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Kürzliche Beiträge
6. Oktober 2008, 10.04 Uhr:

Als Karl Kraus nach Leipzig zog

von Stefan Ripplinger

Wenn der Kapitalismus schwächelt, kommt der Antikommunismus in Schwung. Immer finsterer wird das Gemälde von der DDR, das bestallte und berufene Historiker pinseln. Und doch wird meist in einem Sätzchen erwähnt, was vielleicht an ihr hätte Hoffnung geben können:

Am Anfang schwang da viel Idealismus mit, wie Hosfeld am Beispiel jener Aufbruchs- und Gründerzeit belegt, die Karl Krauss, Ernst Bloch und Hans Maier nach Leipzig führte, das mit diesem Zuzug aus dem Westen zur Hochburg der Edelmarxisten wurde.

So gesprochen, so vernetzt von Peter Merseburger im Deutschlandradio Kultur. Der Hochburg der Edelmarxisten direkt gegenüber, ein paar hundert Kilometer westlich, liegen die Zwingburgen der Spesenritter.

5. Oktober 2008, 23.16 Uhr:

Reisetagebuch 6

von Ivo Bozic

Das Wetter heute war großartig, falls Sie das wissen möchten, Sonne pur. Die Ergebnisse der angekündigten Recherche letzter Nacht, puuuh, erfahren Sie dann in der Malle-Jungle am 16.10.
Aber nicht, dass Sie denken, wir würden uns nur amüsieren. Erstens ist die Recherche im mallorquinischen Nachtleben nicht unbedingt nur Amüsement und zweitens recherchieren wir natürlich auch tagsüber, ganz andere Dinge. Heute zum Beispiel in Sachen Raimundus Llulus, Daniel Liebeskind und jüdische Gräber. Und drittens produzieren wir nicht nur eine Zeitung für Sie, sondern unten im Weinkeller wird gleichzeitig noch etwas ganz anderes produziert. Was? Wenn ich das wüsste. Aber es scheint ungeheuer bombastisch zu werden…

5. Oktober 2008, 16.47 Uhr:

Seniorensex

von Stefan Ripplinger

Befremdlich, kurz hintereinander erst einen US-amerikanischen, dann einen deutschen Film über das Altern zu sehen. Die Brüder Coen legen dieses Jahr bereits den zweiten zum Thema vor. Während jedoch in „Burn After Reading“ die in die Jahre gekommene Frau sich reihenweise Liebhaber nimmt und für ihre Schönheits-OPs über Leichen geht, was zwar kurios, aber sehr sympathisch erscheint, wird in Dresens „Wolke 9“ die geile Alte perhorresziert, die für ihre Wünsche die „Familie aufs Spiel setzt“ und die, wie kann es anders sein, den Gatten in den Selbstmord treibt. (Der Linda Litzke der Coens steht, das sei zugegeben, kein Ehemann im Weg. Da ist immerhin der väterliche Manager des Gymnastikstudios „Hardbodies“, der ihr beständig einflüstert, weshalb denn in die Ferne schweifen, wenn der Gute ist so nah? Aber, das ist wiederum der Unterschied, die Coens lassen die Linda nicht zur Vernunft und den Spießer nicht ans Ziel kommen. „Aren’t you the guy from the gym?“ „Yes. But I’m not representing ‚Hardbodies’ here.“ „I know. You’re representing the league of idiocy.“)

4. Oktober 2008, 20.41 Uhr:

Reisetagebuch 5

von Ivo Bozic

Das Wetter! Naja… Also das geht wohl doch noch besser! Es ist kalt, gestern regnete es den ganzen Tag. Und die Nacht. Immerhin: Zumindest drinnen ist es trocken, und das Nightlife findet ja eher drinnen statt zu dieser Jahreszeit. Wird man von Schaumpartys eigentlich nass? Okay, wir werden das recherchieren…
Aber wenn es hier sonnig ist, machen wir uns gerne freiwillig nass - guckst du hier:

