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Kürzliche Beiträge
13. November 2008, 18.17 Uhr:

Jetzt nachrüsten!

von Jörn Schulz

Wollten Sie schon immer eine eigene Atombombe haben? Wenn alle wissen, dass Sie über eine Erstschlagskapazität verfügen, wird man Sie schließlich mit deutlich größerem Respekt behandeln. Niemand drängelt sich im Supermarkt mehr vor Sie in die Schlange, kein Busfahrer schnauzt Sie mehr an, weil Sie in der Mitte eingestiegen sind, Sie können auf dem Amt einfach eine Tür aufmachen, wenn Sie nach Ihrer Nummer gefragt werden, sagen Sie einfach: “30 Kilotonnen". Sicher wird Ihnen der Chef eine Gehaltserhöhung gewähren, und sollten sie arbeitslos sein, weisen Sie den Sachbearbeiter einfach darauf in, dass „A“ nicht nur für Arbeit steht. Vorteile ohne Ende, und Sie müssen gar nicht den Ahmed Jihad machen, an Zentrifugen herumbasteln, sich mit UN-Bürokraten und Neocons herumärgern. Lernen Sie einfach Tauchen! Denn rund 50 Atombomben warten auf dem Meeresgrund darauf, von Ihnen gehoben zu werden. So viele gingen während des Kalten Krieges verloren. Natürlich behaupten die sogenannten Experten, es käme keiner an die Dinger ran. Schließlich habe das Militär es ja erfolglos versucht. Aber, mal ehrlich: Wir sprechen hier von Leuten, die so dusselig sind, dass sie sogar ihre Atombomben verlieren. Von Leuten, die partout Ussama bin Laden nicht finden können, obwohl der Bursche deutlich größer ist als ein durchschnittlicher Nuklearsprengsatz und sich zweifellos nicht tief unter der Meeresoberfläche verbirgt. Von Leuten, die der Öffentlichkeit natürlich nie sagen würden: “Scheiß doch auf die paar Bomben, wir haben mehr als genug von dem Zeug.” Obwohl ihnen vielleicht nur das Wasser zu kalt war. Viele Bomben gingen nämlich in der Umgebung Grönlands verloren.

12. November 2008, 17.13 Uhr:

Too hot to handle

von Jörn Schulz

Wollten Sie schon immer ein eigenes Atomkraftwerk haben? Dann fangen Sie schon mal an zu Sparen, denn ganz billig ist es nicht. 25 Millionen Dollar soll der Minireaktor kosten, aber Sie können ja mit ein paar Freunden zusammenlegen, der Strom reicht für 10.000 Leute. Der Reaktor ist so klein, dass er in den Vorgarten oder den Hinterhof passt. Einfach bestellen, dann kommt der LKW und die Lieferanten vergraben das gute Stück – Sie haben also auch noch ganz umsonst eine Fußbodenheizung. Alle fünf Jahre schaut jemand vorbei und nimmt den Atommüll mit. Sollte zufällig Ussama bin Laden herumbuddeln und die Brennstäbe klauen wollen – geht nicht: “It’s too hot to handle", meint John Deal, Chief Executive der Herstellerfirma Hyperion. Ein Unfall? Unmöglich, denn “es gibt keine beweglichen Teile", überdies “basiert der Reaktor auf einer 50 Jahre alten Konstruktion, die Studenten sicher bedienen können". Ein echtes High-Tech-Gerät, studentensicher, entwickelt in den Laboratorien von Los Alamos, deren Wissenschaftler ja bereits am 16. Juli 1945 ihr Können bewiesen haben. 4000 Reaktoren will Hyperion herstellen, 100 wurden bereits bestellt, im Jahr 2013 soll die Auslieferung beginnen.

9. November 2008, 13.15 Uhr:

Goldene Lebensregel

von Stefan Ripplinger

Wer in Deutschland aufwächst und unglücklicherweise für Literatur und Kunst empfänglich ist, muss verzweifeln. Von früh an werden ihm Goethe und Thomas Mann, Grass oder Martin Mosebach als bedeutende Schriftsteller vorgestellt. Wenn er sie aber liest, langweilt er sich entsetzlich und flüchtet sich in die Kunst, wo ihn hier Baselitz, da Tübke erwarten. Hinein in die Theorie, wähle zwischen Habermas und Luhmann. Er ist zum Alkoholismus verurteilt.

