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Kürzliche Beiträge
1. Februar 2009, 17.13 Uhr:

Palim Palim

von Ivo Bozic

Dank Tom Cruise wäre ja jeder heute gerne so ein Stauffenberg. Die Ungnade der späten Geburt hat Didi Hallervorden vor solch einer Karriere bewahrt. Aber Attentäter wäre er dennoch fast geworden - meint die “Bild":

Didi Hallervorden (73) spricht erstmals über seine Attentatspläne.

29. Januar 2009, 15.53 Uhr:

Happy Hour in Washington

von Jörn Schulz

Meinem Rat, den „war on puritanism“ auszurufen, ist Barack Obama zwar noch nicht gefolgt. Doch die trockenen Zeiten sind im Weißen Haus vorbei. Unter George W. Bush wurde nur sparsam ausgeschenkt, alle Welt musste darunter leiden, dass der Präsident früher ein Alkoholproblem hatte. Obama hingegen lud umgehend wichtige Kongressabgeordnete zu einer Cocktailparty ein. Damit erhöht er nicht nur die Chance, widerspenstigen Republikanern sein Konjunkturpaket doch noch schmackhaft machen zu können, er setzt auch eine gute amerikanische Tradition fort.

Sie begann mit der Feier zur Fertigtstellung der Verfassung. Damals wurden 55 Flaschen Madeira, 60 Flaschen Bordeaux, 22 Flaschen Port, acht Flaschen Whiskey, ein wenig Bier und Cider sowie sieben Bottiche Punsch gereicht. Ob die Verfassung relativ kurz ausfiel, weil alle die Party nicht abwarten konnten und ob die 55 Verfassungsväter alles ausgetrunken haben, ist nicht überliefert. Franklin D. Roosevelt hob nicht nur die Prohibition auf, er mixte im Oval Office die Cocktails für seine Gäste selbst. Lyndon B. Johnson trank sogar am Steuer, allerdings nur bei Rundfahrten auf seiner Ranch. Hatte er seinen Becher mit Whiskey-Soda geleert, hielt er ihn aus dem Fenster, ein Mann vom Secret Service eilte dann herbei, um nachzufüllen.

Einen offiziellen Obama-Cocktail gibt es noch nicht, Vorschläge finden Sie unter anderem hier, hier und hier.

28. Januar 2009, 14.45 Uhr:

Deutscher Obama

von Ivo Bozic

Ich hoffe doch sehr, dass es zwischen diesen beiden Meldungen, keinen Zusammenhang gibt:

“Drei von vier Bundesbürgern wünschen sich einer Umfrage zufolge einen „deutschen Obama“".

und

“Alle lieben Guido!”

27. Januar 2009, 15.26 Uhr:

Deutschland jetzt neu starten

von Maik Söhler

Bulgarien reicht dieser Tage Michal Hvoreckys im Jahr 2006 erschienenem Roman “City: Der unwahrscheinlichste aller Orte” eine Bewegung nach.

Vielleicht ist es ja an der Zeit, sich auch hierzulande von Maximalforderungen zu verabschieden und schlicht zu fordern: “Deutschland bitte jetzt neu starten!” Ich bin skeptisch, aber einen Versuch könnte es Wert sein.

24. Januar 2009, 14.18 Uhr:

Politisches Reden

von Stefan Ripplinger

Ein charismatischer Journalist springt auf ein Podium und verkündet, es sei überfällig, die Nation in Scherben zu legen. Begeisterter Applaus. Wenige Jahre später betritt er dasselbe Podium und erklärt, wieder im Brustton der Überzeugung, was uns nun allein noch retten könne, sei die Nation. Erneut Applaus, wenn auch das Publikum nicht ganz dasselbe gewesen sein mag. Was ist hier vorgefallen? Hat sich etwas an der Nation, ihrer Geschichte oder an den Nationen im Allgemeinen geändert? – Soweit das in Neukölln beurteilt werden kann, nicht das Geringste. Leidet der Mann an einem Tourette-Syndrom? – Aber was. Zeigt er nun, nach Jahren der Verstellung, sein wahres Gesicht? – Das glaube ich nicht.

Weiterlesen.

21. Januar 2009, 07.55 Uhr:

Maker

von Stefan Ripplinger

Am Nachmittag des 21. Januar 1976 sagt Charles Reznikoff zu Marie, seiner Frau, mit einer für ihn untypischen Feierlichkeit: „Ich habe nie Geld gemacht, aber all das, was ich wirklich tun wollte, habe ich getan.“ Er erleidet später an diesem Tag eine schwere Herzattacke und stirbt im Krankenhaus St. Vincent kurz vor dem Morgengrauen des 22. Januar. Wie er es in seinem Testament gewünscht hat, werden bei der Trauerfeier keine Reden gehalten und er wird in einem Sarg aus Kiefernholz im Familiengrab der Reznikoffs auf dem Friedhof von Old Mount Carmel, Brooklyn, beigesetzt. Marie lässt auf einer schlichten Granittafel für das Grab „Charles Reznikoff, Maker, 1894–1976“ und einen Lieblingsvers aus einem seiner Gedichte gravieren: „… and the day’s brightness dwindles into stars“.
aus: Seamus Cooney, „Chronology“, in: Ders., Hg., The Poems of Charles Reznikoff. 1918–1975. Boston: Black Sparrow 2005, S. 392.

A visitor once stopped one of the children:
a boy of seven or eight, handsome, alert and gay,
He had only one shoe and the other foot was bare,
and his coat of good quality had no buttons.
The visitor asked him for his name
and then what his parents were doing;
and he said, „Father is working in the office
and Mother is playing the piano.“
Then he asked the visitor if he would be joining his parents soon –
they always told the children they would be leaving soon to rejoin their parents –
and the visitor answered, „Certainly. In a day or two.“
At that the child took out of his pocket
half an army biscuit he had been given in camp
and said, „I am keeping this half for Mother“;
and then the child who had been so gay
burst into tears.
aus: Charles Reznikoff, Holocaust (1975). Boston: Black Sparrow 2007, S. 51.

16. Januar 2009, 19.03 Uhr:

Häretische Münzen

von Jörn Schulz

Reaktionäre Muslime und Islamisten können manchmal nützlich sein. Wenn sie sich über etwas beklagen, weisen sie damit häufig auf interessante Dinge hin, die einem sonst vielleicht entgangen wären. Auch Sven Muhammad Kalischs Thesen könnten wegen der Proteste muslimischer Verbände auf größeres Interesse stoßen. Er hält es für „äußerst wahrscheinlich, dass der Islam das Produkt einer christlichen oder judenchristlichen Gnosis ist“, der Prophet Muhammad sei wahrscheinlich keine real existierende Person gewesen. Ich halte diese These zwar nicht für überzeugend, doch Kalisch könnte recht haben, wenn er meint, dass die Religion des Islam anfangs „eine ganz andere gewesen sein muss.“ Auf Münzen taucht der Prophet erst recht spät auf, und frühislamische Herrscher verwendeten christliche Symbole. Bei den damaligen Eroberungszügen fehlte es möglicherweise an konfessionellem Bewusstsein. Auch die traditionelle islamische Orthodoxie betont gerne, dass niemand zur Annahme des neuen Glaubens gezwungen wurde. Möglicherweise hat die Araber damals aber nicht einmal die Mission interessiert, weil sie sich nicht einer spezifischen Religion namens Islam zugehörig fühlten, sondern, wie es ja auch im Koran dargelegt wird, ihren Glauben als aktuelle Version einer ewigen Botschaft Gottes sahen, und meinten, er bedürfe keiner besonderen Abgrenzung.

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