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Kürzliche Beiträge
17. November 2008, 21.16 Uhr:

Fraktur

von Stefan Ripplinger

Die beiden intellektuellen Urtypen sind der Säusler und der Polterer. Schwer zu sagen, wer von beiden unangenehmer ist. Der eine verliert sich in süßlichem Gefasel, der andere löst selbst delikateste Probleme wie Alexander den Knoten. Der eine findet kein Ende, dem andern ist jede Abkürzung recht. Der eine lässt sich nicht festlegen, der andere legt gleich auch alle andern fest. Selbstverständlich hassen sie einander wie die Pest, aber ihr Streit ist ganz uninteressant.

Das ging mir auf, als ich die „Politische Romantik“ von Carl Schmitt las. Ein amüsantes Buch, das aber doch nur einen einzigen Gedanken enthält: Die Romantiker seien ein säuselndes, saumseliges, unzuverlässiges Pack. Schmitts Buch wiederholt im Grunde nur das Ressentiment, das Hegel gegen Hamann und dessen „lungernde, bestimmungs- und arbeitsscheue Lebensart“ hegt. Das ist, zumindest was die Bestimmungsscheu anlangt, ganz ungerecht. Denn Hamann ist überaus bestimmt, geradezu das Muster eines ganz und gar Festgelegten, er mag viele Wörter kennen, aber es geht ihm doch immer nur um das Eine Wort, und das ist das Luthers; seltener Fall eines Polterers, der in allen Zungen säuselt.

Mit Schmitt ging es mir wie mit dem alten Krauter, den man ganz komisch finden kann, wenn er einen Abend lang seine Sprüche klopft. Aber wenn er sie dann am nächsten Abend schon wieder bringt, wird es trostlos. Leicht zu begreifen, warum einer sich gelegentlich von Bernhard oder Brinkmann, Hacks oder Henscheid, Schmidt oder Schmitt unterhalten lässt (ich tu’s nicht), aber ganz unbegreiflich, dass manche mit ihnen ihr Leben zubringen wollen. Da heißt es, bei diesen werde nicht gesäuselt und gefackelt, sondern kurzer Prozess gemacht. Ja, das sehe ich auch. Aber weshalb sollen denn die Prozesse so kurz sein? Dieses Denken hasst nichts mehr als zu denken. Und darin sind sich übrigens Säusler und Polterer ganz einig, sie mogeln sich beide ums Denken herum. Der „spröde Geschmack an der Verfeinerung, am Paradox, an der Aporie“, von dem Derrida in seinem letzten Interview sprach, ist ihnen fremd. Der eine vernebelt das Schwierige und Anstößige, der andere haut es platt.

14. November 2008, 13.19 Uhr:

Singen für den Frieden

von Ivo Bozic

Gestern spät erklärte man mir in der ARD (hier der Beitrag), wie toll es doch sei, dass HipHopper in der Westbank auf der Bühne gegen Israel rappen, dass sie endlich mal ihren Frust, ihren Hass rauslassen können, und noch toller, dass der deutsche Steuerzahler das alles finanziere. Und der Rapper Massiv („Mein Satz ist Sprengstoff/ meine Hand am Sprengknopf“) erklärte im Interview, dass es ja nicht nur um Politik, sondern auch um Spaß gehe („Ich zerbrösel euern Unterleib/ es sind die Splitter der Granaten die wie ‘n Haken dein Schädel teilen“).
Danke ARD, danke Goethe-Institut für diesen Beitrag zur Völkerverständigung. Peace!

UPDATE: Inzwischen gibt es einige Kritik - zumindest an der Einladung des Rappers Massiv.

13. November 2008, 18.17 Uhr:

Jetzt nachrüsten!

von Jörn Schulz

Wollten Sie schon immer eine eigene Atombombe haben? Wenn alle wissen, dass Sie über eine Erstschlagskapazität verfügen, wird man Sie schließlich mit deutlich größerem Respekt behandeln. Niemand drängelt sich im Supermarkt mehr vor Sie in die Schlange, kein Busfahrer schnauzt Sie mehr an, weil Sie in der Mitte eingestiegen sind, Sie können auf dem Amt einfach eine Tür aufmachen, wenn Sie nach Ihrer Nummer gefragt werden, sagen Sie einfach: “30 Kilotonnen". Sicher wird Ihnen der Chef eine Gehaltserhöhung gewähren, und sollten sie arbeitslos sein, weisen Sie den Sachbearbeiter einfach darauf in, dass „A“ nicht nur für Arbeit steht. Vorteile ohne Ende, und Sie müssen gar nicht den Ahmed Jihad machen, an Zentrifugen herumbasteln, sich mit UN-Bürokraten und Neocons herumärgern. Lernen Sie einfach Tauchen! Denn rund 50 Atombomben warten auf dem Meeresgrund darauf, von Ihnen gehoben zu werden. So viele gingen während des Kalten Krieges verloren. Natürlich behaupten die sogenannten Experten, es käme keiner an die Dinger ran. Schließlich habe das Militär es ja erfolglos versucht. Aber, mal ehrlich: Wir sprechen hier von Leuten, die so dusselig sind, dass sie sogar ihre Atombomben verlieren. Von Leuten, die partout Ussama bin Laden nicht finden können, obwohl der Bursche deutlich größer ist als ein durchschnittlicher Nuklearsprengsatz und sich zweifellos nicht tief unter der Meeresoberfläche verbirgt. Von Leuten, die der Öffentlichkeit natürlich nie sagen würden: “Scheiß doch auf die paar Bomben, wir haben mehr als genug von dem Zeug.” Obwohl ihnen vielleicht nur das Wasser zu kalt war. Viele Bomben gingen nämlich in der Umgebung Grönlands verloren.