Es gibt aus dieser Misere nur einen Weg, ich finde ihn bei Witold Gombrowicz vorgezeichnet. Gombrowicz schrieb zum Missfallen seiner Landsleute, die polnische Literatur habe dies und das Schöne hervorgebracht, aber so wichtig sei sie nun wieder nicht. Dafür ist das Land zu klein.

Deutschland scheint größer zu sein als Polen, aber das täuscht. Einen Gombrowicz, einen Witkiewicz, einen Schulz hat es hier nie gegeben. Die Phantasie des Landes steckt im Maschinenbau. Was groß ist, erscheint den Deutschen klein, weil sie so weit ab vom Schuss sind. (Deshalb geben sie manchmal Schüsse ab). Aber beklagen sich die Luxemburger darüber, dass nicht die halbe Welt ihre Literatur lesen will? Stell dir vor, du bist ein Primatologe am Nordpol oder ein Skifahrer in Ägypten, und alle Unbill fällt von dir ab. Es ist, als ob du hier nur wohntest und ganz woanders lebtest.

7. November 2008, 17.05 Uhr:

"Juden und Neger"

von Ivo Bozic

Und ich denk noch, hey, was regt sich der gute Friedman so auf, aber er hat offenbar voll ins Braune getroffen.

4. November 2008, 15.50 Uhr:

Konzert oder Party?

von Ivo Bozic

Am Samstag war das Egotronic-Konzert in Berlin, mit dabei Frittenbude und - richtig geil: - Rampue. Eine Supersause, oberhammer! Aber war es nun ein Konzert oder eine Party? Man weiß es nicht, ist ja auch egal, aber ich weiß bestimmt, irgendwo da vorne war die Bühne und waren auch Musiker…:

Fehlt nur noch der Schaum… Näxtes Mal vielleicht…

4. November 2008, 09.25 Uhr:

Yma Sumac

von Stefan Ripplinger

Ich bin in Peru geboren, vor 2000 Jahren.”

31. Oktober 2008, 08.26 Uhr:

Tempelhof

von Stefan Ripplinger

Kurz vor Mitternacht liefen wir nochmal an die Rollbahn. Ein paar unentwegte Fotografen, ein paar Betrunkene, ein paar Urberliner, nichts weiter. Irgendjemand hatte sein Radio auf die Meldungen des Tower eingestellt. Außer einem Sportflieger war kein Flugzeug mehr zu sehen, und bald wurde es uns zu kalt. Ich habe es geliebt, wenn die großen Maschinen direkt über dem Haus herunterwuchteten, ein gewaltiger Lärm, die Bäume bogen sich im Zugwind, der ganze Himmel verdunkelte. Schöner noch in regnerischer Nacht, ein mächtiges Glitzern mitten in der Schwärze. Und natürlich war man immer, wie in dem Schlager von Gilbert Bécaud, der Junge aus der Vorstadt, der aus der Enge des Wohnblocks 21 keinen anderen Ausweg kennt als die Besuche des Flughafens Orly, wo die „Nachtvögel“ abheben. Eines Tages wird er hoffentlich selbst in einem Flugzeug sitzen und den Wohnblock winzig wie einen Punkt verschwinden sehen.

À l’escalier six, bloc vingt-et-un
J’habite un très chouette appartement
Que mon père, si tout marche bien
Aura payé en moins de vingt ans
On a le confort au maximum
Un ascenseur et une salle de bain
On a la télé, le téléphone
Et la vue sur Paris, au lointain
Le dimanche, ma mère fait du rangement
Pendant que mon père à la télé
Regarde les sports religieusement
Et moi j’en profite pour m’en aller

Je m’en vais le dimanche à Orly
Sur l’aéroport on voit s’envoler
Des avions pour tous les pays
Tout l’après-midi… y’a de quoi rêver
Je me sens des fourmis dans les idées
Quand je rentre chez moi la nuit tombée

À sept heures moins cinq, tous les matins
Nicole et moi, on prend le métro
Comme on dort encore, on ne se dit rien
Et chacun s’en va vers ses travaux
Quand le soir je retrouve mon lit
J’entends les Boeings chanter là-haut
Je les aime, mes oiseaux de nuit
Et j’irai les retrouver bientôt

Oui j’irai dimanche à Orly
Sur l’aéroport on voit s’envoler
Des avions pour tous les pays
Pour toute une vie… y’a de quoi rêver
Un jour de là-haut le bloc vingt-et-un
Ne sera plus qu’un tout, tout petit point.

(Musik: G.B. / Text: Pierre Delanoë; 1963)

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