Blick aus der Jungle-World-Redaktion

3. Oktober 2008, 23.28 Uhr:

Reisetagebuch 4

von Ivo Bozic

Die anderen sind außer Haus. Draußen im Regen. Palma, Subkultur. Wir, die wir zurück geblieben waren, haben schon mal nen kleinen Berg der laufenden Produktion abgearbeitet. Beim Versuch, Tagesschau zu gucken, wurde ein Mallorca-Klischee schon mal widerlegt: Man könnte annehmen, bzw. ich nahm an, in einem mallorquinischen Ferienhaus findet man die ARD auf dem Knopf Nr. 1 der Fernbedienung. Aber bei dem einen Fernseher im Produktionsraum, also der Küche, gibt es überhaupt nur spanische und katalanische Sender, und bei dem anderen, oben in der Nichtraucheretage, habe ich jetzt 60 Sender durchgezappt, allesamt entweder deutsche Verkaufs- und Sexkanäle oder arabische Programmne. Die Nachrichten musste ich also auf al-Jazeera schauen. So wichtig scheint diese CSU-Geschichte nicht zu sein.
Die Poolbeleuchtung bleibt heute aus. Dafür hängen die Fahnen. Auf einer Plastik-Tischdecke am Treppengeländer. Es sieht inzwischen alles nach Arbeit aus. Peter Maffay hat uns eingeladen, aber wir gehn wohl nicht hin, vielleicht aber zu Jürgen Drews. Bernhard Brink haben wir verpasst.
Morgen gibts Fotos! Hier auf diesem Kanal.

3. Oktober 2008, 00.52 Uhr:

Reisetagebuch 3

von Ivo Bozic

Antideutsch am Ballermann. Geht das? Nicht nur dies werden wir in den folgenden Tagen hier auf der Insel recherchieren. Genaugenommen haben wir heute schon viele krasse Abenteuer erlebt, die ich hier an dieser Stelle nur andeuten kann. Denn ich will Ihnen ja die Überraschung nicht verderben, nicht die Vorfreude auf unsere super-mega-geile Mallorca-Ausgabe der Jungle World (16. Oktober!). Deshalb nur ein paar Stichworte: Sex, Drugs, Rock’n'Roll. Dazu: Ein brennendes Mietauto, naja fast, ein Raubüberfall, naja versucht, Slum, Kloster, Ballermann und Promis. Außerdem eine Tierbefreiungsaktion, naja die Tiere waren ziemlich klein, ein geborgener Piratenschatz und ein reparierter Rechner. Nebenan am Küchentisch, an dem wir unsere Redaktion aufgebaut haben, wird in einer Exel-Tabelle die Haushaltskasse gepflegt, einige sind grad in der Dorfschenke, Jungs gucken, und heute Nacht noch sind wir produktionstechnisch voll einsatzfähig, uff. Morgen gehts zur Blattkritik bei den örtlichen Kollegen. Gerade erfahren wir, dass ein Experte, den wir hier unbedingt treffen wollten, derzeit in Berlin weilt. Naja, kann nicht alles klappen. Aber Sie sehen, wir sind voll in Bewegung. “Wie funktioniert das jetzt mit dieser Handy-Nummer", ist eine gerne gestellte Frage. Antworten folgen.

2. Oktober 2008, 02.44 Uhr:

Reisetagebuch 2

von Ivo Bozic

Inzwischen ist der Zentralrechner im Computer-Hospital dieser kleinen Insel. Morgen soll er wieder fit sein. Das Örtchen in dem wir die mobile Jungle-Redaktion aufgebaut haben, hat sogar eine Fußgängerzone und eine Kirche und einen zentralen Platz. Das alles ist aber auch irgendwie das selbe und Menschen trifft man dort nur selten. Wir sind aber auch schon etwas rumgekommen und es wird von merkwürdigen Automaten berichtet, die auf dieser Insel herumstehen und groteske Dinge können, auch das Meer soll lau sein. Das muss für heute reichen, denn es ist schon spät und morgen gilt es früh aufzustehen.

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