen Donnerfortz herausgeblasen hat; ein Wunder ist es, dass ihm das Loch und der Bauch nicht zerrissen sind.“

„Der Spitzbube zu Rom speie was er wolle in seinen Drecketalen.“

„Lieber Gott, wie gar ein überaus unverschämt, lästerlich Lügenmaul ist der Papst. Er redet gerade, als wäre kein Mensch auf Erden, der da wüsste, dass die vier Hauptkonzilien und viele andere in der römischen Kirche gehalten sind. Sondern denkt: Wie ich ein grober Esel bin und die Bücher nicht lese, so ist auch in der Welt niemand, der sie liest. Sondern wenn ich mein Eselgeschrei … lasse erschallen, oder gleich einen Eselsforz lasse, so müssen sie alles für Artikel des Glaubens halten”

4. Februar 2009, 17.08 Uhr:

Der Graben wird tiefer

von Jörn Schulz

Schlechte Nachrichten für Panafrikanisten: Der Kontinent driftet auseinander, immer tiefer wird der Graben, der ihn durchzieht. Heroisch stemmt Muammar al-Ghaddafi sich dem Unheil entgegen, als neuer Vorsitzender der Afrikanischen Union will er die „Vereinigten Staaten von Afrika“ schaffen. Vermutlich mit sich selbst als Präsidenten oder auch Kaiser, er forderte mit der ihm eigenen Bescheidenheit, ihn vorläufig schon mal „König der traditionellen Könige Afrikas“ zu nennen.

Doch die Süddeutsche Zeitung berichtet: „Afrika selbst steht einer Studie von Potsdamer Forschern zufolge die Spaltung bevor.“ Und ob König der Könige, Revolutionsführer oder Sonne des 21. Jahrhunderts, gegen die Plattentektonik, die den Ostafrikanischen Graben weitet, ist auch Gaddafi machtlos. Sie sorgt dafür, dass große Teile Somalias, Äthiopiens, Kenias, Tansanias und Mosambiks sich vom Kontinent verabschieden und gemeinsam mit Madagaskar gen Nordosten treiben werden. Die langfristigen Perspektiven der transatlantischen Partnerschaft hingegen sind gut, in etwa 220 Millionen Jahren wird es nicht einmal mehr einen Atlantik geben, der Europa und Amerika trennt. Die Festung Europa bekommt lange vorher Probleme. In etwa 30 Millionen Jahren dockt Nordafrika an der südeuropäischen Küste an.

4. Februar 2009, 09.12 Uhr:

Steine

von Stefan Ripplinger

Vor einigen Tagen ist der Schriftsteller Christian Enzensberger gestorben, der der Öffentlichkeit wohl am besten durch seine Übersetzungen der Alice-Romane von Carroll bekannt ist, aber doch auch den anregenden “Größeren Versuch über den Schmutz” (1968) geschrieben hat, den Essay “Literatur und Interesse” (1977), den Roman “Was ist Was” (1987) und zuletzt die Prosa “Die Steine die Gewächse der Leib, eine Geschichte", die er schließlich als sein Lebenswerk ansah, zu dem alle seine Bücher davor nur die Vorarbeiten bildeten, und die mich so fasziniert hat, dass ich sie jedem meiner Freunde kopiert habe. Darin erklären einige Kieselsteine einem Wanderer auf Fränkisch die Welt und den Kosmos.

“Er machte ein erstes Beispiel von vielen. Die Steine haben, aber das war erst im Spätsommer darauf, denn sie haben Zeit, gesagt wannsdäs leänä wuisd, muäsd uns neemä, das hat geheißen: wenn dir an unserer Lehre liegt, mußt die Hand auf eine Schar von uns legen, die darunter paßt - und wie er das getan hat, haben sie gefragt woäsdäs nimmä.
(Christian Enzensberger, “Die Steine die Gewächse der Leib, eine Geschichte” (Erste Folge), Akzente, 4 / 2001, 289-307, hier S. 292.)

3. Februar 2009, 16.33 Uhr:

Statt Kino

von Ivo Bozic

Der Club iranischer und europäischer Filmemacher (CIEF) und die Kampagne STOP THE BOMB laden ein:

„Kosslick machts möglich: Ein roter Teppich für Ahmadinejad“.

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, den 4.2.2009, um 20 Uhr in der Filmbühne am Steinplatz (Hardenbergstr. 12, U+S Zoologischer Garten) in Berlin statt.

Die Organisatoren schreiben: “Dabei werden wir die bereits in unserem Offenen Brief erhobenen Forderungen nach Absetzung des Berlinale-Intendanten Dieter Kosslick und der iranischen Filme auf der Berlinale bekräftigen.”

Programm:

Javad Assadian (Exil-Iranischer PEN-Club):
Bilder und ein Gedicht zum Gedenken an unseren Freund und Kollegen Ramin Molai, der am 19. Januar 2009 im Berliner Exil verstorbenen ist.

Tobias Ebbrecht (Filmwissenschaftler):
Über den im Berlinale-Forum angekündigten Film „Letters to the President“, über die europäisch-iranische Kulturpolitik am Beispiel der Berlinale und über das aktuelle iranische Kino. Vortrag mit Filmbeispielen.

Kia Kiarostami (Iranischer Filmemacher und Produzent im Exil):
Über die Produktionsbedingungen für Filme im Iran und über die Proteste während der Berlinale.

Arman Nadjm (Iranischer Filmemacher im Exil):
Zeigt seinen Kurzfilm „Returning Home“. Seit 1979 werden die Menschenrechte im Iran mit Füssen getreten, besonders die Rechte der Frauen. Eines der Opfer des Regimes war Ziba Kasemi, eine kanadisch-iranische Journalistin, die während ihrer Arbeit im Juni 2003 in Teheran verhaftet, missbraucht und ermordet wurde. Der Film behandelt ihre Geschichte.

Moderation: Doris Akrap, Redakteurin der Berliner Wochenzeitung Jungle World.

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