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Kürzliche Beiträge
4. Februar 2009, 09.12 Uhr:

Steine

von Stefan Ripplinger

Vor einigen Tagen ist der Schriftsteller Christian Enzensberger gestorben, der der Öffentlichkeit wohl am besten durch seine Übersetzungen der Alice-Romane von Carroll bekannt ist, aber doch auch den anregenden “Größeren Versuch über den Schmutz” (1968) geschrieben hat, den Essay “Literatur und Interesse” (1977), den Roman “Was ist Was” (1987) und zuletzt die Prosa “Die Steine die Gewächse der Leib, eine Geschichte", die er schließlich als sein Lebenswerk ansah, zu dem alle seine Bücher davor nur die Vorarbeiten bildeten, und die mich so fasziniert hat, dass ich sie jedem meiner Freunde kopiert habe. Darin erklären einige Kieselsteine einem Wanderer auf Fränkisch die Welt und den Kosmos.

“Er machte ein erstes Beispiel von vielen. Die Steine haben, aber das war erst im Spätsommer darauf, denn sie haben Zeit, gesagt wannsdäs leänä wuisd, muäsd uns neemä, das hat geheißen: wenn dir an unserer Lehre liegt, mußt die Hand auf eine Schar von uns legen, die darunter paßt - und wie er das getan hat, haben sie gefragt woäsdäs nimmä.
(Christian Enzensberger, “Die Steine die Gewächse der Leib, eine Geschichte” (Erste Folge), Akzente, 4 / 2001, 289-307, hier S. 292.)

3. Februar 2009, 16.33 Uhr:

Statt Kino

von Ivo Bozic

Der Club iranischer und europäischer Filmemacher (CIEF) und die Kampagne STOP THE BOMB laden ein:

„Kosslick machts möglich: Ein roter Teppich für Ahmadinejad“.

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, den 4.2.2009, um 20 Uhr in der Filmbühne am Steinplatz (Hardenbergstr. 12, U+S Zoologischer Garten) in Berlin statt.

Die Organisatoren schreiben: “Dabei werden wir die bereits in unserem Offenen Brief erhobenen Forderungen nach Absetzung des Berlinale-Intendanten Dieter Kosslick und der iranischen Filme auf der Berlinale bekräftigen.”

Programm:

Javad Assadian (Exil-Iranischer PEN-Club):
Bilder und ein Gedicht zum Gedenken an unseren Freund und Kollegen Ramin Molai, der am 19. Januar 2009 im Berliner Exil verstorbenen ist.

Tobias Ebbrecht (Filmwissenschaftler):
Über den im Berlinale-Forum angekündigten Film „Letters to the President“, über die europäisch-iranische Kulturpolitik am Beispiel der Berlinale und über das aktuelle iranische Kino. Vortrag mit Filmbeispielen.

Kia Kiarostami (Iranischer Filmemacher und Produzent im Exil):
Über die Produktionsbedingungen für Filme im Iran und über die Proteste während der Berlinale.

Arman Nadjm (Iranischer Filmemacher im Exil):
Zeigt seinen Kurzfilm „Returning Home“. Seit 1979 werden die Menschenrechte im Iran mit Füssen getreten, besonders die Rechte der Frauen. Eines der Opfer des Regimes war Ziba Kasemi, eine kanadisch-iranische Journalistin, die während ihrer Arbeit im Juni 2003 in Teheran verhaftet, missbraucht und ermordet wurde. Der Film behandelt ihre Geschichte.

Moderation: Doris Akrap, Redakteurin der Berliner Wochenzeitung Jungle World.

1. Februar 2009, 17.13 Uhr:

Palim Palim

von Ivo Bozic

Dank Tom Cruise wäre ja jeder heute gerne so ein Stauffenberg. Die Ungnade der späten Geburt hat Didi Hallervorden vor solch einer Karriere bewahrt. Aber Attentäter wäre er dennoch fast geworden - meint die “Bild":

Didi Hallervorden (73) spricht erstmals über seine Attentatspläne.

29. Januar 2009, 15.53 Uhr:

Happy Hour in Washington

von Jörn Schulz

Meinem Rat, den „war on puritanism“ auszurufen, ist Barack Obama zwar noch nicht gefolgt. Doch die trockenen Zeiten sind im Weißen Haus vorbei. Unter George W. Bush wurde nur sparsam ausgeschenkt, alle Welt musste darunter leiden, dass der Präsident früher ein Alkoholproblem hatte. Obama hingegen lud umgehend wichtige Kongressabgeordnete zu einer Cocktailparty ein. Damit erhöht er nicht nur die Chance, widerspenstigen Republikanern sein Konjunkturpaket doch noch schmackhaft machen zu können, er setzt auch eine gute amerikanische Tradition fort.

Sie begann mit der Feier zur Fertigtstellung der Verfassung. Damals wurden 55 Flaschen Madeira, 60 Flaschen Bordeaux, 22 Flaschen Port, acht Flaschen Whiskey, ein wenig Bier und Cider sowie sieben Bottiche Punsch gereicht. Ob die Verfassung relativ kurz ausfiel, weil alle die Party nicht abwarten konnten und ob die 55 Verfassungsväter alles ausgetrunken haben, ist nicht überliefert. Franklin D. Roosevelt hob nicht nur die Prohibition auf, er mixte im Oval Office die Cocktails für seine Gäste selbst. Lyndon B. Johnson trank sogar am Steuer, allerdings nur bei Rundfahrten auf seiner Ranch. Hatte er seinen Becher mit Whiskey-Soda geleert, hielt er ihn aus dem Fenster, ein Mann vom Secret Service eilte dann herbei, um nachzufüllen.

Einen offiziellen Obama-Cocktail gibt es noch nicht, Vorschläge finden Sie unter anderem hier, hier und hier.

28. Januar 2009, 14.45 Uhr:

Deutscher Obama

von Ivo Bozic

Ich hoffe doch sehr, dass es zwischen diesen beiden Meldungen, keinen Zusammenhang gibt:

“Drei von vier Bundesbürgern wünschen sich einer Umfrage zufolge einen „deutschen Obama“".

und

“Alle lieben Guido!”

27. Januar 2009, 15.26 Uhr:

Deutschland jetzt neu starten

von Maik Söhler

Bulgarien reicht dieser Tage Michal Hvoreckys im Jahr 2006 erschienenem Roman “City: Der unwahrscheinlichste aller Orte” eine Bewegung nach.

Vielleicht ist es ja an der Zeit, sich auch hierzulande von Maximalforderungen zu verabschieden und schlicht zu fordern: “Deutschland bitte jetzt neu starten!” Ich bin skeptisch, aber einen Versuch könnte es Wert sein.

24. Januar 2009, 14.18 Uhr:

Politisches Reden

von Stefan Ripplinger

Ein charismatischer Journalist springt auf ein Podium und verkündet, es sei überfällig, die Nation in Scherben zu legen. Begeisterter Applaus. Wenige Jahre später betritt er dasselbe Podium und erklärt, wieder im Brustton der Überzeugung, was uns nun allein noch retten könne, sei die Nation. Erneut Applaus, wenn auch das Publikum nicht ganz dasselbe gewesen sein mag. Was ist hier vorgefallen? Hat sich etwas an der Nation, ihrer Geschichte oder an den Nationen im Allgemeinen geändert? – Soweit das in Neukölln beurteilt werden kann, nicht das Geringste. Leidet der Mann an einem Tourette-Syndrom? – Aber was. Zeigt er nun, nach Jahren der Verstellung, sein wahres Gesicht? – Das glaube ich nicht.

Weiterlesen.

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