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Kürzliche Beiträge
4. November 2008, 09.25 Uhr:

Yma Sumac

von Stefan Ripplinger

Ich bin in Peru geboren, vor 2000 Jahren.”

31. Oktober 2008, 08.26 Uhr:

Tempelhof

von Stefan Ripplinger

Kurz vor Mitternacht liefen wir nochmal an die Rollbahn. Ein paar unentwegte Fotografen, ein paar Betrunkene, ein paar Urberliner, nichts weiter. Irgendjemand hatte sein Radio auf die Meldungen des Tower eingestellt. Außer einem Sportflieger war kein Flugzeug mehr zu sehen, und bald wurde es uns zu kalt. Ich habe es geliebt, wenn die großen Maschinen direkt über dem Haus herunterwuchteten, ein gewaltiger Lärm, die Bäume bogen sich im Zugwind, der ganze Himmel verdunkelte. Schöner noch in regnerischer Nacht, ein mächtiges Glitzern mitten in der Schwärze. Und natürlich war man immer, wie in dem Schlager von Gilbert Bécaud, der Junge aus der Vorstadt, der aus der Enge des Wohnblocks 21 keinen anderen Ausweg kennt als die Besuche des Flughafens Orly, wo die „Nachtvögel“ abheben. Eines Tages wird er hoffentlich selbst in einem Flugzeug sitzen und den Wohnblock winzig wie einen Punkt verschwinden sehen.

À l’escalier six, bloc vingt-et-un
J’habite un très chouette appartement
Que mon père, si tout marche bien
Aura payé en moins de vingt ans
On a le confort au maximum
Un ascenseur et une salle de bain
On a la télé, le téléphone
Et la vue sur Paris, au lointain
Le dimanche, ma mère fait du rangement
Pendant que mon père à la télé
Regarde les sports religieusement
Et moi j’en profite pour m’en aller

Je m’en vais le dimanche à Orly
Sur l’aéroport on voit s’envoler
Des avions pour tous les pays
Tout l’après-midi… y’a de quoi rêver
Je me sens des fourmis dans les idées
Quand je rentre chez moi la nuit tombée

À sept heures moins cinq, tous les matins
Nicole et moi, on prend le métro
Comme on dort encore, on ne se dit rien
Et chacun s’en va vers ses travaux
Quand le soir je retrouve mon lit
J’entends les Boeings chanter là-haut
Je les aime, mes oiseaux de nuit
Et j’irai les retrouver bientôt

Oui j’irai dimanche à Orly
Sur l’aéroport on voit s’envoler
Des avions pour tous les pays
Pour toute une vie… y’a de quoi rêver
Un jour de là-haut le bloc vingt-et-un
Ne sera plus qu’un tout, tout petit point.

(Musik: G.B. / Text: Pierre Delanoë; 1963)

29. Oktober 2008, 14.45 Uhr:

Er war's

von Jörn Schulz

Falls Sie noch Zweifel hatten: Natürlich hat George W. Bush schuld an der globalen Finanzkrise. Er hat das lange vorbereitet, bereits an der Harvard Business School übte er, wie man Blasen platzen lässt.

25. October 2008, 16.41 Uhr:

Steiners Notizen

von Stefan Ripplinger

Meinem Hinweis auf Franz Baermann Steiner füge ich einen zweiten, auf seine Aphorismen und Notizen, an. Sie bilden einen Höhepunkt, oder sagen wir: ein Hochplateau, seines Werks. Es steht zu hoffen, dass der Wallstein Verlag auch sie vollständig herausbringt. Eine Auswahl erschien vor nunmehr zwanzig Jahren.

– Noch glaube ich, daß wir uns verirrt haben.
– Nein, bald sind wir am Ziel, und dann ist es aus mit diesen schönen Hoffnungen.

(Franz Baermann Steiner, Fluchtvergnüglichkeit. Feststellungen und Versuche. Eine Auswahl von Marion Hermann-Röttgen. Stuttgart: Flugasche 1988; Nr. 5)

Einiges setzt die Kenntnis der wissenschaftlichen Aufsätze und der Gedichte voraus. Vieles ist aber unmittelbar verständlich, beispielsweise dies:

Die sozialistische Gesellschaftsordnung ist zu bejahen, nicht etwa, weil sie jedem Menschen Wohlstand gewährt; im Gegenteil, weil nun zum erstenmal in der Geschichte Menschen arm sein dürfen, ohne dadurch wehrlos zu werden.
Sozialismus bedeutet nicht gleiche Verteilung der Güter, sondern daß der Besitz aufhört, Schutz des Menschen zu sein.