12. November 2008, 17.13 Uhr:

Too hot to handle

von Jörn Schulz

Wollten Sie schon immer ein eigenes Atomkraftwerk haben? Dann fangen Sie schon mal an zu Sparen, denn ganz billig ist es nicht. 25 Millionen Dollar soll der Minireaktor kosten, aber Sie können ja mit ein paar Freunden zusammenlegen, der Strom reicht für 10.000 Leute. Der Reaktor ist so klein, dass er in den Vorgarten oder den Hinterhof passt. Einfach bestellen, dann kommt der LKW und die Lieferanten vergraben das gute Stück – Sie haben also auch noch ganz umsonst eine Fußbodenheizung. Alle fünf Jahre schaut jemand vorbei und nimmt den Atommüll mit. Sollte zufällig Ussama bin Laden herumbuddeln und die Brennstäbe klauen wollen – geht nicht: “It’s too hot to handle", meint John Deal, Chief Executive der Herstellerfirma Hyperion. Ein Unfall? Unmöglich, denn “es gibt keine beweglichen Teile", überdies “basiert der Reaktor auf einer 50 Jahre alten Konstruktion, die Studenten sicher bedienen können". Ein echtes High-Tech-Gerät, studentensicher, entwickelt in den Laboratorien von Los Alamos, deren Wissenschaftler ja bereits am 16. Juli 1945 ihr Können bewiesen haben. 4000 Reaktoren will Hyperion herstellen, 100 wurden bereits bestellt, im Jahr 2013 soll die Auslieferung beginnen.

9. November 2008, 13.15 Uhr:

Goldene Lebensregel

von Stefan Ripplinger

Wer in Deutschland aufwächst und unglücklicherweise für Literatur und Kunst empfänglich ist, muss verzweifeln. Von früh an werden ihm Goethe und Thomas Mann, Grass oder Martin Mosebach als bedeutende Schriftsteller vorgestellt. Wenn er sie aber liest, langweilt er sich entsetzlich und flüchtet sich in die Kunst, wo ihn hier Baselitz, da Tübke erwarten. Hinein in die Theorie, wähle zwischen Habermas und Luhmann. Er ist zum Alkoholismus verurteilt.

Es gibt aus dieser Misere nur einen Weg, ich finde ihn bei Witold Gombrowicz vorgezeichnet. Gombrowicz schrieb zum Missfallen seiner Landsleute, die polnische Literatur habe dies und das Schöne hervorgebracht, aber so wichtig sei sie nun wieder nicht. Dafür ist das Land zu klein.

Deutschland scheint größer zu sein als Polen, aber das täuscht. Einen Gombrowicz, einen Witkiewicz, einen Schulz hat es hier nie gegeben. Die Phantasie des Landes steckt im Maschinenbau. Was groß ist, erscheint den Deutschen klein, weil sie so weit ab vom Schuss sind. (Deshalb geben sie manchmal Schüsse ab). Aber beklagen sich die Luxemburger darüber, dass nicht die halbe Welt ihre Literatur lesen will? Stell dir vor, du bist ein Primatologe am Nordpol oder ein Skifahrer in Ägypten, und alle Unbill fällt von dir ab. Es ist, als ob du hier nur wohntest und ganz woanders lebtest.

7. November 2008, 17.05 Uhr:

"Juden und Neger"

von Ivo Bozic

Und ich denk noch, hey, was regt sich der gute Friedman so auf, aber er hat offenbar voll ins Braune getroffen.

4. November 2008, 15.50 Uhr:

Konzert oder Party?

von Ivo Bozic

Am Samstag war das Egotronic-Konzert in Berlin, mit dabei Frittenbude und - richtig geil: - Rampue. Eine Supersause, oberhammer! Aber war es nun ein Konzert oder eine Party? Man weiß es nicht, ist ja auch egal, aber ich weiß bestimmt, irgendwo da vorne war die Bühne und waren auch Musiker…:

Fehlt nur noch der Schaum… Näxtes Mal vielleicht…

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