(Nr. 256)

Weiterlesen.

24. October 2008, 17.45 Uhr:

Mossad oder al-Qaida?

von Ivo Bozic

Verschwörungstheoretiker aller Länder vereinigt euch! Der “Fall Haider” regt wieder mal zur Fantasie an. Selbstverständlich auch den Mann, der schon entdeckt hat, dass die RAF eine Geheimdiensterfindung war, das World Trade Center nicht etwa von Flugzeugen, sondern von Sprengladungen in Schutt und Asche gelegt wurde und die Mondlandung sowie ein Fake war: Gerhard Wisnewksi.
Und alle Irren ermitteln eifrig mit: “Das Volk von Kärnten ermittelt.” (Wisnewksi) Aber nicht nur das Volk von Kärnten, sondern auch das Volk des Planeten Politically Incorrect: “Also ich habe den Unfall immer und immer wieder versucht zu konstruieren. Zwar mit einem Kleinen Spielzeugauto, aber bei mir kam der Wagen nicht so auf wie er von Herrn haider aufkam.”

Und was, wenn jetzt PI herausfindet, dass es der Mossad war? Oder wenn Wisnewski herausfindet, dass es al-Qaida war? Keine Sorge, SO wird es wohl nicht kommen.

PS. Was sagen eigentlich Bröckers und Elsässer zu dieser Affäre?

UPDATE: Inzwischen habe ich selbst Ermittlungen eingeleitet, und kann das Attentat anhand der Unfallfotos eindeutig nachweisen, Wisnewski hat Recht, sehen Sie selbst!

22. October 2008, 23.55 Uhr:

Freak out!

von Lieselotte Kreuz

Kann sich irgendjemand außer mir noch an dieses drollige Spiel erinnern, mit dem man sich früher in langweiligen Mathestunden die Zeit vertrieb? Man malte nacheinander Körperteile auf einen Zettel, aber immer ohne den vorhergehenden Körperteil zu kennen, so dass nachher irgendein Unsinn entstand? Für Fortgeschrittene gab es das später auch mit Satzteilen, wobei damals noch niemand die Möglichkeiten des Spiels so vollendet auszuschöpfen vermochte wie Durs Grünbein einige Jahre später. Bei uns ging es in erster Linie darum, wer angeblich wen geküsst hatte, glaube ich, wir waren eben nicht besonders einfallsreich. Jedenfalls bestand die große Herausforderung bei diesem Spiel immer darin, den Zettel von einer Bank in die nächste zu schmuggeln, ohne sich dabei vom Lehrpersonal erwischen zu lassen. Und jetzt, Jahre später, was muss ich da sehen? Die nachfolgende Generation, die es ja ohnehin schon viel zu leicht hat und alles vorne und hinten und sonstwo reingeschoben bekommt und in ihren vollgeheizten und vollverkabelten Klassenzimmern gemütlich vor sich hindösen kann, wo wir schließlich damals noch barfuß im Schnee die Unterrichtsstunden absolvierten, die muss sich noch nicht einmal dieser letzten Herausforderung mehr stellen, die kann das alles bequem im Internet erledigen: Mit der Freakmachine. Geil eigentlich.

22. October 2008, 18.34 Uhr:

Joe und das S-Wort

von Jörn Schulz

Konservative Amerikaner halten das S-Wort für mindestens ebenso unanständig wie das F-Wort. Doch wenn die Not groß genug ist, muss das Tabu gebrochen werden. Obama will die Steuern für Familien mit einem Einkommen von mehr als 250000 Dollar erhöhen. „Joe der Klempner sagte, für ihn klinge das so wie Sozialismus. Jetzt ist nicht die Zeit für sozialistische Experimente“, meint Sarah Palin. Da möchte man fragen: Wann denn sonst?

Aber wenden wir uns einmal Joe zu. Joseph Wurzelbacher ist kein gelernter Handwerker, sondern Angestellter in einem winzigen Klempnerbetrieb. Er hat Steuerschulden, träumt aber davon, den Betrieb zu kaufen. Das würde wohl nicht gut gehen, denn ihm fehlt nicht nur die Lizenz, er kennt offenbar auch den Unterschied zwischen dem Firmenumsatz und dem zu versteuernden persönlichen Einkommen nicht. Es wäre ein Wunder, wenn Joe jemals mehr als 250000 Dollar im Jahr verdient. Dennoch glaubt er, die von Obama geplante Steuererhöhung von drei Prozent sei verwerflich, weil sie Amerika dem Sozialismus näher bringe. Was treibt Leute wie Joe den Klempner dazu, beinhart an ihrem ideologischen Wahnssystem festzuhalten?

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